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Misanthropia: Convoy Of Sickness

Über weite Strecken leider weder bombastisch noch mitreißend
Wertung: 6/10
Genre: Symphonic/Melodic Black Metal
Spielzeit: 48:39
Release: 04.12.2020
Label: Massacre Records

Bei der Vergabe eines Bandnamens kann man so vieles falsch machen. Konsultiert man die allmächtigen Metal Archives, finden sich dort neben den hier vorliegenden Niederländern allein noch vier andere Bands mit dem deckungsgleichen Namen Misanthropia, plus drei weitere Bands, die selbiges als Namensbestandteil für sich beanspruchen. Wenn der Name schon nicht einzigartig daherkommt, so sollte man sich denn zumindest musikalisch abgrenzen – die Niederländer laufen unter „Symphonic/Melodic Black Metal“, was in erster Linie an Dimmu Borgir erinnert und ganz ehrlich, nicht unbedingt Vertrauen erweckt.

Irgendwas muss die Truppe allerdings richtig machen, steht mit „Convoy Of Sickness“ doch bereits der vierte Longplayer in den Regalen, wobei der Fünfer in schönster Regelmäßigkeit von vier bis sechs Jahren neue Studioalben auf die Metalcommunity loslässt, derzeit bei Massacre Records. Thematisch beschäftigt sich die Truppe mit kriminellen Machenschaften in den Niederlanden und Belgien der 1970er – erst mal ein spannendes Thema, das die Musiker zum Teil durchaus spannend umzusetzen wissen.

Da wird beispielsweise in „Silent War“ direkt alles andere als still agiert, wenn sich Blastbeats mit dramatischen Gitarrenriffs vereinen und Sänger Bram Koller sich heiser durch die Passagen kreischt - ein bisschen ist man natürlich an Cradle Of Filth erinnert, nur dass der Holländer ein nicht ganz so prägnantes Organ besitzt. Melodisch können Misanthropia hier aber schon mal deutlich Boden gut machen, denn gerade der Refrain zieht geradezu episch in die Schlacht. Ähnlich gestaltet sich „Nicodemus Narcissus“, bei dem ebenfalls vor allem der melodiegespickte Refrain Aufsehen erregt, wobei die dramatisch, teils perlenden Keyboards hier eher fehl am Platz wirken. Gegen Ende klingen die Gitarren dann auch eher nach Iron Maiden mit Schwarzwurzelkante.

Songs wie „The Unburied“ täuschen dann zwar Groove vor, werden aber schnell stumpf, und das trotz fies-krächzenden Vocals. Zugute halten muss man der Truppe allerdings, dass sie immer wieder versuchen mit unterschwelligen Melodiebögen für mehr Tiefe zu sorgen („The Eagle And The Hare“), wobei gerade beim genannten Song auch recht merkwürdig anmutende Sirenengesänge im Hintergrund zu hören sind, die in Kombination mit den heiser vorgetragenen Spoken-Word-Passagen eher zum Fremdschämen denn zum Feiern einladen.

Im finalen „Through The Eye Of The Needle“ scheinen die Niederländer dann noch mal alles vereinen zu wollen: Wir finden ein gesprochenes Intro, Blastbeats, ausholende Melodiebögen, schwarzmetallisches Gekrächze – und unterm Strich sogar einen recht interessanten, wenn auch etwas überladenen Song.

Als wirklich spannend kann man „Convoy Of Sickness“ aber trotz des vielversprechenden Artworks nicht bezeichnen. Tracks wie „Silent War“ oder auch „Nicodemus Narcissus“ lassen zwar durchscheinen, wie viel technisches Raffinesse die Herren bereit sind einzubauen, das Album als Ganzes verliert sich aber in endlosen Frickelpassagen, die nicht mal bombastisch zu nennen wären, sondern letztlich nur die mitreißenderen Passagen auseinanderziehen. Schade, so reicht es gerade mal für einen knappen Sprung über die Punktehalbzeit – einen Extrapunkt gibt es aber noch für den durchaus ausdauernden Sänger.

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