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Mindpatrol: Vulture City

Eigenständige krude Mischung
Wertung: 7,5/10
Genre: Modern Metal / Death Metal / Prog Metal
Spielzeit: 50:30
Release: 09.12.2017
Label: Golden Light Records

Auf den ersten Blick mag es möglicherweise nur das dritte Album der Luxemburger Mindpatrol sein, doch wenn man genauer hinschaut, dann könnte vielleicht den Leseratten unter unseren LeserInnen auch schon Autor Luc Francois untergekommen sein, hat der Frontmann dieser Truppe doch erst ein Buch geschrieben, welches Mindpatrol musikalisch verwertet haben. Dabei kann man eventuell streiten, was denn nun maßgeblicher sei, wie bei der Henne und dem Ei. Fakt am Ende aber ist, dass die vorliegende CD vielen moderner ausgerichteten Metalfans, die gerne auch mal eine Mischung aus (Modern) Metal, Death Metal und ganz viel Prog hören, gefallen sollte.

Auf den ersten Blick mag somit die Mischung auch etwas verblüffen und unkonventionell sein, doch bis auf ein paar wenige Ausnahmen geht „Vulture City“ als gelungenes Album durch, wobei sich am Ende Autor Luc dann doch als Schwachpunkt im Mindpatrolschen Konglomerat entpuppt. Dieses wird in dem vergleichsweise ruhig daher kommenden „He, Summoned By The Needle“ deutlich, denn bei dem sehr variantenreichen Spiel der Saitenfraktion kann er nicht mithalten und legt immer wieder seinen trockenen Heisergesang drüber, wobei man sich immer wieder nach einem besser abgestimmten Gesang sehnt. Mindpatrol mischen hier Uptempo-Dramatik mit schleppenden Walzen, proggen sanft und hauchen des Öfteren auch Melancholie ins epische Gemächt, klingen zwischendurch ungezwungen postrockig, nur um im nächsten Moment die melodische Thrashkante zu schleifen.

Auch der Titeltrack „Vulture City“ kann für obige These herangezogen werden: Erst die Akustikklampfe, dazu heiserer (Klar)Gesang, viel fetter Groove und noch mehr Melodie, was den Ort der tausend Leiden „Vulture City“ fast schon sympathisch mit einer sehnsuchtsvollen Leadklampfe macht, allerdings ist der Gesang auch hier auf Dauer doch zu eindimensional, vor allem, wenn Luc in seinem Schreimodus verhaftet bleibt. Wie Abwechslung gut untermalt wird, wird in „Whoreheart“ ganz klar: Auch hier wieder die unverbrauchte Melodie, gepaart mit ein paar wenigen sanften Pianoanschlägen und Klargesang ohne den unsäglichen Emo-Weichspülekel und dann doch wieder Lucs fies heiserer Schreigesang, nur um von den melodischen Gitarrenarbeit ausgekontert zu werden.

„Vulture City“ braucht sicher mehr als nur ein paar wenige Durchläufe, dafür haben die Luxemburger doch zu viele Details verbaut: „Calamity (The Cleansing)“ gehört zu den melodischen Songs mit dezenten Keyboards, welche unaufdringlich den Song untermalen, die zuerst groovige Ausrichtung wird von der Modern-Metal-Death-Keule, ohne zu sehr an der Temposchraube nach oben zu schrauben, abgelöst, „Enjoy! (The Violation)“ groovt nach seinem ruhigen Akustikklampfenstart wie Hölle, selbst der kurze sphärische Mittelpart stört nicht und wirkt eher wie das große Luftholen vor dem Sturm.

Dabei können Mindpatrol auch komplett anders. Das immer wieder proglastige „I, Observer With Crimson Hands“, erneut mit reichlich Melodie angereichert, lebt gerade von den Aggropeitsche hin zum Melodic Death und auch „Tentatio Utopia“ mit seinen derben Death-Growls-Abschnitten zeigen das andere Extrem, bevor sie am Schluss mit „The Voyager“ sogar leicht sakral die doomigen Breakdowns mit Pianospielereien untermalen.

Was bleibt als Fazit: Überraschung, ganz sicher, denn die Luxemburger zeigen sich recht reif und schaffen eine gelungene Mischung, die auf den ersten Blick halt nicht wirklich zusammenpassen mag. Es funktioniert aber, dazu alles in Eigenregie veröffentlicht, und nur Produzent Seeb von Orden Ogan kann als Namedropping in die Waagschale geworfen werden. Hut ab vor so viel aggressiver Proggerei, da ist das Ende von „Vulture City“ noch fern.

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