Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Metsatöll: Ulg

Eine schöne, erdige, runde Sache
Wertung: 8/10
Genre: Folk Metal
Spielzeit: 43:51
Release: 11.11.2011
Label: Spinefarm Records / Soul Food

Mit Metsatöll präsentiert eine sehr fleißige Band ihr bereits sechstes Album. Mit dem für uns Deutsche ungewöhnlich klingenden Namen „Ulg“ wurde das gute Stück versehen und erscheint nur in Blautöne gehüllt.

Wenn man den Versuch, das Cover zu deuten, endlich aufgegeben hat und die Scheibe im Player liegt, erwartet einen zwar keine wirkliche Überraschung, dennoch darf das einleitende Stück „Agu“ als ungewöhnlich klingend und fremdartig angesehen werden. Irgendwie klingt es ein wenig wie die Backgroundmusik zu den Weihnachtsgeschichten im Bayerischen Fernsehen der End-Achtziger Jahre.

Damit ist aber sehr schnell Schluss. „Sojasüda“ ist dann schon ein Stück, das sich locker in die Sparte Folk Metal einordnen lässt. Der Titel mit Überlänge steht symbolisch für drei Viertel der Lieder auf der Scheibe; flotter Folk Metal mit jeder Menge akustischer Folkloreinstrumente in der Landessprache der Gruppe. Dabei pendelt die Stimmung immer wieder zwischen fröhlich-neugierig forschend bis zu aggressiv und kampfbereit. Metsatöll unternehmen keinen Ausreißer in die extremeren Gefilde des Heavy Metal, dafür bereichern sie ihre Musik mit jeder Menge inzwischen nicht mehr so sehr exotischer Instrumente, allerdings dürfte eine Maultrommel immer noch zu den Exoten unter den Instrumenten im Heavybereich zählen. Für die Sackpfeifen trifft dies allerdings kaum mehr zu. Diese sind das einzige, das bei „Kivine Maa“ etwas aufgesetzt wirkt. Ignoriert man das, dann ist der Titel einer der besten auf der Scheibe. Von seiner Machart her gehört das Stück zwar zu der Mehrheit auf dem Tonträger, allerdings besticht das Werk durch seine eingängige Melodie.

Ganz anders verhält es sich schon mit dem folgenden Track, der hier noch exemplarisch herangezogen werden soll. „Rabakannel“ ist ein düsteres Lied, das eine bedrückende Schwere erzeugt und damit schon eine kleine Besonderheit auf „Ulg“ darstellt.

Die Akustiksachen wie „Isata“ und „Eha“ runden die Produktion der Band ab und sorgen für das entsprechende Lagerfeuerflair

Die Produktion von „Ulg“ ist sehr erdig ausgefallen - fast schon ein klein wenig unterproduziert. Die elektrischen und akustischen Instrumente klingen manchmal nach zwei Aufnahmen, die nicht so recht zusammenpassen wollen; als wenn zwei verschiedene Aufnahmesituationen vorgeherrscht hätten. Sie gliedern sich einfach nicht zu hundert Prozent an. Die Ausnahme sind die Flötenparts, diese klingen vollkommen authentisch.

„Ulg“ ist ein schönes Werk, das sich einige markante Kanten und raue Stellen bewahrt hat. Das ist in praktisch allen Fällen auch legitim. Kleinere Makel sind oft tausendmal besser als eine glattgebügelte, flache Plastikproduktion. Das wurde bei Metsatöll vermieden. Die Scheibe ist so erdig, dass man den Humus fast riechen kann. Außerdem vermittelt sie eine Bodenständigkeit, die ihresgleichen sucht.

Das vorliegende Werk dürfte für Freunde des Vorgängers „Äio“ sehr interessant sein, da es sich auf ähnlichen Pfaden bewegt. Alle anderen Folk-Metal-Anhänger dürfen auch gerne ein Ohr riskieren. Die Scheibe ist charmant, nicht ganz makelfrei wie ein unbearbeiteter Baumstamm.

comments powered by Disqus

Top-Stimmung in der Markthalle auch an einem Mittwochabend

Auch die unsägliche Informationspolitik kann einem den Spaß nicht verderben

Stimmungsvoller Abend mit zwei motivierten Bands