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Metallica: Kill 'Em All

Die Geburt einer Legende
Wertung: 8.5/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 51:15
Release: 07.01.1983
Label: Vertigo Records

Was passiert wohl, wenn der Sohn eines dänischen Tennisspielers eine Band gründen will und sich per Kleinanzeige einen Sänger holt, der anfangs sogar so schüchtern war, dass jemand anders seine Ansagen machen musste? Tja, in diesem speziellen Fall entsteht daraus eine der größten Metalbands, die es je gegeben hat. Und damit "Herzlich willkommen" zu der großen Metallica-Review "Offensive", während mein Cousin Ole und ich jedes einzelne Studioalbum der Band aus der Bay Area besprechen werden. Den Beginn macht (natürlich) das Debüt "Kill 'Em All" aus dem Jahre 1983.

Metallica profitierten vor ihrer ersten Full Length-CD vor allem von ihrer Bekanntschaft mit Brian Slagel, dem Chef von Metal Blade Records USA, der sie "entdeckte" (wie er es übrigens auch mit z.B. Slayer tat). Als sich ihre Wege trennten, machten Metallica mit der heute legendären "No Life 'Till Leather"-Demo auf sich aufmerksam und konnten mit Cliff Burton einen Bassisten gewinnen, der sich am College durch einen Musiktheorie-Kurs schon große Fähigkeiten angeeignet hatte. Allerdings sah man sich gezwungen, Dave Mustaine aufgrund seines hohen Alkoholkonsums durch Kirk Hammett zu ersetzen, was der Gitarrist (der später Megadeth gründete) Lars Ulrich und James Hetfield bis heute nicht verziehen hat. Angefacht wurde seine Wut auch dadurch, dass viele seiner Beiträge auf "Kill 'Em All" massive Verwendung fanden (auch wenn er in den Credits aufgeführt wurde).

"Kill 'Em All" machte Metallica mit einem Schlag bekannt. Die Band schaffte es, ihre Livequalitäten auf Vinyl zu pressen und brannte ein Feuerwerk an Ohrwümern ab, die heute jeder Headbanger im Schlaf mitpfeifen können sollte. "Headbangen sollte man zu diesen schnellen Stücken lieber lassen" schrieb Rock Hard damals, was im Zeitalter von infernalisch schnellem Black Metal Geprügel natürlich witzig wirkt, aber damals galten Metallica einfach als "schnellste Band der Welt". Die aus heutiger Sicht natürlich angestaubte Produktion wird durch den rohen, ungehobelten, jugendlichen Charme wettgemacht. Speziell James Hetfield hört man an, dass er noch um einiges jünger ist, wenn er Lyrics singt, die vom Feiern, von Nieten und Leder und vom Headbangen handeln. Ich muss aber zugeben, dass mir sämtliche Stücke dieser Platte in späteren Liveversionen noch besser gefallen.

"Hit The Lights" ist trotz seines Ohrwurm-Refrains und der tollen und vor allem schnellen instrumentalen Arbeit nichts weiter als eine Einstimmung und die Überleitung zu "The Four Horsemen", einem der wohl größten "Hits", die je aus dem Hause Metallica gekommen sind. Im wahrsten Sinne des Wortes "galoppierende" Riffs untermalen ein 7-minütiges Thrash Metal Inferno, das durch gelungen Tempiwechsel der wohl abwechslungsreichste Song der Platte ist.

"Motorbreath" offenbart danach die Punkeinflüsse der Band, bevor es mit dem guten, aber etwas unspektakulären "Jump In The Fire" weitergeht. Das in der Tat etwas zahnschmerzende (Bass)Solo "(Anesthesia)-Pulling teeth" ist dann ein Fall für die Skip-Taste. Versöhnt wird man aber gleich wieder mit "Whiplash", einem der weiteren großen Songs von "Kill 'Em All". Textlich geht es ziemlich genau darum, dass Metallica überall da spielen, wo es Strom und Bier gibt und dabei alles in Schutt und Asche legen. Musikalisch dürfte klar sein, was hier kommt, denn vom abwechslungsreichen Songwriting späterer Tage ist man hier noch weit entfernt, was aber keine Kritik sein soll. Ein idealer Livesong also!

Weitere Kracher sind natürlich "Seek & Destroy" und "Metal Militia". "Seek..." ist ja fast schon primitiv zu nennen, so simpel ist der Track textlich und instrumental aufgebaut. Aber das ist beim Thrash Metal ja auch nicht das schlimmste, was passieren kann. "Metal Militia" ist für mich der beste Song und es ist deswegen ziemlich schade, dass er kaum Berücksichtigung findet und klar im Schatten von "Whiplash", "The Four Horsemen" und "Seek & Destroy" steht. Aber das ist wohl nur Geschmackssache und es sollte wohl jeder für sich selbst entscheiden.

"Kill 'Em All" ist ein rohes, ungezügeltes Debüt und gab dem Thrash Metal wichtige Impulse. In jeder ernstzunehmenden Sammlung sollte es enthalten sein und sei es nur um Leute zu schocken, die von Metallica nur Songs wie "Enter Sandman" oder "St.Anger" kennen.

Der Weg an die Spitze war frei und Metallica hätten auf Nummer sicher gehen und diesen Stil weiterverfolgen können. Stattdessen veränderten sie ihren Sound spürbar weiter und reiften zu einer technisch anspruchsvollen Band heran. Aber dazu mehr in Oles Review zu "Ride The Lightning"...

Für "Kill 'em all" gilt schlicht und ergreifend: Bang the head that doesn't bang! "

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