Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Milking The Goatmachine: Clockwork Udder

Stillstand ist der Tod
Wertung: 8.5/10
Genre: Deathgrind
Spielzeit: 38:36
Release: 18.11.2011
Label: NoiseArt Records

Ich bin sie leid, die Ziegen-Wortspiele. Und Milking The Goatmachine anscheinend auch, denn auf ihrer neuen Scheibe „Clockwork Udder“ zeigen sie längst nicht so sehr ihre Verehrung für das meckernde Vieh wie noch auf den letzten Studioalben „Back From The Goats“ und „Seven… A Dinner for One“. Ziegengemecker bleibt ganz außen vor, außerdem fallen platte Witze wie „Feed The Goat“ und „Milk Me Up Before I Go Go“ weg. Ebenfalls neu im Bandgehege (Mist, diese Wortwitze kommen ganz von alleine!): no pigsqueals! Zumindest fast. Was zu Empörungsrufen bei den meisten Fans führen dürfte, erscheint der Schreiberin dieser Zeilen, obwohl selbst ein großer Grind- und Schweinchengeschrei-Fan, sehr wohltuend. Ein bisschen hat man das Tempo abgeflaut, doch statt wie viele andere Death/Grind-Combos in sumpfiger Langeweile zu versinken, erhöht die gedrosselte Geschwindigkeit den Brutalitätsgrad der neuen Scheibe.

Die Herren Goatleeb und Goatfreed Udder, Tony Goatana, J.A. Hornlicker und Frog The Farmer (dessen Name mich immer irgendwie an den tanzenden Frosch mit Zylinder und Stock bei den „Looney Tunes“ erinnert) hauen auf „Clockwork Udder“ womöglich noch mehr Hits raus, als auf „Back From The Goats“ – angefangen mit „We Want You“, das wahrscheinlich zu Recht bereits von sämtlichen Musikredakteuren als inoffizielle Fanhymne gefeiert wird; einen derart starken Track direkt als Opener einzusetzen, ist natürlich ein bisschen riskant, aber MTG haben die Eier, um sowas durchzuziehen. Überhaupt hat die Herde, äh, Truppe eine ordentliche Schippe Dreck auf den „neuen“ Sound gelegt, was beispielsweise beim Titeltrack deutlich wird; klar, man erkennt noch einwandfrei Milking The Goatmachine, aber wenn mich nicht alles täuscht, klingt die Truppe um einiges härter und kompromissloser, gleichzeitig aber strukturierter und weniger halsbrecherisch.

Den früher sehr offensichtlichen Witz muss man auf „Clockwork Udder“ zwar ein wenig suchen, dann findet man ihn aber recht schnell in Form von „I’m A Scatman“ („Knock Knock Vol. 1“) und Zitaten aus „Die Simpsons“ („Knock Knock Vol. 2“). In „More Humour Than Human“ schaffen es die Böcke auch mal, eine Kirmesmelodie einzubinden, ohne dass der Track in sich zusammenfällt. „Raise Your Horns“ ist dann wieder ein Stück, das man sich direkt live vorstellt, schließlich wird man hier geradezu genötigt, die Pommesgabel in die Luft zu stoßen – treibende Gitarren beschwören eine morbide Grundstimmung herauf, Goatleeb grunzt sich einen Wolf und die Zicklein tanzen vor Begeisterung. 

Beim dritten Teil von „Knock Knock“ tauchen dann heisere Bree-Bree-Rufe auf, die aber so ziemlich alles an typischem Grindcore-Gequietsche darstellen. Eine richtig fette Überraschung bietet dann noch der letzte Song „In Hardest Conditions“, der als einziger überhaupt die Drei-Minuten-Grenze sprengt und das nur, weil noch ein Hidden Track angehängt wurde, in dem tatsächlich klarer Gesang präsentiert wird. Ob da nun Goatleeb oder Farmer Frog, der ebenfalls für einen Teil der Vocals zuständig ist, dahinter steckt, weiß man nicht, aber es klingt definitiv richtig genial und gibt direkt einen ganzen Haufen Pluspunkte. 

Fazit: „Clockwork Udder“ übertrumpft „Back From The Goats“ zumindest beim Thema Abwechslungsreichtum und Spaß um Längen. Für einige wird sowohl der klare Gesang am Ende als auch das fast völlige Fehlen von Pigsqueals ein Grund sein, der Band den Rücken zuzuwenden oder sich zumindest lauthals zu beschweren, aber seien wir doch mal ehrlich: Stillstand ist der Tod. Und solange MTG sich und ihre Fans nicht auf Teufel komm raus mit neuen Stilmixen und Experimenten zuschütten, kann und muss man solcherlei Fortschritte ruhig in Kauf nehmen. Erst recht, wenn dabei so etwas Gutes wie „Clockwork Udder“ herauskommt. Übrigens gibt es im ebenfalls erhältlichen Digipack noch vier Bonustracks, die uns hier nicht vorliegen – aber wenn man weiß, dass einer davon ein Culture-Beat-Cover ist, kann man sich in etwa vorstellen, was einen erwartet.

comments powered by Disqus

Von Jahr zu Jahr kommt man einfach immer mehr auf den Boden der Tatsachen