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Mikko Heino: Vaahtera

Instrumental gelungener Folk mit nervenzerreißendem Gesang
Wertung: 6/10
Genre: Folk
Spielzeit: 30:43
Release: 15.01.2009
Label: Eigenproduktion

Als Singer-Songwriter sollte man bezeichnenderweise zwei Dinge zu Genüge besitzen: Ein gewisses Talent zum Schreiben von Songs und eine prägnante Gesangsstimme. Ersteres kann man Mikko Heino, der mit „Vaahtera“ seinen mittlerweile vierten Solo-Release abliefert, sicherlich nicht absprechen und auch eine unverkennbare Stimme besitzt der Mann – doch leider liegt genau hier das Problem, denn sehr angenehm ist diese unglücklicherweise nicht.

Dabei lässt es sich kaum bestreiten, dass der Sänger zumindest die meisten Töne trifft, doch sein hoher Gesang lässt den Hörer vor allem in seinen lauteren Momenten erschrocken zusammenzucken und wirkt oftmals unfreiwillig komisch. Bei der Begleitband sieht die Sache dann schon ganz anders aus, denn Mikko Heinos drei Mitmusiker leisten hervorragende Arbeit – insbesondere die Gitarre füllt die verträumten Stücke wunderbar aus.

Schon beim ersten Stück „Hope“ könnte mehr Kontrastprogramm kaum geboten werden: Wunderschöne Akustik-Gitarren-Klänge treffen auf den schrägen Gesang, der am Anfang des Tracks schier unerträglich erscheint. Überraschenderweise bricht der Song jedoch schon nach kurzer Zeit ab und beginnt in einer anderen Variante neu – dieses Mal sogar mit Gesang, der deutlich weniger unangenehm ist. In dem melancholischen, von sanftem Piano unterstütztem Stück singt Mikko sanft und beinahe gehaucht und schafft es dabei reichlich Emotionen zu vermitteln. Leider war es das aber auch schon wieder mit der Kehrtwende, denn beim anschließenden „Mind Race“ greift der Finne wieder zu dem schwer erträglichen Gesangsstil vom Anfang. Das ist vor allem deswegen schade, weil der Song ansonsten recht gelungen ist und den Hörer mit schönen Melodien verzaubert.

„Others“ zeigt sich dann als einer der Höhepunkte des Albums: Mit schönen Streichern überzeugt der melancholisch-verträumte Track augenblicklich, nicht zuletzt aus dem Grund, dass der Gesang hier über weite Strecken in Ordnung geht. Nicht so allerdings bei „Walk Inside“ - auch die gute Keyboard-Unterstützung kann nicht über das sich erneut hart an der Grenze bewegende Organ des Sängers hinwegtrösten, einzig die tieferen Töne sind akzeptabel. Auch im weiteren Verlauf der CD gibt es immer wieder einprägsame Melodien wie in „B.I.L.“ oder dem ungewöhnlichen Stück „Post-Human Powerstation“, in dem elektronisch verfremdeter Gesang zum Einsatz kommt, zu hören, doch letztendlich wird der positive Eindruck immer wieder vom üblichen Phänomen getrübt.

Prinzipiell ist „Vaahtera“ kein schlechtes Album – Mikko Heino versteht es wunderbar, in seinen Songs eine verträumte Atmosphäre zu erzeugen und diese mit angenehmen Melodiebögen anzureichern, doch unglücklicherweise lässt er das Konstrukt mit seinem Gesang wieder zusammenbrechen. Die anderen an der CD beteiligten Musiker begeistern mit guten technischen Fähigkeiten und sorgen auf instrumentaler Ebene für ein starkes Album – letztendlich hat aber auch der Sänger seine Momente, denn durchweg schlecht ist seine Leistung definitiv nicht.

Wären da nicht die Passagen, in denen Mikko Heino die Ohren der Hörer regelrecht malträtiert, wäre „Vaahtera“ eine richtig gelungene Folk-Platte geworden. Aber vielleicht gibt es ja auch ausreichend Menschen, denen diese Stimme zusagt, Wiedererkennungswert kann man ihr zumindest nicht absprechen. Reinhören vor dem Kauf ist hier aber ohne Frage Pflicht, denn auch wenn grundsätzlich nicht von einem Totalausfall gesprochen werden kann, so dürfte für manche Hörer der Gesang doch sehr abschreckend wirken.

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