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Metallica: Re-load

Warum es gut ist, dass sie einfach ihr Ding machen.
Wertung: 8.5/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 76:6
Release: 18.11.1997
Label: Vertigo Records

Es mag vielleicht lächerlich klingen, wenn ein 20-jähriger Euch sagt: „Wow, die Platte erinnert mich an alte Zeiten!“, aber in diesem Fall muss ich es wohl tun. Denn diese Platte hat mich dazu bewegt, mir meine allererste Metalplatte zu kaufen. Ja, ich sage Metalplatte, denn für einen 11-jährigen ist ein Song wie „Fuel“ kein „Get Down“ von den Backstreet Boys oder ein „Captain Jack“ oder was auch immer damals für ein Müll fabriziert wurde.

Rückblickend ist „Re-Load“ natürlich keine reine Metalplatte, sondern eine Weiterführung der bluesig rockenden „Load“, immerhin entstand der Grossteil der Songs beider Alben im selben Zeitraum. Dennoch ist „Re-Load“ eine Spur härter, oder sagen wir heavier ausgefallen als die „Load“.

Um gleich eines vorwegzunehmen: Auch ich kann verstehen, wenn Fans der ersten Stunden sich nicht mehr in demselben Rahmen mit ihren Lieblingen identifizieren konnten, allerdings kann ich dieses ewige Genörgel um „Load“ und „Re-load“ nicht mehr hören. Die Achtziger sind vorbei, es gibt Bands, die sich immer nur selbst kopieren und Jahr um Jahr dasselbe Album auf den Markt hämmern. Bei einigen klappt es gut, bei anderen nervt es. Die Tatsache, dass ich auf jedem Metallica Album eine andere Stimmung erhalte, zeigt mir, warum ich diese Band so liebe und warum es gut ist, dass sie einfach ihr Ding machen. Früher rissen einem Metallica den Arsch auf, wenn sie spielten und mit „Load“ und „Re-Load“ rocken sie einem den Arsch weg. Aufreissen, wegrocken...eine tolle Mischung.

Der Sound von „Re-Load“ ist wie beim Vorgänger einsame Spitze. Der Bass hat seinen Spielraum, die Gitarren sind super aufeinander abgemischt und Hetfield singt auch hier wie beim Vorgänger besser als je zuvor. Vor allem sind auch hier die Soli von Kirk Hammett einfach nur herrlich. Ich liebe den Einsatz von Wah Wah – Effekt und ich bleib dabei, dass Hammett, was das Feeling angeht, auf diesen beiden Alben die tollsten Soli herausgehauen hat. Wie schon gesagt klingen die Songs einen Hauch heavier als noch auf der „Load“, jedoch kann das nicht dabei helfen, den Vorgänger zu übertreffen, auch wenn „Re-Load“ mit 13 Songs und wieder einmal über satten 70 Minuten auffährt.

„Gimme fuel, gimme fire, gimme that which I desire!“, mit diesen Worten des Openers „Fuel“ beginnt das Album und gibt sogleich Vollgas. Hetfield spielt diesen Song immer noch mit Vorliebe live, kein Wunder, denn er ist stellenweise ultraheavy.

„The Memory Remains“ hat ein leicht doomiges Riff und trotz des Quäkgesangs einer Marianne Faithfulhat dieser Song besonders live einfach eine coole Wirkung.

Das folgende „Devil´s Dance“ greift das doomige Riffing nochmals auf, nur um einiges heavier, allerdings gehört dieser Song wie auch „Better Than You“, der ein wirklich klasse Solo besitzt, das ordentlich rockig klingt, zu den eher schwächeren Songs des Albums. Ähnlich ergeht es „Where The Wild Things Are“, das wohl seine Momente besitzt und auch eines der wenigen (drei glaube ich) Songs darstellt, an denen Newsted auch mal randurfte, aber einfach nicht mehr ist als ein solider Song, den man höchstens ein paar Mal hören muss.

„The Unforgiven II“, die Fortsetzung des Klassikers vom Black Album hat mich damals zum Fan gemacht. Klingt stellenweise melodisch nach Teil I, bleibt aber ein eigenständiger Song mit Gänsehautgesang von Hetfield, einem Killersolo von Hammett, das jedem Gitarristen ein Wechselbad der Gefühle geben sollte, einer grandiosen Hookline und ist eines der besten Songs dieses Albums. Punkt. Neben dieser Hammer-Halbballade gibt es auch noch „Low Man´s Lyric“, das unglaublich untypisch, ein wenig nach einer Jamsession klingt und mit einem Hurdy-Gurdy versehen ist. Was das genau ist, keine Ahnung. Wenn Ihr es hört, erkennt Ihr es. Trotz seiner untypischen Art hat auch dieser Song seinen Charme.

Die drei Songs „Slither“, „Carpe Diem Baby“ und „Bad Seed“ bietet einem die tolle Mischung aus Blues, Rock und Metal und ich kann sie nur jedem Einzelnen empfehlen. „Slither“ hat eine coole Gesangslinie und einen eher stampfenden Rhythmus, „Carpe Diem Baby“ einen unglaublich zum Bangen geeigneten Mittelpart, der von einem Hammersolo abgelöst wird, und das sehr heavy klingende „Bad Seed“ hat an genau der richtigen Stelle einen netten Doublebasspart bei dem Refrain. Ein wenig mehr aufs Gaspedal treten die beiden Songs „Prince Charming“ und „Attitude“, die vom Typ her ähnlich klingen und Rocksongs erster Güte darstellen, eben nur im Metallicastil. Dass die Songs erstklassige Soli beinhalten, erwähne ich nur so nebenbei.

Der letzte Song „Fixxxer“ ist mit seinen über 8 Minuten der längste Song des Albums, kann aber den letzten (ebenfalls längsten) Song „The Outlaw Torn“ der „Load“, was die Qualität betrifft, nicht erreichen. Auch wenn der Refrain wirklich schön klingt und der Song ähnlich wie „Outlaw Torn“ in einem wie in einer Jamsession entstandenem Solo mündet und auch die doomigen Riffs wieder auftauchen, erreicht er „Outlaw Torn“ nicht, bleibt aber dennoch ein guter Song.

Mein Fazit: Im Ganzen bietet „Re-Load“ wirklich klasse Songs, die nach einer härteren Variante der „Load“-Songs klingen, letztendlich im Gesamtbild aber nicht die Klasse des Vorgängers erreichen. Auch wenn dieses Album in meinem Herzen einen besonderen Stellenwert besitzt, bleibt „Load“ das bessere Album, wenn auch knapp. Denn Songs wie „Bleeding Me“ oder „Outlaw Torn“ finde ich auf diesem Album leider nicht. Auch das Cover ist nicht so toll wie das der „Load“, hier sind es nur Blut und Urin unter Plexiglas und kein Blut und Sperma unter Plexiglas. Naja. Aber ich muss Ben rechtgeben, das Booklet erspart einem die geschminkten Hammett und Ulrich und zeigt Fotos der „Cunning Stunts“ DVD.

Und wenn es nun Leute gibt, die sich beschweren, dass ich es wage, dieses Stück Dreck eines Albums so gut zu bewerten kann ich nur zwei Sachen sagen. Erstens: Klebt das Metallica-Logo weg, vergesst mal euren angegriffenen Stolz und hört mal hin. Hier bekommt man grandiosen Rock zu hören. Achja, und zweitens (falls ihr „Erstens“ ablehnt): Maul.

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