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Metsatöll: Curse Upon Iron

Episch und heroisch ohne Groove
Wertung: 6/10
Genre: Folk Metal mit Männerchor
Spielzeit: 191:48
Release: 02.07.2007
Label: Westpark Music

Eine Kollaboration der besonderen Art erreicht uns aus Estland, dem nördlichsten der drei baltischen Staaten. Die geografische Nähe zu dem Metal begeisterten Finnland scheint abgefärbt zu haben, so beglückt uns Estlands Schwermetallexport Nummer eins, die Folk Metal-Band Metsatöll mit Liveaufnahmen aus dem Jahre 2006, welche in Zusammenarbeit mit dem Nationalmännerchor Estlands entstanden sind. Genannter und 2004 auch schon mit einem Grammy ausgezeichnete Chor ist bis dato der einzige professionelle Vollzeit-Beruf-Männerchor der Welt. Selbst nach diversen Orchesterprojekten anderer Metalbands auf der Welt stellt dieses Unterfangen, metallische und folkige Melodien mit einem bombastisch heroischen Chor zu verbinden, doch ein Kleinod dar.

Zur Ausstattung gehört eine DVD mit 21minütigem Making Of und 18 Stücken (97 Minuten) und eine Audio-CD mit 15 Stücken (73 Minuten), dazu gibt es ein Booklet mit allen Texten, welche für die zahlreichen Nicht-Esten auch in der englischen Übersetzung zu finden sind. Die DVD ist auf keine Region begrenzt und kann damit auf allen handelsüblichen DVD-Playern bei einem Bildformat von 16:9 dargestellt werden. Letztere begeistert übrigens auch mit sehr netter Kameraführung und vielen Schnitten. Nur farb- und lichttechnisch sieht das eher unspektakulär aus, was mit der nachmittäglichen Aufnahmezeit zu begründen wäre.

Dass dies kein Metsatöll-Release im herkömmlichen Sinne ist, sollte klar sein. Dennoch sind die Trademarks der Metalvorreiter aus Estland klar zu erkennen. Epischer Heavy Metal trifft auf traditionelle Melodien, gespielt auf der estnischen Version des Dudelsacks, der Pfeife und der Kannel (ähnlich der finnischen Kantele). Zusätzlich zum Männerchor hat man sich auch noch einen Gastmusiker mit auf die Bühne geholt, welcher das Quartett mit ethnischer Trommelei unterstützte.

Der Folk oder Ethno Metal von Metsatöll hat seine eigene Note, denn er basiert nicht wie der vieler Bands auf Black Metal, sondern hat seine Wurzeln eher traditionellen Metal. Gesangstechnisch bedient man sich auch keiner Extreme, sondern geht die Sache ruhig an und verwendet hymnischen Männergesang, wie er zur Abwechslung auch gerne im skandinavischen Viking Metal verwendet wird. Das mag auch der Grund sein, warum der Männerchor sich wunderbar ins Gesamtbild einpasst. Der Chor nimmt generell einen relativ großen Teil ein, stellt ab und an einige Solosänger heraus und auch ein Stück gänzlich ohne Metsatöll wird präsentiert. Epik pur!

Was negativ in Gewicht fällt, sind die schwachen Gitarrensounds. Für Intros und Interludien sind die melodischen Stromgitarrentöne passend, aber sobald der starke Bass und die doppelte Besetzung am Schlagwerk loslegen, tritt Markus Teeäärs Gitarre ganz schnell in den Hintergrund. Die Folk-Instrumente von Lauri Ounapuu kreuzen sich sowieso nicht ganz so oft mit den wirklich schwermetallischen Passagen. Auch die Schnelligkeit lässt so manchen von skandinavischen Bands abgehärteten Metaller die Stirn runzeln, kommt es doch nur äußerst selten vor, dass man sich in Up- oder schnellerem Mid-Tempo bewegt.

Die Verwertung traditioneller Melodien kommt allerdings gut zur Geltung, da ebenjene durch die nicht ganz so harsche Umsetzung in metallischen Gefilden noch authentisch wirken. Auch in den aufufernden Gesangspassagen, wo der Chor natürlich zu glänzen weiß, lassen sich wunderbare und teilweise recht komplizierte Melodielinien finden.

Dem Konzertpublikum scheint die ungewöhnliche Mischung aber sehr gut zu gefallen, werden die die Band und der Chor mit regelmäßigen Applausstürmen bedacht, obwohl Metalklischees eher Mangelware sind. Kein Moshen, kein Hüpfen, nicht übermäßig viele schwarze Gestalten, sondern einen Querschnitt der Gesellschaft sieht man im Publikum, das sich zwar ruhig aber aufmerksam verhält.

Fazit: Und um jetzt noch ein paar verrückte Vergleichsbeispiele zu bringen: Wer sich einen Mix aus Týr und Corvus Corax’ Cantus Buranus mit einem Hauch Skyforger vorstellen kann, der sollte sich mal eine Hörprobe von „Curse Upon Iron“ besorgen. Metsatöll bieten epischen, heroischen und bombastischen Folk Metal, dem es allerdings an einer ordentlichen Portion Groove fehlt. Nach einigen Durchläufen fängt man aber auch erst an, die ganzen liebevollen Details in der Musik und im Gesang zu finden.

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