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Metallica & Lou Reed: Lulu

Der Flop des Jahres!
Wertung: 1/10
Genre: Pseudo-intellektueller Langweiler-Crossover
Spielzeit: 87:04
Release: 28.10.2011
Label: Mercury (Universal)

Man ist als Metallica-Fan ja so einiges gewohnt. „Load“ und „Reload“ waren wahrlich nicht das Gelbe vom Ei und „St. Anger“ wohl eines der umstrittensten Alben in der gesamten Metalhistorie. Bezüglich letzterem räumte die Band mittlerweile ein, dass jene Scheibe damals zwar nötig gewesen, aber im Nachhinein betrachtet tatsächlich nicht besonders gelungen sei. Einsicht als Weg zur Besserung? Nun, dies ließ „Death Magnetic“ vermuten, das mit einer ganzen Reihe guter Songs aufwarten konnte.

Doch Metallica wären nicht Metallica, wenn sie ihren Fans immer nur das geben würden, was sie hören wollen – denn dass „Death Magnetic“ ein Album für die Fans war und aus diesem Grund natürlich nicht „mutig“, wird wohl niemand bestreiten. Die dickschädelige Kompromisslosigkeit, mit der die Band zu Werke geht, hat zugegebenermaßen schon etwas Bewundernswertes, und das gilt auch für den neuesten Streich „Lulu“, einer Kollaboration mit dem berühmten Singer/Songwriter Lou Reed, welche einem gemeinsamen Auftritt anlässlich des Jubiläums der Rock’n’Roll Hall Of Fame im Jahre 2009 entsprang.

Das ist aber auch schon das einzig Positive, das man krampfhaft aus diesem Album, das textlich auf Frank Wedekinds Dramen „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“ basiert, herausziehen kann, denn ob kompromisslos oder nicht: „Lulu“ ist von vorne bis hinten einfach grottenschlecht, geradezu ein Ärgernis. Die schon zuvor erschienene Single „The View“ bekam bereits ordentlich ihr Fett weg und ließ Allerschlimmstes befürchten, und nach Anhören dieses knapp 90-minütigen Doppeldeckers bleibt festzuhalten, dass Reed und Metallica es tatsächlich geschafft haben, die größte pseudo-intellektuelle Grütze zu veröffentlichen, die Musiker dieses prominenten Kalibers seit Jahren auf den Markt geworfen haben. Wäre eine unbekannte Band mit solchem Rotz angekommen, hätte jede Plattenfirma sie ausgelacht.

Das Hauptproblem der Platte ist vor allem: Sie hat keine Songs! Lou Reed nölt sich saft- und kraftlos mit unerträglichem Sprechgesang durch die Tracks und hört sich dabei an wie ein alter Tattergreis auf Medikamentenentzug (ich hab mich noch nie mit seinem Schaffen befasst, aber klang der immer schon so? – Der kann ja überhaupt nicht singen, wie kann jemand so berühmt werden?!), während im Hintergrund irgendwelche Standardriffs gedudelt werden, die null Substanz und Wiedererkennungswert besitzen, sich völlig unbeholfen anhören und überhaupt nicht zu Reeds Stimme passen. Hinzu kommt sagenhaft innovationsfreies und untightes Drumming der Marke Lars Ulrich, der wirklich von Jahr zu Jahr immer schlechter wird; wenn er immer wieder tollpatschig aufs Crash-Becken einschlägt, stellt man sich einen Fünfjährigen vor, der gerade seine ersten Schlagzeugstunden hinter sich hat.

Allerdings sind die Arrangements so oder so völlig langweilig und auf dem Niveau einer Garagenband, hölzern und sensationell unspannend. Es geht mit „Brandenburg Gate“ bereits übel los, das immer und immer wieder skandierte „small town girl“ geht einem recht schnell ordentlich auf die Nüsse, doch es ist leider keine Besserung in Sicht. Die Penetranz, mit der Passagen in „Pumping Blood“, „Mistress Dread“ oder „Cheat On Me“ permanent wiederholt werden, ist geradezu anmaßend – das ist nicht etwa hypnotisch oder gar fesselnd, sondern einzig und allein nervtötend. Als einzigen Lichtblick könnte man noch „Iced Honey“ bezeichnen, da hier tatsächlich mal so etwas wie Songwriting aufblitzt. Megapeinlich wird es dafür bei „Frustration“, dem Opener der zweiten CD, wenn Ulrich linkisch und holprig alleine Schlagzeug spielt, während Lou Reed dabei grauenhaft schief „I want so much to hurt you/Marry me/I want you as my wife“ sprechsingt (die Texte sind, nebenbei bemerkt, ebenfalls unglaublich mies) – Fremdschämen vom Feinsten. Und wie man am Ende mit völlig uninspiriertem Schrammel-Riffing bei „Dragon“ und einer scheinbar ewig währenden, stinklangweiligen möchtegern-atmosphärischen Streicher-Sequenz in „Junior Dad“ jene Stücke künstlich auf 11 beziehungsweise 19 Minuten aufgeblasen hat, sucht seinesgleichen – man ist nur froh, wenn es dann endlich vorbei ist.

Echt Wahnsinn, was hier verbrochen wurde. „Load“ und „Reload“ sind Gott gegen diesen Müll und selbst „St. Anger“ hatte trotz beschissenen Sounds und unsauberer Performance zumindest noch ein paar gute Songs zu bieten (auch wenn es sich bei „Lulu“ natürlich nicht um ein reguläres Metallica-Album handelt - der Vergleich kommt nun einmal automatisch). In jedem Fall ist das hier gar nichts – höchstens eine Unverschämtheit, ein völlig gescheiterter Versuch, einen auf intellektuell zu machen und neue Wege zu gehen. Eher eine Vergewaltigung der Werke Frank Wedekinds, der garantiert im Grabe rotieren würde, müsste er sich dieses kreative Vakuum anhören. Auch das Artwork ist übrigens schlichtweg grauenhaft, wenngleich hier wenigstens die Intention, die Protagonistin Lulu nicht als Frau, sondern eher als Gegenstand (der sie für die Männerwelt in den Theaterstücken ja letztlich ist) darzustellen, verständlich ist. Dennoch: Hier sind nicht einmal zwei Punkte drin, so schlecht ist diese Platte geworden, und den einen Zähler gibt es auch nur für das halbwegs hörbare „Iced Honey“ und die oben genannte Kompromisslosigkeit. Durch Metallica bin ich zum Metal gekommen, umso trauriger, so etwas mit ansehen und -hören zu müssen. Und Lars Ulrich soll gefälligst üben gehen!

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