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Michael Schenker's Temple Of Rock: Spirit On A Mission

Klassisch und ohne großes Brimborium – macht Spaß!
Wertung: 7.5/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 51:01
Release: 20.03.2015
Label: Inakustik

Bei Michael Schenkers zahlreichen Projekten kann man schon mal leicht den Überblick verlieren; einst bei den Scorpions zusammen mit seinem älteren Bruder Rudolf aktiv, spielte er danach eine Zeitlang bei UFO, um dann nach und nach mehrere Bands zu gründen, die seinen eigenen Namen trugen: Am Bekanntesten dürfte hier wohl die Michael Schenker Group sein, aus welcher später die McAuley Schenker Group hervorging. Außerdem veröffentlichte der Niedersachse mehrere Instrumentalalben unter dem schlichten Banner „Michael Schenker“, bei denen er zum Teil alle Instrumente alleine einspielte, und kann auf einige Gastbeiträge bei illustren Gruppen wie beispielsweise Ratt zurückblicken.

Obwohl die Michael Schenker Group und die McAuley Schenker Group offiziell immer noch aktiv sind, hat der Saitenhexer in Form von Michael Schenker's Temple Of Rock nun noch eine weitere Allstar-Formation mit seinem Namen in der Überschrift am Start. „Spirit On A Mission“ markiert dabei das bereits dritte Album nach dem 2011er Debüt „Temple Of Rock“ und „Bridge The Gap“ von 2013. Es gab ja so einige, die dem Meister attestierten, ihm sei längst die Luft ausgegangen, er habe keinen Esprit und keine Ideen mehr und das jüngst veröffentlichte Material sei nur noch halbgar.

Fakt ist, dass Schenker in der Vergangenheit öfters mit Drogen- und Alkoholproblemen zu kämpfen hatte und – das allerdings liegt wohl schon schlicht in der Masse an Outputs begründet – mit Sicherheit nicht alles Gold war, was der Sarstedter auf die Menschheit losließ. Dass er einer der wichtigsten und innovativsten Gitarristen der Rockgeschichte war und ist, dürfte hingegen trotzdem unstrittig sein. Glücklicherweise zeigt er sich auf „Spirit On A Mission“ von seiner besseren Seite; zwar sind hier keine musikhistorischen Quantensprünge zu finden, doch impliziert der Bandname ja schon, dass hier einfach nur frisch von der Leber weg abgerockt wird.

Negativ betrachtet, mögen Songtitel wie „Live And Let Live“, „Vigilante Man“, „Rock City“ oder „Good Times“ nicht der Weisheit letzter Schluss sein und die Texte vor Klischees triefen, positiver ausgedrückt sind sie halt einfach klassisch. Songschreiberisch ist das insgesamt jedenfalls eine solide Angelegenheit; wie erwähnt, sollte man nicht nach großartigen Offenbarungen suchen. Wahrscheinlich hat Schenker davon inzwischen auch genug und sehnt sich zurück nach simplem, klassischem Hard Rock der früheren Tage – möglicherweise deswegen auch überhaupt die Gründung des Temple Of Rock.

So stehen auf der einen Seite stampfende Midtempo-Groover mit guten Hooks wie „Communion“, „Saviour Machine“ oder der kompromisslose Rausschmeißer „Wicked“, während auf der anderen Seite flotte Speed-Nummern der Marke „Rock City“, „Something Of The Night“ oder „Restless Heart“ zu verzeichnen sind. Für meine Begriffe sind die schnellen Tracks die gelungeneren, da schlichtweg mitreißender, aber wirkliche Ausfälle sind trotz der einen oder anderen kleinen Länge nicht zu beklagen. Etwas aus dem Rahmen fällt das orientalisch geprägte „All Our Yesterdays“, das einen leicht mystischen Touch besitzt und gerade deswegen zu den stärksten Songs des Albums gehört. Der einzige kurze Ausflug in akustische Gefilde wiederum wird bei „Bulletproof“ zelebriert.

Wer seinen Hard Rock klassisch und ohne großes Brimborium mag, kann bei „Spirit On A Mission“ ohne zu zögern zuschlagen. Definitiv einer der besseren Schenker-Releases der letzten Zeit, zumal die grandiose Band, die der Norddeutsche um sich geschart hat, natürlich jeden Connaisseur mit der Zunge schnalzen lassen muss: Sänger Doogie White ist auch mit 55 noch bestens bei Stimme, während die Rhythmussektion mit Francis Buchholz am Bass und Herman Rarebell am Schlagzeug bei Altrockern Nostalgiegefühle aufkommen lassen dürfte, und mit Gitarrist/Keyboarder Wayne Findlay hat Michael einen starken Partner an seiner Seite, der auch bei einigen Stücken als Co-Songwriter aufgeführt wird.

Entscheidend ist aber natürlich in erster Linie Schenkers Gitarrenspiel: der smoothe Sound, die geschmeidigen Läufe, die ideale Mischung aus Technik, Melodie und Gefühl sind eben unverkennbar, gehen auch 2015 noch runter wie Öl und runden das alles in allem ordentliche Songwriting in edler Manier ab. Selbst nicht so pralles Material wie „Good Times“ wird so auf ein höheres Level manövriert. Schön, dass der exzentrische Musiker auch in diesem Jahrzehnt noch Brauchbares unters Volk bringt.

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