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Miyavi: Live In London 2011

Der Gitarren-Samurai überzeugt mit seinen Live-Qualitäten
Wertung: 8.5/10
Genre: Funk Rock, Alternative Rock
Spielzeit: 102:00
Release: 02.05.2011
Label: EMI Music

Fragt man nach den wichtigsten Gitarristen der Visual-Kei-Szene in der Vergangenheit und der jüngeren Zeit, fallen fast immer die gleichen Namen – X Japans Hide, Versailles Hizaki, neuerdings Deluhis Leda oder eben Miyavi, von dem in dieser Rezension die Rede sein soll. Obwohl die ersten drei Beispiele alles andere als unauffällig sind, ist der am ganzen Körper tätowierte Japaner wohl die schillerndste Gestalt unter ihnen und das nicht nur, was die Optik betrifft. Mit „Live In London 2011“ feiert der selbsternannte Neo Tokyo Samurai nun seinen ersten Release in Europa und schenkt seinen Anhängern einen Auftritt voll virtuosem Gitarrenspiel und Fannähe.

Während die meisten anderen Guitar Heroes des Visual Kei mehr oder weniger fest im Heavy Metal verwurzelt sind, stand der ehemalige Gitarrist der mäßig bekannten Band Dué Le Quartz schon immer für Wandelbarkeit und Vielseitigkeit – von Industrial Metal bis hin zu Hip Hop finden sich alle erdenklichen Spielarten in seiner Solo-Diskographie, wobei sich über die Jahre immer mehr sein funkiges Gitarrenspiel herauskristallisierte. Nachdem Miyavi 2009 heiratete und Vater wurde, steht mit der Gründung seines eigenen Labels J-glam Inc. nun ein neues Kapitel an, das den außergewöhnlichen Musiker auf seine Substanz reduziert und mit „What's My Name?“ ein minimalistisches Rock-Album hervorbrachte. Eben dieses stellt der Sänger und Gitarrist auf „Live In London 2011“ mit lediglich einem Schlagzeuger als Begleitung vor und beweist dabei einmal mehr, dass sein Talent erst live wirklich zur Geltung kommt.

Sich hauptsächlich auf das aktuelle Album stützend, bringt Miyavi auch ohne die gewohnte Begleitung einer Band das Publikum hörbar zum Toben – klangen einige der neuen Songs auf Platte fast schon ein bisschen zu simpel und ließen zwischenzeitlich die Abwechslung etwas auf der Strecke bleiben, verleiht der Japaner seiner Musik live einen derartigen Groove, dass man auch zu Hause vor den Lautsprechern kaum still sitzen kann. Ob nun wild geslapped wird wie in „What's My Name?“, abgefahrene Soli wie zu Anfang von „Torture“ dargeboten werden oder schlichtweg mit schier übermenschlicher Fingerfertigkeit drauflos gerifft wird, jeder Ton, den Miyavi seinem Instrument entlockt, transportiert die raue Energie des Musikers in vollem Umfang. Dass das Live-Feeling dabei so mitreißend herüberkommt, ist dabei nicht nur dem Gitarristen selbst zu verdanken, sondern beruht auch merklich auf der überragenden Produktion – nicht nur, dass der Sound druckvoll und dynamisch aus den Boxen schallt, das Publikum ist auch genau in der richtigen Lautstärke abgemischt, die ohne zu stören den Jubel der Fans und die Dialoge zwischen Miyavi und diesen klar vernehmen lassen.

Neben den auf der Tour obligatorischen „What's my name?!“-Spielchen hält der Japaner regelmäßig Ansprachen an das Publikum, die dank relativ gut verständlichem Englisch von den Fans auch begeistert beantwortet werden. Neben Themen wie der Rückkehr nach London oder dem Wohlbefinden seiner Tochter schneidet er mit den Ereignissen in seinem Heimatland auch ernstere Bereiche an und schafft es tatsächlich, auf einem Visual-Kei-Konzert (!) einen zwanzigsekündigen Schweigemoment zu erwirken. Passend dazu folgt direkt danach mit „Gravity“ der wohl schwermütigste Song in Miyavis Karriere, der mit den plötzlichen Wechseln zwischen cleanen, halb gesprochenen Strophen und dem aus vollem Halse gebrüllten Refrain ungezügelte Emotionen entfesselt. Überhaupt klingt der Gitarrist auf „Live In London 2011“ so aggressiv und heiser wie nie zuvor – einmal ganz abgesehen davon, dass der Mann noch nie in erster Linie Sänger war, erscheint seine Stimme den ganzen Auftritt über doch arg angeschlagen. Zum Glück unterstützen die Fans Miyavi tatkräftig und singen vor allem bei älteren Stücken wie der entspannten Ballade „We Love You“, dem stetig an Tempo gewinnenden „Are You Ready To Rock?“ und dem Publikumsliebling „What A Wonderful World“ textsicher mit.

Dass trotz allem auch einige wenige Durchhänger wie das etwas zu langatmige, zwischenzeitlich in fast schon noisige Gefilde abdriftende „Futuristic Love“ dabei sind, stört den Gesamteindruck dabei letztendlich nur wenig, denn „Live In London 2011“ fängt die Atmosphäre eines Miyavi-Gigs so gut wie es auf CD nur möglich ist ein. In der Tat lässt sich das Live- gegenüber dem gegenüber dem regulären Album sogar vorziehen, denn Miyavis einzigartiger, spektakulärer Stil kommt von den festen Vorgaben einer Studioaufnahme losgelöst wesentlich besser zum Ausdruck. Für „What's My Name“ ist diese Veröffentlichung die perfekte Ergänzung, doch auch abseits der Fanbase stellt „Live In London 2011“ für jeden, der eine Schwäche für exzentrische Gitarristen hat, ein außergewöhnliches und lohnendes Stück Musik dar. „You know my name!“ - ja, jetzt erst recht.

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