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Merry: Under-World

Chaos mit System
Wertung: 8/10
Genre: Crossover
Spielzeit: 65:50
Release: 09.04.2009
Label: Gan Shin-Records

Als Anhänger der japanischen Musikszene ist man ja einiges gewohnt, doch bei Merry kommt man nicht umhin, überrascht aufzublicken, wenn man zum ersten Mal deren Musik hört. Zwar ist die Band einer der bekannteren Vertreter des Eroguro Kei, einer speziellen Ausrichtung des Visual Kei, in der die Optik der Musiker zwischen erotisch und grotesk schwankt und deren Musik zumeist ein wenig düsterer oder härter als die gewöhnlicher Visual Kei-Bands ausfällt, aber selbst für diese Szene haben Merry einen ungewöhnlichen Stilmix zu bieten.

Die Einordnung in ein Genre ist hier so gut wie unmöglich, denn die gebotenen Stile werden auf eine Art miteinander verbunden, die keine genauere Beschreibung zulässt. Man könnte Merry eventuell als Alternative Rock mit Punk-Einschlag und gelegentlichen Nu Metal-Einschüben bezeichnen, würde ihrem Sound damit aber keinesfalls gerecht werden. Die meisten der Songs sind im Uptempo-Bereich gehalten und profitieren insbesondere von den beeindruckenden technischen Fähigkeiten der Musiker – gerade deswegen ist es schade, dass die Produktion als höchstens solide einzuordnen ist, hier wäre deutlich mehr drin gewesen. Deutlich positiver hingegen fällt die recht variable Stimme Garas auf, dessen Schreie ebenso heiser sind wie seine „klare“ Stimmleistung. Oftmals wechselt der Gesang während der Stücke zwischen den verschiedenen Stilen, meistens fällt er doch jedoch recht aggressiv und verzweifelt aus, nur bei den ruhigeren Stücken werden etwas sanftere Töne geboten.

Der größte Trumpf des Albums ist sicherlich das hohe Maß an Abwechslung, denn kaum eines der Stücke lässt sich mit einem der anderen vergleichen. So steigt nach dem Intro „Gi-Go“ das eigentliche erste Stück „Friction XXXX“ mit halsbrecherisch schnellem Riffing und einem sehr eingängigen Refrain ein, wogegen „Akai Kutsu“ beispielsweise gekonnt Ska-Elemente in die Musik einbringt. Hierbei fällt der äußerst gelangweilte Gesang auf, der jedoch tatsächlich wunderbar mit dem Song harmoniert.

Der Großteil der Tracks verbindet gekonnt Aggression mit Melodie, so beispielsweise das Titelstück „Under-World“, das mit einigen englischen Textzeilen daherkommt. Ein weiteres Beispiel für die musikalische Spannbreite Merrys ist der psychedelisch angehauchte Song „Gesshoku“, in dem Garas Stimme die meiste Zeit verzerrt aus den Lautsprechern schallt, während „[Human Farm]“ eher die punkige Seite der Japaner zeigt. Mit „Gekisei“ hat die Band dann noch eine Überraschung parat, die den Rest der Songs locker in den Schatten stellt: In dem gut fünfzehn-minütigen Stück werden so viele verschiedene Stile in einen Topf geworfen, dass dem Hörer geradezu schwindlig wird.

Eingeleitet mit den düsteren Klängen eines Regenschauers, entwickelt sich der Song bald zu einem melancholischen Stück mit viel klarem Gesang, bis urplötzlich die härteste Lärm-Attacke auf den Hörer losgelassen wird, in der sich Gara die Seele aus dem Leib kreischt. Kurz vor dem Ende des Tracks wird dann zu ruhigen Akustik-Gitarren-Klängen gewechselt, bevor am Schluss noch einzelne Begriffe ins Mikrophon gebrüllt werden. Nach diesem komplexen Song wird dann folgerichtig der am leichtesten zugänglichste Track auf dem Album geboten, denn „Fuyu No Castanet“ ist deutlich ruhiger als viele der anderen Stücke und verlässt sich auf konventionelle Songstrukturen.

Ein Muss sind die in englischer und japanischer Sprache vorliegenden Texte, die tatsächlich im Gegensatz zu vielen anderen Beispielen sehr gut übersetzt wurden und mit ihrer düster-poetischen Ausrichtung einiges an Tiefe bereithalten. Zudem enthält die europäische Version des Albums noch zwei starke Bonustracks, die die sowieso schon hohe Spielzeit des Albums noch erhöhen.

Der aktuelle Longplayer ist ein gelungenes und abwechslungsreiches Stück Musik geworden, das eine Menge Langzeitpotential bereithält, wenn man der CD eine Chance gibt. Letztendlich ist die schwere Zugänglichkeit sowohl die größte Stärke, als auch die größte Schwäche der CD. Wer sich intensiv mit „Under-World“ beschäftigt, wird entdecken, dass Merrys Musik richtig Spaß machen kann und eine Menge Abwechslung bietet, Hörer die schon bei bekannteren Bands wie Dir En Grey Schwierigkeiten mit den exotischen Melodien und Strukturen haben, werden jedoch so ihre Probleme mit dem Album haben.

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