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Mikirurka: I Hate You Rock'n'Roll

Für mehr Scheuklappenfreiheit!
Wertung: 8.5/10
Genre: Rock, Stoner Rock, Funk
Spielzeit: 48:27
Release: 13.10.2010
Label: HeavyMusic Records

So ganz mag man es den Polen Mikirurka nicht abkaufen, dass sie Rock’n’Roll tatsächlich hassen. Dafür hat das Quintett einfach hörbar zu viel Spaß daran, dreckige Gitarrenriffs, Soli und treibenden Groove auf ihrer ersten Full-Length-Scheibe zu verbraten. Dass die Band aus Polen kommt, hört das geschulte Ohr mit etwas Glück schon bei den ersten Songs und das liegt nicht etwa am Akzent von Sänger Piotr, sondern einfach daran, dass in letzter Zeit immer mehr großartige polnische Bands auf der Bildfläche erscheinen, die einen bestimmten Gitarrensound ihr Eigen nennen können, der wohl nur bei unseren osteuropäischen Nachbarn zu finden ist. Mausert sich Polen etwa zum Rock’n’Roll-Land Nummer eins?

Wundern würde es wahrscheinlich niemanden, denn nach grandiosen Bands wie Black River oder Searching For Calm, stehen mit Mikirurka jetzt wieder waschechte Rocker auf den Programm, die ihr Handwerk verstehen und trotzdem alles andere als verstaubt daherkommen. Der Bandname mag einem erst etwas komisch vorkommen, weiß man jedoch, dass es ein Wortspiel bezüglich des einst genialen, nun aber nur noch für sein durch Botox entstelltes Gesicht bekannten Schauspielers Mickey Rourke ist, freundet man sich schnell mit dem etwas absurden Humor der Combo an.

Der Sound erinnert ein wenig an eine Mischung aus Stoner Rock und den Funkfusion-Metallern City Weezle – immer etwas chaotisch, aber liebenswert. Geradezu charmant knarzig kommt Piotrs Stimme bei Songs wie dem Südstaaten-Stoner-Rocker „Ain’t No Harm“ rüber, dabei lässt sich der Sänger aber auch gerne von seinem Gitarristen vertreten, der immerhin bei ganzen zwei Songs die Lead Vocals übernehmen darf.

Den bunten Reigen eröffnen darf aber immer noch Hauptsänger Piotr: „Tiger Could Be Stronger“ ist ein "dicke-Eier"-Song wie er im Buche steht, inklusive „Uh! Ah!“-Rufen und rhythmischem Klatschen. Er erinnert irgendwie an eine Mischung aus den alten The 69 Eyes und Black Label Society und hat allein wegen des Händeklatschens und der wunderbar tiefen Gitarre das Potenzial zu einem absoluten Kneipen-Hit.

„Break The Law“ ist mit einer dermaßen funky Gitarre ausgestattet, dass man ohne Weiteres die ganze Nacht dazu durchtanzen könnte. Piotrs Stimme wird zunehmend etwas nasal, komischerweise passt das aber hervorragend zum Track und trübt das Hörvergnügen nicht im Geringsten. Schade ist, dass der Song nicht einmal drei Minuten Laufzeit für sich beanspruchen darf, aber überhaupt scheinen Mikirurka keine Freunde zu langer Songs zu sein – das macht aber nichts, kurz und knackig ist die Devise und das ist allemal besser, als sich in elends langen Songstrukturen zu verlieren.

„On My Grave“ hat so ein bisschen das Flair eines alternden Knastinsassen, der mit sich und der Welt abschließt. Zu hören ist ein großartiger, bedrückender Song mit Piotrs absichtlich ultra-tiefem Sprechgesang und einem fast epischen Refrain. Kaum eine Band schafft es überzeugend, zwei so unterschiedliche Songs wie diesen Gänsehaut-Verursacher und „Break The Law“ nebeneinander zu stellen - Hut ab!

„Fuckin’FunkyMonkey“ erinnert titelmäßig an die Freaky Fukin Weirdoz, hat auch sonst einen eher experimentellen, funkigen Touch und besticht vor allem durch die bizarr-lustige Textzeile „She grabs your balls/And squeeze like she wants“. Was man da nun rein interpretieren kann und darf, sei mal dahin gestellt – Zeit, um über solcherlei Fragen nachzudenken, bleibt aber sowieso kaum, denn Mikirurka hauen dem Hörer einen genialen Song nach dem anderen um die Ohren: Da wäre das oben bereits erwähnte „Ain’t No Harm“, bei dem man auch nach dem hundertsten Durchlauf eine Gänsehaut nicht verhindern kann, der mit langgezogenem Gesang versehen Stoner-Track „If“ oder das mit weiblicher Unterstützung vorgetragene und absolut grandiose „Moonlight Star (Shining Bright)“ mit einem tief brummenden Piotr im Hintergrund. Zwar ist der Song relativ poppig gehalten und mutet – man möchte es kaum laut aussprechen – etwas weihnachtlich-winterlich an, aber dennoch: Die Stimme von Gastsängerin Anna Bachul ist absolut hörenswert und verleiht dem Song eine ganze besondere Atmosphäre.

Dann hat Gitarrist Greg Toma seinen großen Auftritt – und meine Herren, wie der Mann schreien kann! Um einiges metallischer als sein Kollege geht er bei „Food For Powder“ zu Werke, kreischt sich mit leicht heiserer Stimme die Seele aus dem Leib und macht seinen Job verdammt gut. Gut ist auch, dass die Jungs nicht unnötig versuchen, die beiden Stimmen in den Songs zu mischen, denn jede für sich hier hat ihre besonderen Nuancen, die nur einzeln perfekt zum Vorschein kommen können. Mit dem Titeltrack versuchen die Polen dann doch noch zu beweisen, wie sehr die Rock’n’Roll eigentlich verabscheuen – zumindest kotzt Piotr sich stimmgewaltig aus, aber schon bei dem – übrigens von ihm gespielten – Gitarrensolo muss man wieder grinsen. Diese Jungs hassen Rock’n’Roll nicht, sie lieben ihn und heben ihn auf ein neues Level. Jeder, der etwas mit Crossover-Rockbands anfangen kann, sollte sich diese Scheibe zu Gemüte führen – lange habe ich keine Band mehr gehört, die mir soviel Spielfreude auf ihrer ersten Platte auftrumpfen kann und trotzdem so scheuklappenfrei agiert.

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