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Metallica: And Justice For All

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Wertung: 9.5/10
Genre: Trash Metal
Spielzeit: 65:30
Release: 06.09.1988
Label: Vertigo Records

Ohja, 1988 war wohl ein Jahr, in dem verdammt viele Metallica-Fans sehnlichst auf neuen Stoff ihrer Thrash-Götter warteten. Mit „Master Of Puppets“ lieferten sie wirklich ein Meisterwerk ab und mit dem Tod eines Cliff Burton, der für die Melodien der vorigen Werke verantwortlich war, ging ein wichtiger Songwriter verloren.

„...And Justice For All“ hieß das neue Werk, bei dem Metallica anfingen, sich zu „verkaufen“ wie man immer wieder welche rumweinen hört. Ich glaube, wäre Burton nicht gestorben, hätte keine so einen Aufstand gemacht, aber wäre Burton nicht gestorben, wäre „...And Justice For All“ wahrscheinlich zumindest in einem Bereich anders ausgefallen. Und das ist definitiv der Bass, das größte Manko der Platte.

Denn er ist einfach nicht zu hören. Die Platte hat zwar einen sehr kraftvollen, Bass-lastigen Sound, aber der kommt durch die stellenweise 4 übereinanderliegenden Gitarrenspuren, die Hetfield eingespielt hat. Man hört keine wirkliche Basslinie heraus, und das ist wirklich schade, denn die Songs sind beinahe durchgehend verdammt klasse. Hiermit endet auch meine Kritik am Album, aber damals gab es natürlich noch mehr, über dass sich die Fans störten. Das wäre neben dem Bass der Drumsound (Deja vú?), denn er klang damals vielen zu überproduziert , ich finde er klingt einfach nur genial, allein die Bassdrums klingen wie der 7te Himmel. Aber man merkt, das zwei Egos namens Hetfield/Ulrich sich auf dieser Platte hören wollten, viele fette Gitarren und laute Drums dominieren auf dieser Platte. Und das schlimmste zum Schluss: Metallica wagten es, ein Video zu drehen ! Verrat höchster Stufe... Bla...bla...bla.

Insgesamt klingen Metallica auf “…And Justice For All“ deutlich komplexer als auf den Vorgängern, fast nur Songs in Überlänge (Kürzester: 5.12 min, Längster: 9.48 min), viele Tempiwechsel, fette Riffs und wohl die bestklingendsten Gitarrenmelodien in der Geschichte von Metallica. Durch die vielen Gitarrenspuren hat der Sound einen so geilen Sound, dass man diese Platte aus hundert Metern Entfernung heraushören kann. Ich hasse diese Metaphern, aber der Melodie/Solo-Sound klingen so, als würde man schweben, sie haben so eine bezaubernde Wirkung und machen mich als Gitarristen einfach nur glücklich. Zudem klingt Hetfield hier wirklich klasse, die perfekte Mischung aus „Master Of Puppets“ und dem „Black Album“, also räudig jung mit dem späteren Hetfield „Yeah“.

Den Anfang macht „Blackened“, bei dem sogar Newsted mitgeschrieben hat. Eine überlappende Gitarrenmelodie säuselt heran, wie in einer Traumsequenz, dann zerschneiden Gitarre und Drums die Illusion und brettern in bester Thrash-Manier alles weg. Eine Granate wie sie im Buche steht. Ich werde nicht auf große Einzelheiten eingehen, denn die Songs sind dafür recht komplex und meine Fresse, es ist Metallica! Der Titeltrack ist lang, sehr melodiös zu Beginn, gefolgt von einem kultigen Drumpart, die Soloeinlagen sind vom Klang einfach göttlich und auch sonst haut der Song einiges Weg, ist auch recht progressiv angehaucht und wie gegen Ende das Anfangsriff aufgegriffen wird, ist durchweg klasse. „Eye Of The Beholder“ groovt wie Sau und ist der langsamste Song der Platte, „One“ ist ein Klassiker und lasse ich unkommentiert. Obwohl, meint ihr die Bridge klänge nur halb so cool, ohne diesen Drumsound? Niemals. „Shortest Straw“ ist ebenfalls einsame Spitze und ging wie „Trapped Under Ice“ von der Lightning irgendwie unter. Allein der Anfang ist unglaublich heavy. Nicht weniger heavy ist „Harvester Of Sorrow“, das zusätzlich durch recht melancholisch klingende Melodien ergänzt wird und ebenfalls nur geile Gitarrenfills und Soli hat. Das folgende „The Frayed Ends Of Sanity“ ist einer meiner Lieblingssongs und auch irgendwie untergegangen im Laufe der Zeit. Ist ebenfalls heavy und besitzt ein druckvolles Riff , besonders das Verseriff klingt super. Der Refrain ist perfekt zum mitsingen und die Gitarrenfills klingen auch hier einfach nur geil, und die Bridge mit dem Solo setzt dem ganzen dann noch die Krone auf, denn hier wird wieder recht ordentlich gethrasht. „To Live Is To Die“ beinhaltet ein Zitat Burton´s, um das ein fast 10-Minütiges Instrumental gespannt ist, das Melancholie und Power perfekt vereint. Akustik-Gitarren zu Beginn und auch dann wieder zum Ende hin, abgelöst durch Powerriffs sondergleichen und unglaublich schnellen Soli. Hammett ist einfach ein unglaublich talentierter Gitarrist. Der Mittelpart ist das melancholischste, dass Metallica in ihrer Karriere zustande gebracht haben. Der Song bricht ab, und es ertönt wie durch ein altes Radio die Hauptmelodie, auf der gekonnt immer weiter aufgebaut wird. Ich bekomme bei diesem Song immer noch eine Gänsehaut. Allein dieser Part schlägt für mich alle bisherigen Instrumentals der Band.

Der letzte Song „Dyers Eve“ gibt einem dann noch die volle Thrash-Breitseite. Kein Song wurde über die Jahre so gefordert, live gespielt zu werden wie dieser. Vor ca. zwei Jahren taten uns Metallica diesen Gefallen. Diesen Song möchte man einfach nur mitschreien und Hetfield beim Anklagen seiner Eltern unterstützen, der perfekte Endsong.

Mit „...And Justice For All“ begann die Phase, das Metallica es ihren alten Fans nicht mehr rechtmachen konnte. Zu viele Veränderung erzeugte zu viel rumheulen. Ich finde diese Platte durchweg geil, warum „Master Of Puppets“ dennoch die Höchstnote absahnt und diese nicht, liegt am fehlendem Bass, der die Songs (besonders One) noch besser hätte klingen lassen und die Tatsache, dass „Master Of Puppets“ einfach in sich geschlossen runder klingt. Trotzdem höre „...And Justice For All“ öfter, denn ich liebe den Gitarren – und Drumsound dieser Platte. Metallica paaren ihren vorigen Thrash mit ihrer späteren Heavyness und erzeugen ein wunderbares Resultat, dass den Heavy-Sound der folgenden Platte, dem „Black Album“ den Weg bereitete, und dort kam dann auch endlich der Bass zum Tragen.

Das da das Geheul alter Fans noch größer wurde, kann Ben euch genauer beschreiben...

Achja...kauft euch „...And Justice For All“, wenn ihr es nicht besitzt!

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