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Mistur: In Memoriam

Starke zweite Halbzeit
Wertung: 7,5/10
Genre: Black/Pagan Metal
Spielzeit: 55:14
Release: 13.05.2016
Label: Dark Essence Records

Das erste und bis dato letzte Lebenszeichen der Band Mistur war das im Jahr 2009 erschienene "Attende" samt einigen dazugehörigen Live-Auftritten. Danach wurde es ruhig um die Norweger, bis sie nun, schlappe sieben Jahre später, das aktuelle Werk "In Memoriam" vorlegen. Eine vergleichsweise lange Schaffenspause, die möglicherweise genug Raum bot, einige kreative Ideen zu sammeln und in musikalische Formen zu bündeln.

Da mit Stian Bakketeig ein ehemaliges Windir-Mitglied dabei ist, dürfte für diejenigen, welche immer noch nach einem würdigen Windir-Nachfolger suchen, Grund genug sein, den Jungs ein Ohr zu leihen. Dass man mit "In Memoriam" laut Labelinfo nicht nur Fans von Windir ansprechen wird, sondern auch Anhänger von Bands wie Amon Amarth, Insomnium und Månegarm, wirkt aber schon sehr optimistisch, da man damit doch eine recht heterogene Zuhörerschaft bedienen will. Also mal sehen…

"Downfall" legt nach kurzem Intro und einführendem Schrei mit einer Mischung aus Pagan-, Death- und Black Metal los. Diese Stilmischung passt hier gut zusammen: Geschrei wechselt mit Klargesang, treibende Gitarren werden von Leadmelodien abgelöst und alles harmoniert wunderbar miteinander. Besonders hervorzuheben ist hier vielleicht noch, dass der Klargesang stellenweise an Vintersorg erinnert, was definitiv als Kompliment gemeint ist. Beim folgenden Black-Metallastigen "Distant Peak" macht man im Hochgeschwindigkeitsbereich weiter, zwischenzeitlich drücken Mistur auf die Bremse und das Keyboard kommt zum Einsatz. Dabei ist es jedoch keinesfalls so, dass man die Synthies  bräuchte, weil man ohne sie keine Stimmung zustande bringen würde. Dies beweist der beinahe schon majestätische Gitarreneinsatz in der Mitte des Liedes.

Verglichen mit seinem Vorgänger beginnt "Firstborn Son" eher gemächlich, bevor sich auch hier schnelle Passagen mit melodischen Stellen abwechseln. Derselbe Stilmix, der bereits erwähnt wurde, kommt, erweitert um ein wenig Rock’n’Roll, auch hier zum Einsatz, bevor "Firstborn Son" in einem majestätisch-melodischen  Schlussteil endet.

Zwischenstand nach der Hälfte des Albums: gelungener, facettenreicher Stilmix, wobei der Black-Metal-Anteil überwiegt. Definitiv mehr als nur Durchschnittskost, allerdings hat man das alles so oder so ähnlich, wenn auch nicht immer auf einem so hohen Niveau, schon das ein oder andere Mal gehört. Weiter geht es...

Mistur legen nun eine ganze Schippe drauf. Ein kurzer Keyboardeinsatz leitet "Matriarch’s Lament", das stärkste Lied auf dem Album, ein: Die Aggression wird etwas zurückgefahren, dafür gibt es stimmungsvolle Melodien von Keyboard und Gitarre en masse, ergänzt durch den passenden Klargesang bieten diese dem Zuhörer hier ganz großes, episches Kino. Damit der Zuhörer nicht völlig in Träumerei verfällt, lassen es Mistur aber auch im vierten Song zwischendurch immer wieder krachen und ziehen das Tempo an. Nach demselben Prinzip wie "Matriarch’s Lament" geht auch "The Sight" vor, allerdings dauert es einige Minuten, bis die Band hier ebenfalls ihr volles Repertoire auspackt.

Den Abschluss macht "Tears Of Rememberance" und auch hier wird noch einmal gezeigt, was man kann: Blastbeat-Attacken wechseln mit Gitarrensoli und Keyboardeinsätzen, Geschrei wird von Klargesang abgewechselt und umgekehrt.

Insgesamt kann man sagen, dass es Mistur nicht nur gelungen ist, sechs abwechslungsreiche Titel zu basteln, von denen jedes einzigartig und in sich stimmig ist, sondern diese ergeben auf der anderen Seite auch ein passendes Gesamtbild. Die richtig großen Momente gelingen in der zweiten Hälfte des Albums, wo es die Norweger definitiv schaffen, sich vom Durchschnitt abzuheben. Easy Listening ist "In Memoriam" dabei nicht. Man muss dem Album Zeit und einige Durchläufe geben, um alle Einzelheiten zu erfassen, diese Zeit lohnt sich für Fans des eingeschwärzten Pagan Metal in jedem Fall. Ob sich die erwähnten Fans von Amon Amarth, Insomnium und Månegarm wirklich angesprochen fühlen? Könnte in Anbetracht der musikalischen Vielfalt schon sein. Inwiefern Mistur mit Windir vergleichbar sind oder ob sie sogar als deren Nachfolgeband gehandelt werden sollten, muss jeder für sich entscheiden.

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