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Midnight Odyssey: Funerals From The Astral Sphere

Das Weltall ist nicht genug
Wertung: 9/10
Genre: Black Metal, Ambient
Spielzeit: 125:02
Release: 01.09.2011
Label: I, Voidhanger Records

Midnight Odyssey ist ohne Frage ein Name, der die Musik des Australiers Dis Pater perfekt umschreibt – nicht nur genießt man „Funerals From The Astral Sphere“ am besten nach Sonnenuntergang, sondern man sollte auch auf eine wahre Odyssee gefasst sein, denn dieses Doppelalbum lässt den Hörer über eine Spielzeit von mehr als zwei Stunden in eine vollkommen andere Welt eintreten, die dem unfreiwillig komisch wirkenden Artwork glücklicherweise in puncto Atmosphäre weit überlegen ist.

Paters Werkzeuge, um dieser Reise ihre enthebende Intensität zu verleihen, sind dabei die gleichen, an denen sich so viele Black-Metal-Soloprojekte mal mehr, mal weniger erfolgreich versuchen: Recht traditionell geartetes Schwarzmetall trifft auf schwelgerische Ambient-Klangwelten, wobei beide Parts gleichberechtigt nebeneinander stehen oder sogar ineinander übergehen. Die Stimmung auf „Funerals From The Astral Sphere“ zeichnet sich dabei vor allem durch den sehnsüchtigen Blick in Richtung Weltall aus – ähnlich wie bei Darkspace scheint die Musik Paters die Mysterien der unendlichen Weiten zu vertonen, wobei der Australier jedoch auf eine etwas weniger nihilistische und verstörende Vision des Universums setzt.

Obwohl es in den Soundsphären von Midnight Odyssey auch schwarze Löcher und beunruhigende Schatten gibt, wird auch die überwältigende Schönheit des Weltraums gewürdigt. Wie der Rest des Albums in reichlich Hall gehüllt, der bei anderen Bands oftmals billig wirkt, auf „Funerals From The Astral Sphere“ jedoch ein faszinierendes Ambiente erschafft, zeigt das mehr als zwölfminütige „Fallen From Firmament“ bereits zu Beginn eine große Bandbreite an Emotionen auf. Synth-Streicher und schwerelose Ambient-Klangflächen erzeugen gemeinsam ein Gefühl von Weite und Verlorenheit, bevor monotoner, rituell anmutender Gesang einen ersten Orientierungspunkt bietet und ab der Hälfte des Songs ein mächtiges Riff samt hohen Kreischern einsetzt – sicherlich keine Neuerfindung des Genres, aber dermaßen stimmig umgesetzt, dass der Hörer sich bereits hier dem schwer greifbaren Sog kaum entziehen kann.

Auf zwei CDs bietet sich natürlich ebenfalls viel Raum für Experimente, den Pater durchaus nutzt, dabei aber nie die Grenzen seines Universums gänzlich verlässt und so den roten Faden stabil hält. In „Against The Moonlight“ werden beispielsweise geschickt asiatische Melodien mit Klängen, die verdächtig nach einem Guzheng klingen, und klassisch angehauchte Geigenmelodien zwischen den rauschenden Gitarren und dem fernen Klargesang eingewoben, während „Silently In Shadows“ oder „From A Celestial Throne“ tiefer in die schwärzeren Bereiche des Alls führen. Aufgelockert wird der Albumverlauf durch einige Stücke, in denen Pater seinen klaren Gesang etwas mehr in den Fokus rückt und eine fast schon akustische Herangehensweise wählt, hierbei allerdings nicht die Atmosphäre einbrechen lässt: In „An Ode To Dying Spirits“ harmoniert die in höheren Lagen überraschend androgyne Stimme des Australiers hervorragend mit der galaktischen Thematik, wohingegen das einsame „Lost“ auf tiefe und warme Töne setzt.

Die gesamte Erfahrung von „Funerals From The Astral Sphere“ zu beschreiben, gestaltet sich letztendlich äußerst schwierig. Allein schon der immense Umfang des Doppelalbums gibt diesem Werk eine gewaltige Tiefe und überlange Songs wie „Those Who Linger At Night“ sind aufgrund zahlreicher Soundelemente wie Harfenklängen und Chören speziell anfangs schwer zu erfassen und erfordern eine lange Einarbeitungszeit. Wer jedoch Ambient Black Metal und die Weltraumthematik schätzt, sollte diese unbedingt in Kauf nehmen und ein Meisterwerk aus dieser Richtung genießen, das besser den Klang der Unendlichkeit nicht darstellen könnte.

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