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Moonsorrow: Jumalten Aika

Das lange Warten hat sich (mal wieder) gelohnt
Wertung: 9/10
Genre: Epic Pagan Metal
Spielzeit: 67:05
Release: 01.04.2016
Label: Century Media

Ganze fünf Jahre hat es gedauert, bis Moonsorrow endlich mit ihrem siebten Full-length-Studioalbum um die Ecke gekommen sind, und nein: Es handelt sich glücklicherweise nicht um einen Aprilscherz, wäre ja auch noch schöner, denn so lange hatte man bislang noch nie auf neues Material der vielleicht epischsten Band aller Zeiten warten müssen. Die Erwartungshaltung wird dadurch naturgemäß nicht gerade geringer, die Kommentare der Band im Vorfeld des Releases wortgewaltig und pathosgeladen wie gewohnt: „Entfesselte Aggression“, „Tiefe Mysterien aus dem Norden“, „Donnernde Hexerei“, alles „erzählt von der Stimme und dem Sound von Moonsorrow“.

Dass die Finnen an ihrer grundsätzlichen Ausrichtung nichts verändert haben, beweist die Tatsache, dass auf der CD wieder nur fünf Tracks enthalten sind, von denen lediglich einer weniger als zehn Minuten Länge aufweist. Die Veränderungen liegen wie so häufig in den Details: Schon das ausschließlich in Schwarz-Weiß-Tönen gehaltene Coverartwork (eine Darstellung der Weltesche Yggdrasil?) mutet archaischer als alle bisherigen optischen Aufmacher an und lässt auf eine irgendwie rohere und rabiatere musikalische Ausrichtung schließen.

Und tatsächlich, das von Mastermind Henri Sorvali beschworene, zur Band wie die Faust aufs Auge passende Bild, dass, wenn der Vorgänger ein Bär sei, der sich langsam seinen Weg bahnt, „Jumalten Aika“ eher mit einem Wolf zu vergleichen wäre, der genau dann am kräftigsten zubeißt, wenn man es am wenigsten erwartet, entpuppt sich als sehr treffend, genauso wie die Aussage, die Folk-Elemente seien diesmal unterschwelliger integriert worden. Das war bei „Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maasa“ verglichen mit „Hävitetty“ bereits der Fall, nun jedoch ist man in dieser Hinsicht noch einmal einen Schritt weiter gegangen.

Moonsorrow agieren von Anfang an düsterer, harscher und mit deutlicheren schwarzmetallischen Referenzen – quasi etwas mehr back to the roots. Der eröffnende Titelsong beginnt nach einem kurzen Intro mit einem simplen Brachialriff, auf dem der komplette Track basiert und das in der Folge kunstvoll variiert wird. Aus wenig viel zu machen, war allerdings bekanntlich schon immer das, was diese außergewöhnliche Combo besonders ausgezeichnet hat.

Sind der Titel und der gleichnamige Song auch für Nichtfinnen noch relativ leicht zu merken und auszusprechen, handelt es sich bei dem folgenden „Ruttolehto incl. Päivättömän Päivän Kansa“ mal wieder um einen echten Zungenbrecher. Ein typisch rauer, aber erhabener Männerchor leitet den vor allem im ersten Abschnitt recht groovigen, rockigen Viertelstünder ein und auch hier taucht die anfänglich vorgestellte, ohrwurmige Melodie immer wieder im weiteren Verlauf auf. Etwa in der Mitte erfolgt eine Zäsur, indem jegliche Härte komplett herausgenommen wird und erneut die Chöre auftauchen, die sowohl eine trotzig-kämpferische als auch Lagerfeuer-romantische Stimmung transportieren – Maultrommeln, Flöten und dezente Geigenklänge tragen ihren Teil dazu bei.

Diese Tatsache zeigt, dass die Folk-Elemente natürlich nach wie vor trotzdem einen eminent wichtigen Teil in Moonsorrows Musik spielen, sie aber eben lediglich farbiger und abwechslungsreicher gestalten, anstatt sie wie bei so vielen anderen Pagan-Sauf-Kapellen zu dominieren und zu einer Travestie verkommen zu lassen. Sehr schön und harmonisch sind auch die Akustikgitarren eingesetzt, so beispielsweise zu Beginn des absolut mächtigen „Mimisbrunn“ (bester Song der Platte), das sich in doomiger Manier langsam bis zur Blastbeat-Raserei aufbaut, und mit einer markanten, fast tanzbaren Keyboard-Melodie ausgestattet wurde.

Jenes und auch das letzte Stück „Ihmisen Aika (Kumarrus Pimeyteen)“, das zunächst mit hypnotisch-stampfendem Riffing startet und dann vor allem von einer majestätisch-melancholischen Melodie, die insbesondere im Chor gesungen eine starke Wirkung entwickelt und darüber hinaus verdammt eingängig ist, getragen wird, erstrecken sich jeweils auf die stolze Dauer von 16 Minuten, davor allerdings befindet sich mit „Suden Tunti“ ein Song, zu dem Moonsorrow erstmals ein Musikvideo (!) gedreht haben, das bereits vorab auf YouTube angesehen werden konnte. Mit sieben Minuten ist die Nummer Mainstream-technisch betrachtet immer noch recht umfassend – für die Verhältnisse dieser Truppe weist der Track allerdings geradezu die lächerliche Länge eines Punkrock-Songs auf.

Nichtsdestotrotz fließt das Album bestens in einem Stück durch und zeigt sich mindestens so homogen und durchdacht wie seine Vorgänger. Moonsorrow haben nicht viel verändert und irgendwie doch. Wie die Herren auch auf ihrer siebten Full-length mit überlangen Kompositionen aufwarten, ohne sich nur stumpf zu wiederholen und zu langweilen, imponiert jedenfalls einfach nur gewaltig. Aufs Neue beeindrucken die heidnischen Recken mit einer Epik, Wucht und Dramatik, von der andere Formationen nur träumen können – in Szene gesetzt von einer kraftvollen wie organischen Produktion.

Versteht sich außerdem, dass Ville Sorvalis unmenschliches Geschrei, das wahrscheinlich sogar ein ganzes Wolfsrudel in die Flucht schlagen würde, natürlich ebenso wie immer einen zentralen Aspekt ausmacht, genauso die sporadisch platzierten Naturgeräusche, die Herzblut, Authentizität und Liebe zur finnischen Landschaft noch zusätzlich betonen. CD in den Schacht, Augen zu und genießen, kann es da nur heißen – es gibt wieder mal viel zu entdecken. Trotzdem warte ich immer noch auf das Album, auf dem nur ein einziger Track von einer Stunde Länge enthalten ist…

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