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Ministry: Cover Up

Geschmackvolle Songwauswahl
Wertung: 6.5/10
Genre: Industrial Metal
Spielzeit: 65:2
Release: 28.03.2007
Label: 13th Planet Records

Anscheinend ist sich Al Jourgensen immer noch nicht so recht schlüssig, ob er das Industrial-Metal-Flagschiff nun endgültig zu Grabe tragen soll, oder eben doch nicht. Die Release-technische Abschiedtour überdauert die anvisierte Haltbarkeit des Bandnamens nun doch schon um ein Vielfaches und bringt kurz vorm vermeintlichen Zieleinlauf sogar noch einige obskure Veröffentlichungen zutage. Ausgerechnet Anti-Kapitalist Jourgensen hat sich nämlich dazu durchgerungen, den Schlussstrich(?) mit einem Cover-Album zu ziehen, auf wem er – wie soll’s auch anders sein – einige seiner persönlichen Faves ins Ministry-Kostüm gepackt hat. Ob er dabei jedoch ähnlich ambitioniert zu Werke gegangen ist wie bei den Klassikern seiner eigenen Band?

Nun, die Songauswahl von „Cover Up“ ist jedenfalls schon mal ansprechend und zeigt, dass der Mastermind durchaus Geschmack hat. Eine stattliche Zahl altehrwürdiger Hardrock-Klassiker wird unter die Fittiche des letzten verbliebenen Originalmitglieds genommen und in mehr oder minder rasanter Manier industrialisiert. Allerdings ist das Ergebnis stellenweise überraschend müde und gelegentlich sehr weit vom Biss entfernt, mit dem Jourgensen in den letzten Jahren permanent gegen das System und seine schwarzen Schafe wetterte. Besonders das Rolling Stones-Cover „Under My Thumb“ ist ziemlich schwach und uninspiriert umgesetzt, dient also als Startschuss ins Cover-Wirrwarr absolut nicht. Aber auch T. Rex’ „Bang A Gong“ ist erstaunlich zahm und lässt für den weiteren Verlauf Schlimmes vermuten.

Mit Steigerung der Geschwindigkeit findet der Protagonist dann aber doch wieder zur Normalform. „Radar Love“ ist in der Industrial-Variante ziemlich partytauglich, Mountain’s „Mississippi Queen“ erstrahlt gar in ganz neuem Glanz und auch die schwungvolle Fassung von Deep Purple’s „Space Truckin’“ weiß zu gefallen, wenngleich Jourgensen hier keine bahnbrechenden Mixes angefertigt hat. Und dennoch gibt’s immer wieder Momente, in denen man die tatsächliche Motivation des Projektes anzweifeln darf. Da wäre beispielsweise das allseits beliebte Fetengeschoss „Black Betty“. Außer einer leichten Temposteigerung und noch deutlicher verzerrten Gitarren enthält die bearbeitete Version absolut nichts Außergewöhnliches – wobei man sich natürlich auch fragen muss, ob hier eine Diskrepanz zwischen Erwartungshaltung und künstlerischer Freiheit besteht. Allerdings dürfte man gerade von Ministry so manch abgedrehtes Cover erwarten!

Nun, mit „Supernaut“ (Black Sabbath) und dem zersplitterten „What A Wonderful World“ (Louie Armstrong) bleibt die Band (sofern man sie heute noch als solche bezeichnen kann) zumindest den Beweis nahe, dass sie imstande ist, alte Klassiker derart zu bearbeiten, dass sie einerseits den ursprünglichen Spirit beibehalten, andererseits aber auch in den spannungsgeladenen Soundkosmos der Band hineinpassen. Nur eben ist dies auf „Cover Up“ viel zu selten der Fall, so dass man trotz all der Begeisterung, die man auch für das Werk dieser Band aufbringen mag (oder gerade deswegen) von einer kleinen bis mittelschweren Enttäuschung sprechen muss. Ob Amerikas selbsternannter Staatsfeind Nr. 1 sich tatsächlich so von der großen Bühne verabschieden möchte? Wir warten’s ab!

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