Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Meshuggah: Koloss

Straighter denn je
Wertung: 8/10
Genre: Extreme Metal, Progressive Metal
Spielzeit: 54:32
Release: 23.03.2012
Label: Nuclear Blast

Es gibt wohl keine Band auf dieser Welt, deren Namen in Bezug auf die Musik, die sie spielt, passender gewählt wäre als bei Meshuggah. Ja, diese bereits in den späten Achtzigern gegründete Schwedencombo hat schon in gewisser Weise ein Rad ab. Dass die Jungs technisch tierisch was auf der Pfanne haben, werden wohl auch Gegner anerkennen müssen, allerdings hagelte es bislang meistens eh nur Lob für das Polyrhythmik-freudige Quintett. Auch Leute, die mit Prog und Frickelei eigentlich nicht viel am Hut haben, bescheinigten der Band eine Ausnahmestellung, und Prog-Größen wie Steven Wilson sind ohnehin völlig begeistert von dem Schaffen des Fünfers.

Nichtsdestotrotz ist die Mucke von Meshuggah natürlich alles andere als leichte Kost; wer sich mal einen Brocken wie „Catch 33“ zu Gemüte geführt hat, wird dies sofort unterschreiben. Es sei hinzugefügt, dass sich auch der Verfasser keineswegs immer leicht mit dem komplexen, mitunter anstrengenden Material tut. Wie auch immer: Der unmittelbare Nachfolger letztgenannten Werkes und Vorgänger der hier zu besprechenden Scheibe, „ObZen“, ist da sogar noch vergleichsweise einfacher zugänglich. Den Pfad in Richtung etwas zugänglicheren Songwritings beschreiten Fredrik Thordendal und Co. auch auf ihrem neuesten Werk „Koloss“ weiterhin und sogar noch um einiges deutlicher als zuvor.

Dennoch reichen die ersten paar Töne des Openers „I Am Colossus“ bereits aus, um sofort Meshuggah zu identifizieren: Jens Kidmans Gebrüll ist ziemlich unverkennbar und die typische Rhythmik ebenso: Viele Synkopen, anspruchsvolle Drum-Figuren, atonales Riffing, hinzu kommt die ebenso Band-typische kalte Industrial-Atmosphäre – das ist schon Meshuggah in Reinkultur. Kommt der Eröffnungstrack allerdings eher schleppend und wuchtig daher – passt ja auch irgendwie zum Titel – folgt mit „The Demon’s Name Is Surveillance“ eine Doublebass-Granate vor dem Herren. Meine Fresse, was für ein Brett! Während wirklich buchstäblich ohne eine einzige Pause Doublebass durchgeknüppelt wird, liegt darüber ein fast hysterisch anmutendes, peitschendes Gitarrenriff, das recht hohen Wiedererkennungswert besitzt. Der Track mutet wie ein Schnellzug an, der ein immer wieder mit voller Kraft rammt – obergeil!

In ähnlicher Manier geht es weiter: „Do Not Look Down“ beinhaltet ebenfalls ein zwar vertracktes Mainriff, selbiges aber hat eben auch Hookline-Charakter und setzt sich schnell in der Hirnrinde fest – man singt es gerne mit und ist auch schnell mit dem Bangen dabei. Erfreulich, wie die Herren es auf ihrer neuen Platte offensichtlich viel besser als zuletzt gebacken bekommen, Komplexität, etwas eingängigeres, aber immer noch spannendes Songwriting und vor allem Abwechslung zusammenzubringen. Gerade die Abwechslung fehlte mir persönlich zuletzt, die letzten Outputs klangen – Progressivität hin und oder – einfach zu monoton, so gut produziert und so schön sie auch direkt in die Kauleiste gingen.

So ist beispielsweise „Behind The Sun“ ein sechsminütiger Brocken mit beklemmenden, futuristischen Sounds als Hintergrunduntermalung geworden, der größtenteils im Midtempo angesiedelt ist (ab der Mitte aber an Fahrt aufnimmt), ebenso ist mit „Break Those Bones Whose Sinews Gave It Motion“ eine Dampfwalze par excellence gelungen, die wiederum durch ein sehr simples, catchy Mainriff besticht. Dagegen ist „The Hurt That Finds You First“ durch den hektischen Drumbeat bis auf das ruhigere Finale beinahe durchgängig auf einem äußerst hohen Aggressionslevel angesiedelt, ähnlich wie „Marrow“. Mit „The Last Vigil“ haben die Schweden dann noch ein sehr sphärisch-spaciges Instrumental ans Ende gepackt, das sich wunderbar an das sehr verstörende und hypnotische „Demiurge“ anfügt und den passenden Absacker markiert.

Mit „Koloss“ haben Meshuggah die perfekte Balance zwischen walzendem Mid- und brutalem Uptempo gefunden und überdies noch einige Stücke geschrieben, die sich schneller als sonst ins Gedächtnis einbrennen und wesentlich schneller auf den Punkt kommen. Sogar ein paar durchaus melodische Gitarrensoli sind zu hören. Für Neueinsteiger und Leute, die der Gruppe bislang immer eher ratlos gegenüber standen, aber trotzdem immer anerkannt haben, dass diese verrückten Typen schon ganz schön was können, vermutlich sogar der perfekte Einstieg in den Bandkosmos. Alte Fans vermissen möglicherweise ein bisschen das Durchgeknallte, Abgefahrene, Progressive, aber dass der Band diese Attribute völlig abhanden gekommen wären, kann man ihr auch nicht vorwerfen – und die Energie, die diese Truppe transportiert und auslebt, war, ist und bleibt faszinierend und bemerkenswert.

comments powered by Disqus

Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann