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Metallica: Death Magnetic

Was war nochmal "St.Anger"?!
Wertung: 9/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 74:46
Release: 12.09.2008
Label: Vertigo Records

Am 12.09. 2008 erschien das wohl am heißesten erwartete Album des Jahres (auch wenn AC/DC Fans da wohl widersprechen werden)! „Death Magnetic“ ist das neunte Studioalbum der größten Heavy Metal Band der Welt, die sich schon seit fast 20 Jahren bei jedem neuen Release Kritik gegenübersieht. Ganz besonders angegriffen wurde das im Jahr 2003 erschienene „St.Anger“, welches viele Fans endgültig daran zweifeln ließ, dass es Metallica jemals wieder schaffen würden, einen starken Longplayer aufzunehmen.

Doch im Vorfeld des neuen Albums wurde immer wieder gerüchtet, dass sie eben dieses doch hinbekommen haben. Angeheizt von den starken Liveshows, dem talentierten neuen Basser Rob Trujillo und nicht zuletzt dem neuen Produzenten stiegen die Erwartungen wieder einmal nach ganz oben.

Denn gerade der Produzentenwechsel von Bob Rock zu Rick Rubin (produzierte neben System Of A Down, Slipknot, Johnny Cash auch den Slayer-Meilenstein „Reign In Blood“) sorgte im Vorfeld für viel Wirbel, lange bevor es die ersten Schnipsel von „Death Magnetic“ zu hören gab. Zu was sind Metallica also im Jahre 2008 in der Lage?

Düster und verhalten beginnt „That Was Just Your Life“, um nach knapp 90 Sekunden alle Fans zu erlösen – sie können es noch. Thrash Metal Riffs und ein Hetfield, der aggressiv in sein Mikro shoutet, was zu seinen Texten perfekt passt. In gewisser Weise kopieren sie sich schon selbst, die Herren aus der Bay Area, tun dies aber mit einer solchen Begeisterung, dass man sich an seelige „...And Justice For All“ Zeiten erinnert fühlt. Dazu passt es auch, dass endlich mal wieder Kirk Hammett zeigen kann, was für fantastische Soli er zu spielen im Stande ist. Das ist ein Einstand nach Maß.

„The End Of The Line“ ist grooviger und zeigt, dass auch die „Load“/ „Re-Load“ Phase nicht völlig aus dem Gedächtnis der Musiker gestrichen ist. Und das ist auch gut so, denn hier steckt einfach mehr Feuer als damals drin. Alles in allem wirkt das Lied mit seinem mehr als sieben Minuten ein wenig gestreckt, sollte aber jedem, der den oben genannten Alben offen gegenübersteht, gut gefallen.

„Broken, Beat & Scarred“ ist auch mehr in der groovigen Ecke anzusiedeln und einer der Schwachpunkte des Albums. Was aber nicht viel heißen will, denn ein gewisses Niveau wird auch hier gehalten und was Hetfield und Hammett auf ihren Gitarren abziehen, ist einfach eine wahre Freude. Ganz im Gegensatz zu ihrem Kollegen Ulrich, der auf „Death Magnetic“ nur solide Arbeit verrichtet. Ein wenig mehr Variation in seinem Spiel würde vielen Songs gut tun.

Ganz besonders merkt man dies bei der ersten Single „The Day That Never Comes“, speziell zum Ende hin. Ulrich bleibt hier fast schon stur im selben Takt, während wieder absolutes Gottriffing an der Gitarrenfront angesagt ist. Aber alles der Reihe nach, denn auch der ruhige Beginn ist beachtenswert. So ungefähr würde „Fade To Black“ auf „Load“ klingen und was danach kommt, wisst ihr ohnehin alle. Aus persönlicher Erfahrung kann ich nur sagen, dass ich zum Ende hin beim ersten Hören eine meterdicke Gänsehaut bekommen habe, weil ich nicht damit gerechnet hatte, Metallicas Gitarrenduo noch einmal in so einer Form hören zu dürfen. Schade nur, dass Lars Ulrich kein Dave Lombardo ist, aber das sind Kleinigkeiten.

Denn jetzt werden die richtig schweren Geschütze ausgepackt: „All Nightmare Long“ ist düster, schnell, gebremst, eingängig, hart und ganz einfach wahnsinnig geil, um mal salopp zu werden. Ich weiß nicht, ob es die Band selbst oder auch Rick Rubin war, der Metallica diesen Arschtritt gegeben hat, aber VIELEN DANK dafür. Die Nummer ist aber keine bloße Selbstkopie, sondern erinnert teilweise auch an das starke letzte Machine Head Album „The Blackening“. Und wenn Kirk Hammett jemals wieder auf einem Album keine Solos spielen darf, fliege ich persönlich nach Kalifornien und geige Ulrich und Hetfield die Meinung. Man spürt beim Hören, wie sehr der Leadgitarrist es genießt, sich auf diesem Album richtig auszutoben.

„Cyanide“ ist ein weiterer Song, der vorab bekannt gewesen sein dürfte, spielten Metallica ihn doch schon live auf dem diesjährigen Ozzfest. Um es kurz zu machen: In der Studioversion wirkt „Cyanide“ um einiges druckvoller und entpuppt sich als wahrer sogenannter „Grower“. Mittlerweile ist das Midtempostück eines meiner Lieblingslieder auf „Death Magnetic“.

Als die Tracklist bekannt wurde, spekulierten viele über „The Unforgiven III“. Die beiden Vorgänger sind fantastische Rockballaden gewesen, gegen die der dritte Teil leider ein wenig abfällt. Nach einem vielversprechenden, opulenten Beginn baut der Song zunächst keine klare Linie auf. Erst die letzten drei Minuten durchleben eine dramatische Steigerung, die den Song aus dem Mittelmaß retten. Dennoch: Balladen haben Metallica schon bessere geschrieben.

Vertrackt und hart knallt danach „The Judas Kiss“ aus den Boxen, leidet aber auch hier wieder am abwechslungsarmen Drumming. Dafür geht der Refrain direkt ins Ohr und der Nacken hält nur mit hoher Willenskraft still. Aber wer will das schon? Starkes Lied, das rockig- eingängig genug ist, um die zweite Single zu werden.

Wie sehr sich Metallica an ihrer Vergangenheit orientieren, macht „Suicide& Redemption“ deutlich. Erstmals seit 1988 (!) steht nämlich wieder ein reines Instrumental auf einem Studioalbum. Die Güteklasse von „To Live Is To Die“, „The Call Of Ktullu“ oder gar „Orion“ wird dabei aber (selbstverständlich möchte man sagen) nicht erreicht. Im Jahre 2008 werden zu wenig gute Riffs verwendet, die auch noch zu oft wiederholt werden. Sehr stark ist aber der ruhige Mittelteil, der bestimmt auch einen guten „echten“ Song abgegeben hätte.

Den Abschluss bildet das ebenfalls vorab veröffentlichte „My Apocalypse“, was ein Thrash Kracher erster Güte ist. Viele halten diesen Song für konstruiert, was ich nicht nachvollziehen kann. Hier gibt es einfach wunderbar oldschool-mäßig einen auf die Glocke, was Lust auf die anstehenden Konzerte macht. Und um mal wirklich blasphemisch zu werden: Ich fühle mich bei diesem Lied ein wenig an „Kill'em All“ erinnert.

Fazit: Ich habe es immer wieder gehofft und es ist eingetreten. Sie haben ein starkes neues Album eingespielt. Natürlich wird darüber diskutiert werden, schon alleine, weil „Death Magnetic“ ein Metallica-Album ist. Aus der Sicht eines Fans kann ich nur sagen, dass ich rundum zufrieden mit Album Nummer 9 bin. Und aus der Sicht eines Rezensenten attestiere ich der Band eine starke Leistung und gebe ihr die verdiente hohe Wertung für ein Album, was perfekt zwischen „...And Justice For All“ und „Metallica“ gepasst hätte.

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