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Metalety: Radio Apocalypse

Nur ganz knapp an der Höchstwertung vorbei
Wertung: 9/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 46:41
Release: 24.08.2012
Label: Guerilla Records/DA Music

Mit dem Debüt der Ruhrpott-Thrasher Metalety sind wir noch alle bereitwillig in die Hölle gewandert und kaum sind wir dort angekommen, da erwartet uns auch schon der Nachschlag in Form von „Radio Apocalpyse“. Knapp zweieinhalb Jahre hat sich das Quartett Zeit gelassen und auch genommen, um einen würdigen Nachfolger einzuspielen – was nützen denn auch halbgare Alben, wenn sie zu schnell und ohne Anspielung auf Weiterentwicklung auf die Fanbase losgelassen werden.

Dümpelte das mit einigen Ohrwürmern angefütterte Debüt „March To Hell“ hier noch auf The-Pit.de im Mittelfeld herum (leider; Anm. d.R.), so kann man schon nach wenigen Durchläufen feststellen, dass sie heuer deutlich besser wegkommen. Das liegt vor allem an einem wesentlichen Punkt, auch wenn sie schon in der Vergangenheit ganz genau wussten, was sie wollten: Sie sind variabler und mutiger geworden, experimentieren nicht des Experiments wegen, sondern achten pingelig genau auf die Songdienlichkeit. Bestes Beispiel ist hier der Anspieltipp „Deaf, Dumb'N’Blind“, wo sie ein paar Kinder vor das Mikrofon gezerrt haben – unvorstellbar, wie viele Takes wohl herhalten mussten, um den Wuselhaufen nicht nur bei Laune zu halten, sondern auch die Aussprache in der Gruppe gut abgestimmt hinzubekommen – pfiffige Idee für einen wechselhaften Stampfer und klassischen Headbanger und einer fantastischen Leadgitarrenarbeit.

Hatten sie auf ihrem Debüt noch ganz leichte Paradise Lost-Anleihen in ihren Songs verbaut, so schrauben sie diesen Einfluss noch mehr zurück, allenfalls marginal sind noch Reste davon z.B. im Opener „Purging Flames“ zu entdecken, wenn die Leadgitarre im Hintergrund eine eher melancholische Stimmung erzeugt. Überhaupt ist der Opener ebenfalls ein Paradebeispiel für das gestiegene Selbstbewusstsein im Metalety-Lager, denn allein schon Frontmann Benny weiß viel mehr mit seiner Stimme anzufangen: Mal etwas kehlig im Abgang, mal deutlich aggressiver oder auch melancholisch bis hin zu zarten Growls.

Nächster Anspieltipp: „Evolution“, ein treibender Headbanger mit dynamischen, absolut passenden Tempowechseln und einer nicht unerheblichen Aufwertung durch Gastsänger Björn Goosses. Szenekundige hätten die stimmliche Variante hier sofort erkannt, denn der The Very End, Night in Gales und The Rules-Frontmann verfügt über ein unverkennbares Organ und ergänzt sich mit Benny hier nahe der Perfektion. Prügelnde Drums, akustische Einsprengsel und die variable Klampfenarbeit machen „Evolution“ zum absoluten Albumhöhepunkt.

In „Overload“ arbeiten sie ebenfalls mit einem Gast, nur greifen sie hier auf die Saitenfähigkeiten von Gitarrist Frank „Blackfire“ Gosdzik (ex-Sodom, ex-Kreator, Wortmord) zurück, der kurzerhand ein Solo beigesteuert hat. Ist das eher noch unspektakulär und glänzt lieber mit einer emotionalen Note, so bekommt der Weg dahin eine viel interessantere Wendung. Nicht nur, dass Benny überhaupt durch Frank Blackfire zum Gitarrenspielen kam, lädt der kleine Videoclip über die Entstehung des Solos famos zum Schmunzeln ein. Besonders lobenswert ist auch der Mut, mal kurz im Westernstyle „Hang 'Em High“ einzuleiten, bevor sich dann doch der variable Thrash in den Vordergrund schiebt.

Ausgewogener, dynamischer, immer wieder mit zahlreichen Überraschungen und Tempowechseln, so präsentieren sich Metalety auf dem neuen Album „Radio Apocalypse“, wobei es völlig egal ist, ob man sich nun einen Midtempostampfer wie „Unbreakable“ oder das aggressivere, mit Powerdrumming eingeleitete und später mit reichlich melancholischen Untertönen unterfütterte „Picture Of Misery“ anhört, lieber die Gastbeiträge favorisiert oder mehr das mit Kinderstimmen belebte „Deaf, Dumb'N’Blind“ auf dem Bildschirm hat, Radio Apocalypse gehört zu den vielschichtigen Thrash-Alben, bei denen die „Experimente“ songdienlich verbaut sind und zu keiner Zeit deplatziert wirken. Da stellt sich jetzt die Frage, warum hier keine volle Punktlandung zustande kommt? Wie soll denn die Note bei einer derartigen Weiterentwicklung aussehen? Bitte schön, kaufen, Metalety unterstützen und Nacken haben.

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