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Monsters Of Liedermaching: Für Alle

Vielleicht die Überraschung des Jahres
Wertung: 8,5/10
Genre: Singer/Songwriter
Spielzeit: 57:04
Release: 15.09.2017
Label: OMN Label Services

Das muss man erstmal schaffen: 14 Jahre über die Bühnen der Region tingeln, sieben Livealben veröffentlichen, aber keine einzige Studioplatte auf die Kette bekommen. Wenn man den Jungs von Monsters Of Liedermaching nun Unfähigkeit vorwerfen will, sollte man sich die Truppe zuerst genauer zu Gemüte führen – denn immerhin, quantitativ wurde die jahrelange Studioabstinenz ausgeglichen, indem „Für Alle“ gleich mit 19 Songs aufwartet.

Erstmals auffällig wurde das Sextett für die Schreiberin dieser Zeilen vor einigen Jahren, als ein Konzert des Joint Venture-Königs Götz Widmann von Jungsänger Pensen Paletti eingeleitet wurde, der fröhlich Werbung für seine Monsters machte – wie auch die kultigen Joint Venture befassen sich Monsters Of Liedermaching also mit halb-intellektuellen, halb-spaßigen deutschen Texten, ohne allerdings die drogenumnebelte Komponente des Altmeisters.

Gleich mit der ersten Single „Scheiß CD“ versucht das Sextett sich gegen mögliches Fanmeckern zu wehren; Angriff als beste Verteidigung in Form der typischen Liedermacher-Akustikgitarre zieht hier ganz gut. Ziemlich treffend werden hier die Gefühle der Fans beschrieben, die eigentlich von ihrer Lieblingsband etwas anderes erwartet haben und nun im rechtschaffenen (aber völlig unnötigen) Zorn lautstark predigen – die Monsters müssen sich da aber eigentlich keine Sorgen machen, denn „Für alle“ ist nach dem ersten Durchlauf genau das, was man von der Chaotentruppe erwarten konnte; abwechslungsreich, teils ein bisschen albern, teils erstaunlich feinfühlig, aber immer mit Spaß in den Backen.

Ganz großes Liedermachingkino ist dann ausgerechnet das eher blödelige betitelte „Das Schaf“ mit seinem eher an eine zerronnen Liebe erinnernden Einstieg und dem denkwürdigen Refrain „Das Schaf ist tot, das Schaf ist tot/Es liegt im Dönerfladenbrot/Gestern war’s noch weich und weiß/Heute dreht es sich im Kreis“ – alles vorgetragen mit dem nötigen Ernst. „Nur mit dir“ ist dann so ein typischer Monsters-Track, bei dem man nicht genau weiß, wie viel Seriosität man hier abziehen muss – dafür entpuppt sich „Sag mir doch“ als astreiner und eindringlicher Lovesong. „Kleine Lilly“ zeichnet dann recht gruselig den Weg zweier Kids mit drogensüchtigen Eltern bis hin zur Beerdigung der Kinder – möchte man eigentlich nicht meinen, dass die sechs Liedermacher auch für solche Themen zu haben sind, dafür ist der Song aber genial umgesetzt. In „Katz und Hund“ wird ganz klar der Gewinner zwischen diesem immer währenden Streit gekührt, während „Institut“ sich trotz oder gerade wegen des recht absurden Textes „Ich bin ein Institut, ich bin ein Institut/Ich tu den Leuten gut, ich tu den Leuten gut“ zentimetertief ins Hirn beißt. Und selbst das finale, im Sound irgendwie an Achtziger-Kinderfilme erinnernde „Morgenstern“ (ich muss da immer an die Verfilmung von „Peterchens Mondfahrt“ denken) hat einen solchen Charme, das man trotz des etwas kitschigen Textes („Königin der Nacht/Du bist mein Morgenstern“) einfach nicht wegschalten kann.

Ob die Platte nun tatsächlich „für alle“ ist, kann man an dieser Stelle schlecht auswerten; für alle, die sich an humoristischen, aber überraschenderweise kaum albernen, deutschen Texten laben wollen, sind die 19 Songs aber definitiv eine gute Investition. Abwechslungsreich und mit einem Augenzwinkern, aber auch mal ungewöhnlich ernst leiten die sechs Herren durch die Spielzeit von knapp einer Stunde – da bleibt kein Auge trocken, so oder so, und „Scheiß CD“ wird da sicherlich auch kaum Zustimmer finden.

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