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Montreal: Montreal

...und zum Dritten. Verkauft an den Fan.
Wertung: 6.5/10
Genre: Punk Rock
Spielzeit: 34:54
Release: 25.09.2009
Label: Hamburg Records

Was benötigt ein gutes Punk-Album eigentlich um erfolgreich zu sein? Richtig, eingängige Melodien zum Mitgröhlen, energetische und treibende Gitarren um das Publikum live ordentlich anzuspornen und nicht zu vergessen eine gute Portion Witz in den Texten, so dass gerne mal über die Band geredet wird und sie so über Mundpropaganda bekannter wird.

Montreal aus Hamburg, bereits seit 2005 aktiv, haben das mit ihren ersten beiden Alben „Alles auf Schwarz“ und „Die schönste Sprache der Welt“, sowie der 2009er EP „Zwischen Tür und Angel“ bereits in bester Form gezeigt und sich somit auf zahlreichen Gigs überall in Deutschland eine solide Fanbase erspielt. Nun steht also das dritte Album an – ursprünglich geplant unter dem Titel „Billy Talent IV“ veröffentlicht zu werden – welches im letzten Moment dann doch noch ganz simpel und schlicht selbstbetitelnd auf „Montreal“ getauft wurde.

Ihr Talent für clevere Lyrics, die den Hörer direkt ansprechen – wie zum Beispiel einst bei dem Song „Sille Post“ - stellen Montreal auch auf dieser CD wieder unter Beweis und das beste Beispiel wird wohl der Zwei-Minuten-Track „Frühstück bei deinen Eltern“ sein, der schlussendlich mit den leicht passenden, natürlich überspitzten, aber irgendwo auch ehrlichen Worten „Ich will doch einfach nur hier raus“ endet. Wer kennt das denn nicht? Musikalisch werden hier melodischer Gesang mit regelmäßigen, recht spaßigen Reimen, urtypische Punk-Rock-Riffs, häufige Chor-„Schlachtruf“-Gesänge im Hintergrund, die live zum Mitsingen einladen und recht monotones Drumming geboten. Das hätte gerne etwas dynamischer und abwechslungsreicher ausfallen können; was man hier hört, sind tatsächlich nur klassische Fills, Standard-Beats und generell der ein oder andere Offbeat. Aber das gehört sich eigentlich auch so für Punk Rock – trotzdem ist es deswegen ja noch lange kein Muss, so wäre hier doch mehr Experimentierfreude wünschenswert.

Die harmonietechnisch besten Songs des Albums werden erst gegen Ende der Scheibe an den Mann gebracht, so sind „Das letzte Lied für dich“ und „Tod in der Wüste“ die beiden Songs mit den besten Melodien im Refrain und auch die Riffs sind hier tragender und experimentierfreudiger. Generell ist die Band zuletzt doch freier von festgelegten Normen zu Werk gegangen, so kann man bei dem Rausschmeißer doch tatsächlich auch einige Klavierklänge vernehmen.

Die wirklich großen Hits hatten Montreal allerdings auf ihrem vorigen Album – sowohl von musikalisch-melodischer Seite gab es auf dem zweiten Full-Length an mitreißenden Songs wie „Ende der Ballonfahrt“, „Die schönste Sprache der Welt“ oder „Ich hab es wieder mal versaut“, oder humorvollen, karikierenden Texten entsprechend der Songs „Stille Post“ oder „Walkman Revolution“ mehr zu bieten. Wenn Montreal es schaffen, musikalisch für etwas mehr Abwechslung zu sorgen und wieder etwas mehr an alten Stärken zurückgewinnen, sollte das vierte Album eine Vorzeige-Punk-Rock-Scheibe werden. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass das dritte Album schlecht ist – hier wird erneut solider Punk Rock im typischen Montreal-Stil abgeliefert, den die Fans der Band sicherlich problemlos abfeiern werden. Neulingen, denen die Band noch unbekannt ist, sollte man jedoch zunächst das zweite Album ans Herz legen, welches unterm Strich mehr überzeugte als das aktuelle. Ein riesiger Pluspunkt ist jedoch die Eingängigkeit der Songs, die nach wie vor bereits nach nur wenigen Durchläufen problemlos im Ohr zurückbleiben.

Schaut auch in das Own Words-Special zu dieser Scheibe rein, in dem die Jungs ein paar Worte zu jedem Song verlieren – wahrhaft lesenswert, inklusive einiger interessanter Fakten und Geschichten, die man nicht missen sollte.

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