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Miss June: Bad Luck Party

Größtenteils schöner, straighter Punkrock
Wertung: 7,5/10
Genre: Punkrock, Indie Rock
Spielzeit: 31:25
Release: 06.09.2019
Label: Frenchkiss Records

Aus Neuseeland schwappen jetzt nicht allzu oft Punkrockbands zu uns herüber, umso eher muss man eine solche mal genauer unter die Lupe nehmen: Das Quartett Miss June aus Auckland hat bereits im Herbst mit „Bad Luck Party“ eine saftige Indie/Punkrock-Scheibe via Frenchkiss Records auf die Welt losgelassen, vorweg konnte unter anderem die Single „Best Girl“ mit dem genialen zugehörigen Video abgefeiert werden; versteht sich von selbst, dass der Song auch in den heimischen vier Wänden nochmals seine Sternstunde bekommt und direkt auf der Liste der Anspieltipps landet.

Für ein Debütalbum geben sich Miss June erfrischend uncharmant, biedern sich zu keiner Sekunde an, sondern kotzen eher schön ordentlich im Carré, da wird auch schon mal kratzbürstiger Gesang mit schroffen, fast metallischen Riffs verbunden und heraus kommt der Knallersong „Enemies“ – ein Track zum Mitsingen, aber auch zum Ausrasten. Den Spagat hält die Truppe übrigens über die gesamte Laufzeit erstaunlich lässig – nochmals, es handelt sich um einen Erstling. Auch textlich halten die Damen und Herren sich keineswegs zurück: Im punkigen „Aquarium“ findet Fronterin Annabel recht deutliche Worte („Last thing I wanna do is hurt you but it‘s still on the list“), da wird zwischen leicht genervtem Gesang und angepisstem Geschrei gependelt, gefolgt von einem punkrotzigen Refrain, bei dem sicherlich auch live die Gliedmaßen fliegen dürften.

Miss June schaffen neben dem erwähnten Spagat auch das Kunststück, Punksongs ohne stumpfe Akkorde zu erschaffen. Stattdessen findet die Band immer wieder Schlupflöcher für spannende und unerwartete Fills sowie charmante Retro-Anleihen (wie im Intro zum Opener „Twitch“), was „Bad Luck Party“ zwar insgesamt zu einer guten Platte zum Tanzen und Ausrasten macht, sie aber nicht in die Riege der Scheibe einreiht, die man mal eben so „nebenbei“ anhören kann. Wäre auch schade, dann entgingen dem Hörer nämlich durchaus intelligente Songstrukturen.

Das knapp anderthalb Minuten lange „Two Hits“ rotzt dann so richtig schön durch die Lautsprecher, während ausgerechnet das nachfolgende „Anomaly“ mit fast schon süßlichem Gesang daherkommt und entfernt an weibliche Rockgruppen der Neunziger erinnert – also eher der Skiptaste zum Opfer fällt.

Gerade wenn Annabel bei Songs wie dem zwiegespaltenen „Scorpio“ dem Klargesang frönt, kann man sich nicht so ganz mit dem Sound anfreunden. Zu niedlich, zu gewollt klingen die Texte dann oftmals, dafür kann die Frau bei aggressiveren Passagen durchweg überzeugen. Größtenteils bietet „Bad Luck Party“ also straight nach vorne preschenden Punkrock, der nur einige wenige Längen aufzuweisen hat. Allemal stark, was der Vierer hier als Erstlingswerk präsentiert, ein bisschen mehr Pissigkeit darf aber durchaus noch kultiviert und auch zelebriert werden.

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