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Meshuggah: The Violent Sleep Of Reason

Mindfuck par excellence
Wertung: 8/10
Genre: Extreme Metal / Progressive Metal
Spielzeit: 58:56
Release: 07.10.2016
Label: Nuclear Blast

Mit ihrem letzten Studioalbum „Koloss“ gingen Meshuggah in eine Richtung, die man (jedenfalls für ihre Verhältnisse) schon beinahe als eingängig bezeichnen durfte. Für die Old-Schooler geradezu straight forward, dürfte jene Fraktion, die die Schweden bisher als zwar spielerisch starke, doch in puncto Songwriting überschätzte „Krach-Combo“ eingestuft hat, bei der 2012er Scheibe überrascht die Augenbrauen gehoben haben.

Über vier Jahre hat es gedauert, bis die Polyrhythmik-Professoren nun also endlich mit ihrer nächsten regulären Platte aufwarten, nachdem man zwischendurch in Form von „The Ophidian Trek“ (2014) außerdem ein Doppel-Livealbum veröffentlichte. Und Meshuggah wären nicht Meshuggah, wenn sie das tun würden, was die Leute erwarten. Natürlich könnte, vielleicht sogar müsste man annehmen, dass sie den auf „Koloss“ eingeschlagenen Weg fortführen und daran feilen, die neu gewonnene Eingängigkeit mit ihrem typisch komplexen Sound noch akkurater verschmelzen zu lassen – doch weit gefehlt. Stattdessen haut die bekloppte Bande ein Album heraus, das wieder vermehrt an äußerst schwere Kost à la „Catch 33“ erinnert.

Auch in produktionstechnischer Hinsicht hat man auf dem mittlerweile achten Studioalbum einen anderen Weg als zuletzt eingeschlagen. Die Band selbst räumt ein, die letzten Platten hätten „zu perfekt“ geklungen und seien teilweise zu steril gewesen – daher hat man diesmal alle Tracks gemeinsam quasi live im Studio eingespielt, was den Gesamtsound organischer und lebendiger erscheinen lässt. Dass das Material auf „The Violent Sleep Of Reason“ dennoch ziemlich präzise auf den Punkt klingt, versteht sich wohl von selbst und die Tatsache allein, dass die Truppe ihre unglaublich komplexen Songs gemeinsam als Band aufgenommen hat, dürfte die Konkurrenz neidvoll zur Kenntnis nehmen.

Vier Jahre sind allerdings auch eine lange Zeit; genügend, um die Stücke wachsen zu lassen und ausgiebig zu proben. Das Endresultat braucht wie angedeutet eine ganze Weile, um zu sacken und vor allem um sich zu entfalten. Trotz des erdigeren Sounds knallt die Angelegenheit wie Sau und natürlich werden von Anfang an gleichsam ordentliche Tritte in den Allerwertesten, in Kronjuwelen, Magengrube und Kauleiste verteilt. Die Schweden selbst gestehen auch frank und frei, dass es bei ihnen nicht um Dynamik geht, vielmehr orientiert man sich an dem Motto „volle Pulle oder gar nichts“.

Das führt konkret auf „The Violent Sleep Of Reason“ dazu, dass es erst am Ende des siebten Tracks „Stifled“ eine kleine Verschnaufpause in Gestalt von sphärisch schwebenden, flirrenden Gitarren, die beinahe Pink Floyd-artig anmuten, gibt. Davor und danach regieren pure Aggression und kompromisslose Brachialität – ein Titel wie „Our Rage Won’t Die“ passt da wie die Faust aufs Auge.

Selbstverständlich setzen Meshuggah ihr völlig eigenständiges Klangbild innerhalb ihres Kosmos auf unterschiedlichste Weise ein: Mal flotter nach vorne preschend wie im brillanten Opener „Clockworks“ (für meine Begriffe auch der beste Song des Albums, denn hier sind alle Stärken der Formation bestens vereint), dem folgenden, mit coolem Abwärtsriffing ausgestatteten „Born In Dissonance“, dem aus rhythmischer Sicht völlig wahnwitzigen Titeltrack oder dem sich stetig steigernden „Nostrum“, mal langsam, fies und sludgy wie bei dem mit rasiermesserscharf schneidenden Gitarren ausgestatteten „By The Ton“, dem alles zermalmenden „MonstroCity“ oder dem mit ultraverzerrten Klampfen beginnenden „Into Decay“ (wieder ein sehr zur Musik passender Titel), welches ein wirklich bösartiges Finish darstellt.

Ohne Frage haben die Jungs um Fredrik Thordendal und Jens Kidman hier wieder mal einen richtig harten Brocken, um nicht zu sagen: einen Mindfuck geschaffen, der jede Menge Rotationen benötigt, um in seiner ganzen fiesen Pracht erfasst zu werden. Aber das ist für den eingefleischten Meshuggah-Fan ja auch genau das, was er will. Gerade erst letztens, als ich mit einem glühenden Anhänger der Schweden sprach, meinte er: „Meshuggah müssen unangenehm und unbequem sein“ – dem ist nicht viel hinzuzufügen. Zu entdecken gibt es, allein was die unfassbare Gitarren- und Schlagzeugarbeit angeht, auf jeden Fall wieder einiges.

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