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Menhir: Hildebrandslied

Pflichtkauf für Pagan-Metal-Freaks
Wertung: 9/10
Genre: Pagan Metal
Spielzeit: 41:39
Release: 22.06.2007
Label: Trollzorn

Als Pagan Metal noch nicht „trendy“ war wie heute, machten sich Menhir auf, die Menschen mit vertonten Geschichten aus längst vergangenen Zeiten zu erfreuen. Damit war ihnen besonders im eigenen Lande ein Exotenstatus sicher. Heute sieht das alles mehr als anders aus. Pagan Metal-Bands sind wie Pilze aus einem nährstoffreichen Waldboden geschossen bzw. die Plattenfirmen haben den schon vorher dagewesenen Underground nach eben diesen Bands durchforstet und sie wie Massenware unter Vertrag genommen. Die Folgen davon sind mehr als klar – der Death Metal hat uns das Anfang der 90´er Jahre gezeigt: Der Markt ist übersättigt, der Fan verliert den Überblick. Schrott von Qualität zu trennen wird mehr als schwierig. Umso schöner ist es, wenn sich die Wegbereiter eines Genres auch nach vielen Jahren immer wieder zur Spitze vorkämpfen und der Szene damit zeigen, wo der (Thor-)Hammer hängt. 

So hat die gesamte Pagan Metal-Szene nicht mit wenig Interesse einem neuen Menhir-Album entgegengesehen. Das letzte Machwerk „Ziuwari“ liegt ja immerhin schon etwa sechs Jahre zurück. 

Was die Thüringer mit „Hildebrandslied“ auf den Gabentisch knallen ist lupenreiner 1A Pagan Metal. Keine Zugeständnisse an moderne Trends, dafür viele erfüllte Klischees (was nicht negativ zu verstehen ist). Da passen die Texte, die hymnengleichen Melodien, der ausdrucksstarke Gesang und ganz besonders die Atmosphäre, welche beim Hören des Albums allgegenwärtig ist. Das Hauptaugenmerk liegt weiterhin auf dem klaren Gesang, welcher jede Klippe der Peinlichkeit umschifft (in dem Genre sind Fehltritte beim Gesang leider allgegenwärtig). Gelegentliches Gekreische nimmt da eher den Stellenwert als „Auflockerung“ oder „Farbtupfer“ ein. 

Im Fokus vom neuen Machwerk steht dabei das Hildebrandslied, um welches man sich mittig im Album kümmert. Ich will jetzt hier nicht in geschichtsträchtige Erzählungen verfallen, darum…wer inhaltlich etwas wissen möchte, schlage in der entsprechenden Literatur nach. 

Nach einem kurzen Intro startet Teil I mit großen Melodien und einer melancholischen Grundstimmung, die zum greifen nahe scheint. Für mich einer der besten Songs dieses Genres, ohne jetzt wirklich außergewöhnlich instrumentiert zu sein oder mit irgendetwas vollkommen außer der Art zu schlagen. Mal wieder ein Beweis, dass man das Rad nicht neuer erfinden muss, um es perfekt zu drehen. Teil II stellt den folkigen Teil des Liedes dar. Da klingt das ganze eher nach früheren Zeiten, weil ein modernes Instrument wie das Schlagzeug fehlt. Da wird eine Geschichte am Lagerfeuer weitergegeben in einer Zeit, wo die Menschen noch den Geschichten der Alten mit Spannung zugehört haben, als sich mit der Monotonie der Glotze zuzudröhnen. Ganz ganz großes Kino dieser Doppelschlag.

Beim Rest des Albums handelt es sich nicht um Beiwerk sondern um musikalische Tonkunst mit Gütesiegel. „Das Alte Lied Des Windes“, also der Opener, macht dabei die beste Figur. Erhabenes Midtempo mischt sich mit kurzen Blastbeateruptionen. Ein starker Refrain und schickes Sologefiedel machen den Song passgenau und rund. Über die getragenen Melodien muss ich hier keine Worte mehr verlieren denke ich. „Des Kriegers Gesicht – Ulfhednar“ macht sich danach mit den gleichen Zutaten auf den Weg, den Gehörgang zu besetzen und dort sein Lager aufzuschlagen. Was will man mehr.

Im Zusammenhang mit dem detailverliebt gestalteten DIN A5 Digibook avanciert Menhirs „Hildebrandslied“ zum absoluten Pflichtkauf für Pagan-Metal-Freaks und zur Anlausch-/Kaufempfehlung für jeden Metalhead mit Neigungen zu Heavy/Power/Progressive oder ähnlichem Metal.

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