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Momentum: The Freak Is Alive

Soundtrack für die dunkle Jahreszeit
Wertung: 7/10
Genre: Progressive Doom Dark Psychelic Rock
Spielzeit: 48:53
Release: 20.02.2015
Label: Dark Essence Records/Karisma Records

Die Isländer Momentum bewerben sich mit dem zweiten Komplettrundling „The Freak Is Alive“ als einer der Anwärter für den Thron, dass man von Platte eins zu Machwerk zwei sein Gesicht verändern kann, sodass ein Außenstehender denken könnte, hier agieren zwei unterschiedliche Bands – man mag es Fortschritt nennen oder auch Weiterentwicklung, unterm Strich aber sind die früheren Schwarzwurzel- und Todeseinflüsse nur noch marginal hinterlegt, und auch dafür muss man dann auch schon genau hinhören.

Mehr Doom als Raserei, einen Hauch von Prog im dunklen Psychedelic untergemischt, was sicherlich auch nicht an der einzigen Änderung im Personalwesen – Gitarrist Erling ist seit 2012 raus, Klampfer Sigurður seitdem neu dabei – liegen kann. Schon der erste Durchgang legt die eher beschwörerische Ader der „Freaks“ nahe. Da freut man sich schon über „Creator Of Malignant Metaphors“, wo selbst die zarten Pianoklänge zu Beginn schon früh klar machen, dass es eher ruhig zugeht, auch wenn hier ein Wechselspiel zwischen Death-Metal-Einflüssen und dem das Album beherrschenden beschwörerischen Gesang zu finden ist, eine abgedrehte Nummer, die wie eine milde Coroner-Version daherkommt. Schon beim Opener „Bury The Eyes Once Gold“ darf man sich im Gesamtkontext über die vergleichweise brachiale Startsequenz wundern, röhrt das Ganze doch schon recht deftig, doch schon nach gut zwei Minuten schwenken Monument eher in ruhigere Gefilde um, wobei sich Frontmann und Bassist Hörður Ólafsson eigentlich gar nicht mal so schlecht im hypnotischen Wave-Gesang übt und der Rest recht prog-sphärisch klassische Songstrukturen aufzubrechen versucht, wobei zwar immer wieder die Gitarre doomig dazwischenprescht, aber bei Weitem nicht mehr die dominante Spezies darstellt.

Auch „Between Two Worlds“, eigentlich vom Titel her prädestiniert für ein musikalisch umgesetztes Wechselbad der Gefühle, wartet mit ein paar weit nach hinten gemischten Growls auf, insgesamt aber doomt sich die melancholische Nummer wie ein entfertes Donnergrollen mit monoton klarem Gesang in die Lauscher. Und genau davon findet man dann auch reichlich auf „The Freak Is Alive“. Auch zum Schluss bei „Depth Of The Whole“ lassen sich Momentum gar nicht aus dem Konzept bringen, gehen mit ruhigen Klängen auf Stimmenfang und packen gar die wohl elektrisierenste Gesangsleistung mit einer Mischung aus Melancholie, Sehnsucht und Beschwörung obendrauf. Bevor aber die große Langeweile aufkommt, da zaubern sie mit dem Sitar-ähnlichen Instrument ein paar fremdländische Farbtupher hinzu wie bei dem von stoischer Ruhe im beschwörerischen Rausch geprägten Titeltrack, deutlich Trance-artiger kommt das Exotische bei dem recht schrägen, manchmal auch an Alice In Chains erinnernden „Gauntlet“ vor.

Sucht man im ersten Moment hier und da wegen der ganzen düster-melancholischen Stimmung noch die Rasierklinge für den Schnitt am Unterarm, da grätscht dann doch noch ein Funken Melodie dazwischen und sorgt für das verwirrte Kopfkratzen beim Hörer, genau jenes Kopfkratzen, welches eigentlich aussagt, dass man sich mit Momentums „The Freak Is Alive“ noch nicht genügend auseinander gesetzt hat. Aufgeschlossen sollte man der CD gegenüber schon sein, gerne auch mal Type O Negative auflegen und vor angeproggten Spacesounds nicht zurückschrecken, dann hat man hier sicherlich ein Highlight für die dunkle Jahreszeit vor sich – alle anderen werden den Blick eh nicht über den Tellerrand wagen.

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