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Michael Romeo: War Of The Worlds Part II

Stärker als der erste Teil und auch das letzte Symphony X-Album
Wertung: 8,5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 66:29
Release: 25.03.2022
Label: InsideOut

Als Michael Romeo 2018 das insgesamt zweite Soloalbum seiner Karriere herausbrachte und dies „War Of The Worlds Part I“ nannte, war anhand des Titels schon ziemlich klar, dass dies nicht die letzte Soloplatte seiner Karriere sein würde. Nun, vier Jahre später ist es also soweit und der Symphony X-Saitenhexer legt den zweiten Teil seiner Weltkriegssaga vor. Immerhin ist er da schneller als mit seiner regulären Truppe, bei denen wir nun schon seit geschlagenen sieben Jahren auf ein neues Werk warten.

Meine Wenigkeit stellt sich ja bei Soloalben von Mitgliedern renommierter Bands, die im Prinzip den gleichen Stil und Sound wie die Hauptband auffahren, stets die Frage, wie sinnvoll so was ist. Wozu ein Soloalbum produzieren, wenn man da nicht mal komplett andere Dinge ausprobiert? Aber Michael Romeo kann wohl einfach nicht aus seiner Haut und wenn es ihm Spaß macht, ist das ja auch okay. Zumal gleich mal gespoilert werden kann, dass er mit „War Of The Worlds Part II“ wirklich eine verdammt starke Platte rausgehauen hat, die sowohl den ersten Teil als auch das letzte SX-Album „Underworld“ völlig locker in die Tasche steckt. Überraschungen kann man mit der Lupe suchen, das Songmaterial allerdings ist einfach prima, sodass jeder Fan seine Freude an der Scheibe haben sollte.

Der größte Unterschied zwischen den neueren SX-Alben und Romeos Sologeschichten dürfte sein, dass es bei letzteren keine Keyboardsoli gibt, dafür aber mehr Orchester: Die Einleitung zeigt bereits, dass Romeo inzwischen ein richtig guter Tüftler geworden ist, was Orchestrierungen anbelangt. Spätestens seit Symphony X’ Megaepos „The Odyssey“ wissen wir natürlich längst, dass er es in der Beziehung drauf hat, mittlerweile jedoch tönt das Ganze einfach viel authentischer. Natürlich würde der Gitarrero am liebsten ein echtes Orchester verwenden; dafür reicht das Budget dann doch noch nicht, aber immerhin ist bei weitem nicht mehr so auffällig wie früher zu hören, dass es sich nur um ein Orchester aus der Konserve handelt.

Anschließend werden mit dem folgenden Doppelpack „Divide & Conquer“/„Destroyer“ keine Gefangenen gemacht: Ersteres Stück besticht durch flottes Tempo mit typisch vertracktem Romeo-Riffing in der Strophe, dem mit einem grandiosen Refrain die Krone aufgesetzt wird. Letzteres hingegen kennzeichnet sich eher durch Midtempo, bei dem die ultratief gestimmten, sägenden Klampfen für eine brutale Heaviness sorgen.

Schon hier kann man Romeo zur Auswahl seines Sängers beglückwünschen: War auf dem ersten Teil noch Blue Öyster Cult-Gitarrist/Sänger Richie Castellano (der beileibe keinen schlechten Job erledigte) an der Mikroposition vertreten, übernimmt diese Rolle diesmal Dino Jelusick, ein noch junger kroatischer Sänger, der bereits etliche Preise gewonnen hat und eine große Zukunft vor sich haben sollte, wenn alles gut läuft. Die Ähnlichkeiten zur Röhre von SX-Fronter Russell Allen sind unüberhörbar – der Mann besitzt die nötige Rauheit, um die Songs noch rigoroser zu gestalten, er hat die Technik, aber auch das Feeling an den richtigen Stellen; da gibt es nichts zu meckern.

Insgesamt ist der Härtegrad ziemlich hoch, wobei im Songwriting praktisch keine Schwächen auszumachen und bei aller Heftigkeit immer auch melodische Momente vorhanden sind, um Abwechslung zu generieren. So beispielsweise im herausragenden „Hybrids“ (bei dem Michael laut Promo das erste Mal überhaupt mit einer siebensaitigen Gitarre arbeitete), das sich in erster Linie erneut durch harsche Riffs und einen fantastischen Refrain auszeichnet, gleichzeitig aber mit Epik und einem melancholischen Überzug versehen wurde und so ein wenig an einen Song wie „Children Of A Faceless God“ von Symphony X’ Album „Iconoclast“ erinnert.

Abwechslung und Auflockerung bringen mit „Mothership“, „Hunted“ und dem Outro „Brave New World“ ansonsten drei weitere mehr oder weniger kurze Instrumentals, die mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurden (man kann sich kaum vorstellen, wie viel Arbeit das sein muss) und überdeutlich machen, dass Romeo neben Metal auch tierisch auf klassische Musik und Soundtracks abfährt; mit „Just Before The Dawn“ hat sich zudem eine Ballade in die Tracklist geschlichen, die erfreulich unkitschig geworden ist und einen schönen Flow hat.

Auffällig schon allein durch den Titel ist natürlich außerdem „Maschinenmensch“, mit neun Minuten längster Track – der Anfang könnte glatt einem jüngeren Cradle Of Filth-Album entsprungen sein, im weiteren Verlauf bietet der Maestro eine proggige, spannende Achterbahnfahrt vom Feinsten mit großartiger Orchestrierung, vielen Breaks ohne den roten Faden zu verlieren und natürlich fingerverknotenden Gitarrensoli. Dass diese über die gesamte Albumdistanz samt und sonders nicht von dieser Welt zu stammen scheinen, braucht man übrigens ja kaum noch erwähnen – schön, dass trotzdem ausnahmslos stets der Song und nicht die technischen Fähigkeiten des Amerikaners im Vordergrund stehen.

Trotz der vielen Parallelen zur Hauptband des Gitarristen gibt es also keinen großen Anlass zur Kritik – „War Of The Worlds Part II“ ist schlichtergreifend bockstark, exzellent produziert und macht auch ohne die ganz großen Überraschungen von vorne bis hinten Spaß. Auch die beiden Bonustracks „The Perfect Weapon“ und „Alien Death Ray“ sind gelungen, man sollte sich also auf jeden Fall die Variante zulegen, auf der diese Stücke enthalten sind. Bitter nur, dass der Titel geradezu prophetisch gewesen sei, so Romeo: Natürlich habe das Album hauptsächlich einen Science-Fiction-Charakter, doch Aliens müssten uns wohl gar nicht vernichten; wenn sie unseren Planeten erobern wollten, könnten sie auch einfach warten, bis wir uns gegenseitig ausgelöscht haben… 

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