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Metallica: Ride The Lightning

Neue Horizonte und Möglichkeiten
Wertung: 9.5/10
Genre: Trash Metal
Spielzeit: 47:31
Release: 01.08.1984
Label: Vertigo Records

Ja, die schon von Ben angekündigte Metallica-Review-Offensive geht nun auch mal in die zweite Runde. Nach dem Thrash-Inferno „Kill `Em All“ aus dem Jahre 1983, bei dem noch ein deutlicher Mustaine-Einfluss herrschte, legen Metallica nun mit festem Line-Up ein deutlich reiferes Werk vor. Das lag vor allem an der Teilnahme im Songwriting von Cliff Burton und Kirk Hammett, die die Songs der „Kill ´Em All“ lediglich eingespielt hatten und somit vorher nicht am Songwriting beteiligt waren. Auf der „Ride The Lightning“ hatte entweder einer der beiden oder beide ihren Teil zum Songwriting beigetragen. Lediglich der letzte Song, das Instrumental „The Call Of Ktulu“ zaubert noch ein „Mustaine“ in den Credits hervor, auch wenn Dave Mustaine da selbstverständlich anderer Meinung ist und auch hier behauptet, viel von seinem Material auf der Platte vorzufinden.

Doch diese Behauptung steht in den Sternen. Fest steht, dass dieses Line-Up aus Hetfield, Ulrich, Hammett und Burton Metallica auf ein neues Level gehievt hat. Das Tempo wurde spürbar gedrosselt, die Songs weisen eine höhere Abwechslung auf und man öffnete die Tür zu mehr Melodien. Der Sound klingt voller als noch auf dem Debüt, man bringt zum ersten Mal Akustik-Sounds in die Songs mit ein und hat auch sogleich mehrere Band-Klassiker vorzuweisen. Auch textlich geht man einen Schritt weiter und entfernt sich vom „Wir kommen und mähen alles nieder“ – Charakter. Man befasste sich viel mit dem Thema Tod, aus der Sicht einer Person, die auf dem elektrischen Stuhl sitzt („Ride The Lightning“), ins Eis einbricht („Trapped Under Ice“), einer Person, die keinen Sinn mehr im Leben sieht („Fade To Black“) und sogar einer biblischen Geschichte, den Zehn Geboten („Creeping Death“). Diese Texte sind trotz des plump wirkenden Themas keinesfalls oberflächlich.

Jedoch ist der Opener „Fight Fire With Fire“ noch etwas davon entfernt, was später auf dem Album gezaubert wird. Dieser Song, der von Akustik-Klängen eingeleitet wird, ist eine wahre Thrash-Granate, die noch am ehesten nach „Kill ´Em All“ klingt, hämmernde Drums, schnelle Riffs und die wohl einfallslosesten Vocallines von Hetfield, der einfach die Riffs mitsingt und sie mit Worten füllt. Dennoch ist der Song eine Granate, besonders was die Soli angeht, schon hier merkt man, dass Melodien noch eine größere Rolle spielen werden.

Weiter geht’s mit dem Titeltrack, der ein deutlich langsameres Tempo geht als der Opener, gegen Mitte aber noch einen Zahn zulegt um das Ganze später für das Solo wieder aufzulockern und im Tempo wieder runtergeht, aber als das Solo dann richtig loshämmert, hämmert auch der Rest, perfekte Abstimmung. Zum stampfenden „For Whom The Bell Tolls“ brauch ich wohl nicht mehr viel zu sagen, dieser Bass am Anfang, das zähflüssige Mainriff und der Refrain sollte jedem ein Begriff sein. Absoluter Bandklassiker, gerade wegen seiner Einfachheit. Ein weiterer Meilenstein ist „Creeping Death“. Dieser Song hat einfach alles, vom schnellen Riffing zum Ohrwurm-Refrain, dem genialen „Die!“-Mitgröhlpart, der bei jedem Live-Gig alle mitschreien lässt bis hin zu den perfekten Solis, Abwechslung wird hier ganz groß geschrieben, einfach perfektes Songwriting. Auch „Fade To Black“ hat hier seinen Platz verdient. Der Song besticht vor allem durch das Hauptriff, das im Akustikklang seine perfekte Wirkung erzielt, das Wechseln von Akustik- in verzerrte Gitarren ist fehlerlos, die langsamen Soli und der Mittelpart, der in genialen Solo-Melodien den Song zum Ende führt, sind einfach nur perfekt. Welcher Song eigentlich ziemlich unterschätzt wird, ist „Trapped Under Ice“, denn er ist schnell, mit vielen Solo-Fills durchzogen und hat einen ziemlichen coolen Bridgepart, für mich ein sehr starker Song, der mehr Beachtung finden sollte. Nur „Escape“ kann da nicht ganz mithalten, und ist für mich der schwächste Song auf dem Album, denn der Refrain-Part ist im Gegensatz zum Rest recht unspektakulär, nur gegen Ende hört man kurz den Hetfield späterer Jahre. Zum Abschluss bekommt man mit „The Call Of Ktulu“ ein wesentlich reiferes Instrumental als auf dem Debüt zu hören. Obwohl mir die späteren Instrumentals noch einen Ticken besser gefallen, wird hier schon einiges geboten.

Metallica haben es geschafft, sich innerhalb eines Jahres und eines Albums enorm weiter zu entwickeln. Die Songs strotzen vor Abwechslung und Melodien, die sich besonders bei den Solis bemerkbar macht. Die Songstrukturen passen wie die Faust aufs Auge, an den richtigen Stellen wird Tempo angezogen oder genommen. Hätte jemand 1983 gesagt, Metallica würden auf der nächsten Platte Akustik-Gitarren benutzen, hätten sie das wohl für vollkommen unmöglich gehalten, aber sie haben und es klingt einfach genial. Sie haben sich selbst mit diesem Album neue Horizonte und Möglichkeiten in Ihrem Klangbild erspielt.

War das erste Album ungestüm und voll auf die Zwölf, haben Metallica mit „Ride The Lightning“ bewiesen, dass sie auch gänzlich reifer klingen können ohne durchgehend Gas zu geben. Die perfekte Balance aus diesen beiden Alben sollte nur zwei Jahre später folgen und den mächtigen Namen „Master Of Puppets“ tragen...

Ich gebe weiter an Ben.

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