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Miller Anderson Band: Live At Rockpalast

Auch heute noch glänzen die Rock- und Bluessongs mit reichlich Esprit
Wertung: 9/10
Genre: Rock/ Blues
Spielzeit: 60:46 + 27:56
Release: 25.02.2011
Label: MIG Music

Die Reihe der “Live At Rockpalast”-DVDs wird nun um die Miller Anderson Band erweitert. Dabei greifen die Macher allerdings nicht auf ein historisches Konzert aus der fernen Vergangenheit zurück, sondern richteten dieses Mal ihre Kameras beim Crossroads Festival 2010 in der Bonner Harmonie im März 2010 auf eben jene Protagonisten.

Der 1945 im schottischen Houston geborene Miller Anderson gehörte schon früh zu den Weltenbummlern und sammelte seit Mitte der Sechsziger entsprechende Erfahrungen in Bands und auf Solopfaden. Erste wirklich nennenswerte Station war die Keef Hartley Band und mit dieser Combo hatte er als Frontmann seinen ersten großen Auftritt beim legendären Woodstock Festival 1969. Seine Solokarriere startete er 1971 mit dem Album „Bright City“, wechselte 1974 für knapp ein Jahr zur Bluescombo Savoy Brown, war etwas später Mitbegründer der Dog Soldiers, tourte mit T. Rex, Donovan und Yes, gründete die Band The Dukes, war kurzzeitig bei Mountain involviert und für schlappe 15 Jahre war er Teil der Spencer Davis Group. Er arbeitete mit John Lord zusammen, auch mit Roger Chapman und schließlich nach einigen Solo-Ausflügen machte er mit einer verjüngten Miller Anderson Band zahlreiche Clubs unsicher.

Hier wird schon klar: Fans oben genannten Bands sollten die Ohren spitzen, denn genau das gibt es auf der „Live At Rockpalast“-DVD. Das ist keine Ansammlung diverser Altstars, sondern eine modern aufgelegte Blues’n’Rock’n’Boogie-Truppe, die diese teilweise 40 Jahre und mehr alten Tracks zeitgemäß interpretiert. Gleich schon die ersten beiden Songs „City Blues“ und „Sinnin’ For You“ zeigen auch den Szeneunbekannten auf, dass die Band sehr viel Wert auf klassisches Handwerk legt. Ausgiebige Gitarrensoli ergießen sich in nicht minder komplexe Keyboardsoli und immer wuchten sie mit pfundigen Blues-Attacken, lassen Siebziger-Rockelemente einfließen, anhaltend von einer passenden nicht ausufernden Lightshow eingerahmt.

Das mitgealterte Publikum, welches sich zuerst noch ein wenig zurückhält, konnte sich nach und nach der Rhythmen nicht erwehren und spätestens bei „I Love To Boogie“ fangen die Kameraleute auch zahlreiche schwofende Fans ein. Zuvor hatte Bassist Kris Gray bei „Boogie Brothers“ noch etliche Mühe, wenigstens einige Fans zum Mitklatschen zu bewegen. Zum Ende hin feiern die Anwesenden dann zunehmend ausgelassener und die Miller Anderson Band kann immer mehr im Meer der jubelnden Zuneigung baden.

Wie entspannt die Atmosphäre wirklich war, wird dadurch deutlich, dass Bandkopf Miller auf Zwischenrufe aus dem Publikum reagiert und für die Ansagen nimmt er sich ebenfalls erklärende Zeit. So sorgt er schon früh für erste Lacher, als er über das große schwarze Ding namens Vinylscheibe sinniert oder aber den Rausschmeißer „Houston“ mit seiner halbdeutschen Ansage zu „Husten-Houston“ verformt.

Kleine Wehrmutstropfen sind allerdings einige nicht nachvollziehbare Kameraschwenks, bei denen der Zuschauer eher das Gefühl hat, dass die Person hinter der Kamera nicht immer wusste, was sie machen sollte und erst noch auf Zielsuche war. Als Beleg hierfür mögen das wilde Ein- und Auszoomen auf den Drummer Tommy Fischer in Minute 2:10 oder das Herumfuchteln in Minute 2:20 beim Gitarrensolo herhalten. Vielleicht lag es aber auch schlicht daran, dass die Kameraleute ebenfalls vom Boogie-Virus infiziert waren, denn kurz vor Schluss sieht man einen dieser Linsenschlepper halb steppend bei der Arbeit. Im Großen und Ganzen aber ist die Kameraarbeit richtig solide und flippt nicht neumodisch aus und gerade die Schwenks auf Tastenmann Frank Tischer zeigen fast den Dreck unter den Fingernägeln bei den oben erwähnten ausführlichen Soli.

Da die Show auf dem Festival nur eine knappe Stunde dauerte, wurde die vorliegende DVD noch um drei Tracks erweitet, die auf der Tour 2009 bis 2010 durch Thierry Miguet mitgefilmt wurden. Hier stehen dann die Songs selbst mehr im Mittelpunkt und nicht das Konzept einer kompletten Show. Zusätzlich sind noch einige Minuten Interview mit dem Mastermind Miller angefügt.

Zeitlos dürfte das richtige Wort sein, um eine verjüngte Band rund um Kopf Miller Anderson zu beschreiben, und die Reise durch 40 Jahre Musikgeschichte wirken zu keiner Sekunde staubig wie der Wüstendreck des Woodstock Festivals. Hier lohnt sich nicht ein verklärter Blick in die doch häufig fehlinterpretierte bessere Vergangenheit, denn auch heute noch glänzen die Rock- und Bluessongs mit reichlich Esprit. Und wer noch wehmütig verträumt an den letzten Auftritt der Miller Anderson Band denkt oder gar der nächsten Stippvisite entgegen fiebert, kann sich jederzeit „Live At Rockpalast“ ins heimische Gemach stellen und erlebt immer wieder kurzweilige 60 Minuten erstklassiger Musik.

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