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Monuments: The Amanuensis

Neuer Sänger, neues Glück
Wertung: 8,5/10
Genre: Progressive Metal, Hardcore
Spielzeit: 50:21
Release: 20.06.2014
Label: Century Media

Monuments sind ein wahrlich unsteter Haufen. Nicht nur musikalisch legen sich die Herren nicht gerne fest, auch im Line-Up gibt es pünktlich zum neuen Album einen Wechsel und das ausgerechnet am Sängerposten: Matt Rose hat nämlich das Mikro abgegeben, stellvertretend hat sich Chris Barretto den Posten einverleibt, der übrigens gleichzeitig auch für das Saxophon zuständig ist.

Moment. Saxophon? Richtig, denn Monuments können mit den gängigen Metal-Attitüden wenig anfangen. Klar, es gibt Gitarren, Bass, Schlagzeug und hier und da sehr ordentliches Geschrei, insgesamt bedienen sich die Herren aber einer ähnlichen Mischung wie auf ihrem Debütalbum „Gnosis“ – massenhaft progressive Elemente, eine Prise Post-Hardcore-Atmosphäre, ein Körbchen voller Samples. Es gibt also naturgemäß viel zu entdecken auf „The Amanuensis“ (Google erklärt uns übrigens auf Nachfrage, dass es sich hierbei um die veraltete Bezeichnung für einen Sekretär bzw. den Schreibgehilfen eines Gelehrten handelt – sehe nur ich einen Schreibtisch voller Pergamentrollen, Federn und Tintenfässer vor mir?), dementsprechend dauert die Erschließung des Album und das Auffinden möglicher Anspieltipps also ein bisschen länger als gewöhnlich.

Der erste Blick führt wie üblich aufs Cover und das gestaltet sich sogar noch geiler als das des Vorgängers „Gnosis“, denn hier gibt es wahnsinnig viel zu sehen. Erklären ist schwierig, jeder künstlerisch etwas Interessierte sollte aber mal einen genaueren Blick darauf werfen.

Auch die Tracklist wirkt auf den ersten Blick interessant. Mit „I, The Creator“ und „I, The Destroyer“ setzen sich Monuments gleich mal an Anfang und Ende der Schöpfung, das musikalische Alpha und Omega sozusagen – da hätte nach „I, The Destroyer“ auch nichts mehr kommen müssen, das nachfolgende „Samsara“ hätte man ein bisschen weiter vorne in der Tracklist platzieren dürfen. „I, The Creator“ geisterte schon eine Weile auf der bandeigenen Facebook-Seite herum, überzeugt mit einer gekonnten Kombination aus Hardcore-lastigen Strophen und klarem, sehr episch unterlegtem Gesang im Refrain, die Tempowechsel lassen ebenfalls kaum zu wünschen übrig. Sein Gegenstück kommt fast zwei Minuten länger daher, wartet mit wesentlich dynamischeren Strukturen auf, klingt aber durch vermehrte Growls auch ungleich fieser, ohne allerdings den fast tanzbaren Refrain unterzubuttern.

Insgesamt scheinen die Herren ohnehin im Vergleich zum Vorgänger einen Härtegrad zugelegt zu haben. Mir soll es nur recht sein, Stücke wie „Origin Of Escape“ sprechen da auch qualitativ eine sehr deutliche Sprache. „Garden Of Sankhara“ tendiert eher wieder in die künstlerisch-vertrackte Ecke, die die Band so gerne für sich beansprucht; glücklicherweise steht Mr. Barretto seinem Vorgänger in nichts nach und meistert neben dem aggressiven Gesang, den er sowieso wahnsinnig gut draufhat, auch die anspruchsvollen Klargesang-Parts sehr gut. Besonders die Gitarren braten hier trotz Melodiösität sehr stark – ein perfekter Anspieltipp für alle, die mit der Band bisher nur peripher geliebäugelt haben.

„The Alchemist“ startet als astreiner Hardcore-Stampfer, bevor sich die verfrickelten Gitarren einmischen, der klare Gesang sich erst etwas unpassend dazu gesellt, sich aber recht schnell seinen Grund und Boden erkämpft und ein ohnehin schon stimmungsvolles Bild abrundet – aber nichts geht hier über die deftigen Brüller, die der Sänger loslässt. Wahnsinn.

Bei „Saga City“ wird dann zum Warmwerden sogar zuerst nur gesummt und geschnipst, bevor ganz leise aus dem Hintergrund die Gitarren heranstürmen – das darf man laut Szenepolizei sicher nicht auf einer Metalplatte und genau aus dem Grund kriegen die Jungs dafür ordentlich Pluspunkte. „Jinn“ erschlägt einen im ersten Moment zunächst mit seinem gewaltigen Groove, den brachialen Shouts und den flirrenden Metalgitarren, bevor durch den doppelten Gesang ein bisschen Druck vom Gaspedal genommen wird. Selbst der klare Gesang kommt hier ein bisschen schaurig, fast hypnotisch daher, es weht ein Hauch von Psychedelic-Atmosphäre herüber, stimmgewaltig vermischen sich dann Gebrüll und klarer Gesang – wenn das nicht einer der besten Tracks der Platte ist.

Monuments haben ordentlich zugelegt an Groove, Atmosphäre und Durchhaltevermögen. Ob es am neuen Sänger liegt, steht auf einem anderen Blatt, „The Amanuensis“ hüpft aber tatsächlich ein Treppchen weiter nach oben. Die Mischung aus Prog und Hardcore wird hier sehr gekonnt zelebriert, selbst die nicht ganz so starken Titel wie zum Beispiel „Horcrux“ können sich sehen und hören lassen und bieten auf ihre Art und Weise sehr interessante Passagen. Der Fünfer verdient definitiv mehr als nur seine 15 Minuten Ruhm.

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