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MesmerizeD: Face Of The World

Ordentliches proglastiges Debüt
Wertung: 7,5/10
Genre: Progressive Metal/ Power (Thrash) Metal
Spielzeit: 62:01
Release: 10.09.2016
Label: Eigenproduktion

Neun Jahre haben sich die aus Kassel kommenden MesmerizeD Zeit gelassen, um nach der letzten Demo „Stranger“ von 2007 mit ihren Debütalbum aufzuwarten. Dass heutzutage „in Eigenregie“ schon lange keinen Makel als Demoproduktion mehr in sich tragen muss, das dürfte sich mittlerweile auch weitestgehend herumgesprochen haben, und auch dieses Quintett hat sich den Spaß einiges kosten lassen und sich die Dienste von Arne Lakenmacher in seinen Gain Recording Studios gesichert, der das Mischen und Mastern übernahm und am Ende der Truppe auch einen modern-druckvollen Sound verpasste.

Wichtig ist aber immer noch die Musik, und auch die lässt sich trotz der manchmal leicht sperrigen, weil doch proggigen Art ganz gut an, auch wenn fast alle Nummern die Fünf-Minuten-Marke deutlich überschreiten. Dabei ragt dann spielzeittechnisch der Rausschmeißer „The Voice Inside“ mit seinen gut elf Minuten auch noch heraus, wobei man erst einmal den gewöhnungsbedürftigen Anfang überstehen muss, der eher auf Flower Power denn auf kraftvolle Stahlhymne setzen will, bis sich dann doch harte Riffwände auftun und einen abwechlungsreichen Brocken freilegen, der die Trademarks der Band ganz gut transportiert und wo Frontmann Armin mit exzellenter Gesangsarbeit, gerade wenn er auch mal aggressiver shoutet, sehr gut glänzen kann – mehrmaliges Hören ist da angesagt, der Song will erarbeitet werden und gehört ganz sicher nicht zu den Easy-Listening-Erfahrungen.

Letzteres kann man dann auch locker auf das ganze Album übertragen, auch wenn MesmerizeD ihren progressiven Anteil nicht übertreiben und so manches Mal auch mit fetten Riffwänden auf Groovekurs einschwenken. Ein Paradebeispiel dafür ist beispielsweise der Titeltrack „Face Of The World“, der mit einer starken Nevermore-Färbung sich schnell in den Vordergrund schiebt, zahlreiche Tempiwechsel beheimatet, ohne aber zu vertrackt zu wirken. Gerade der sehr intensive Refrain punktet mit internationaler Reife, eine kraftvolle Soundwand mit genau der richtige Dosis Prog, damit die Kasseler nicht als zu verkopft abgestempelt werden. Richtig Spaß macht auch das wohl als härteste Nummer durchgehende „Execution Day“, wo sich die Akustikklampfensequenzen als angenehme Abwechslung aufdrängen, bevor einmal mehr eine wahre Soundwand den Hörer förmlich überfährt und Armin spielend locker von hoch angelegten Gesangspassagen über Warrel Dane inspirierten Momenten bis hin zu fast schon derberen Shouts pendelt.

Doch leider zünden nicht alle Ideen in letzte Konsequenz. Bei „Memories“ kommt leider immer wieder das kaum zu benennende Gefühl auf, dass hier mehr drin gewesen wäre, trotz Doublebass gestählter Antreiberei und dem schon bandeigenen typischen progressiven Ansatz, aber auch bei „Haze Of You“ denkt man unweigerlich, dass die Truppe auf einem verdammt guten Weg ist, dann aber bei den Chören ein bisschen dünnhäutig zu wenig Pfeffer und hymnischen Druck einflechtet, sodass die leicht orientalisch gefärbte Leadgitarre da nicht mehr gegen anstinken kann. Erwähnenswert ist dagegen die Adele-Coverversion vom Bond-Smasher „Skyfall“, denn bisher haben sich nicht viele Metalbands daran gewagt, da können A Perfect Day oder auch Onyria wie hier noch lange nicht mithalten, auch wenn MesmerizeD durchaus noch ein bisschen mutiger dem Song hätten umkrempeln und ihren eigenen Stempel aufdrücken können.

Wuchtige Riffattacken der Marke Nevermore meets Vicious Rumors, vielleicht dazu sogar eine mehr als deutliche Prise Psychotic Waltz und gut abgeschmeckt mit einem Schuss Iced Earth, in dieser Melange dürften sich die Kasseler MesmerizeD ganz wohl fühlen. Erstaunlich, was die Jungs auf ihrem Debüt schon so abziehen, doch da ist mehr drin, das geht noch feinsinnig intensiver, was sie sicherlich auf dem nächsten Album allen zeigen werden.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“