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Mêlon Kallisti: Apple Kallisti Now!

Funktioniert auch ohne Floppy!
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 40:24
Release: 15.10.2010
Label: Frq Records

Manche Bands nehmen sich einfach zu ernst – Horden grimmig dreinblickender Pandabären lassen so manchen ebenso schmunzeln wie waffenschwingende, fellbehangene Folk-Metaller - und doch gehört ein solches Image bei vielen Bands einfach zum guten Ton. Auch wenn man sich zum Ziel setzt, möglichst ungewöhnlich zu klingen und sogar der Begriff „Avantgarde“ fällt, sind allerlei Eigenarten keine Seltenheit; man denke nur an Arcturus oder Solefald. Mêlon Kallisti veröffentlichen ihr „Apple Kallisti Now!“ betiteltes Debüt in einer stilvollen C64-Floppy-Diskettenhülle, geben als ihre Einflüsse „alles von Arcturus bis ZZ Top“ an und nennen ihren Stil „The New Wave Of Slower Saxony Heavy Psychedelic Metal“ - einer gewissen Erwartungshaltung kann man sich da natürlich nicht erwehren und stellt sich auf diverse musikalische Obskuritäten ein.

Widmet man sich jedoch erst einmal den vier Songs des Albums, die alle um die Zehn-Minuten-Marke kreisen, erscheint das Dargebotene gar nicht so revolutionär – weltbewegende Innovationen sucht man zwar vergebens, aber gleichzeitig lassen sich Mêlon Kallisti kaum einordnen, werden die verwendeten Stile doch zu einem sehr eigenständigen Sound vermengt. Bei der Gitarrenarbeit orientiert man sich häufig daran, was gemeinhin gerne als Post-Black-Metal bezeichnet wird, doch auch Doom und Heavy Metal scheinen ein Einfluss gewesen zu sein, während der fast ausschließlich klar gehaltene Gesang häufig eine psychedelische Komponente ins Spiel bringt. Zusammen klingen die Elemente düster, melancholisch und vor allem eigentümlich, wobei zu Letzterem die Stimmleistung einen nicht unerheblichen Teil beiträgt, wird doch ebenso charismatisch wie technisch sauber intoniert. Dank der Länge der Stücke ist die Band dabei in der Lage, ihren Ideen genügend Freiraum zur Entfaltung zu gewähren – dies wird zu jeder Zeit genutzt und mit durchdachten, effektiven Songstrukturen gefüllt, die jeden der vier Songs mit Liebe zum Detail bedenken und so dafür sorgen, dass sich „Apple Kallisti Now!“ nicht abnutzt.

Dafür bietet das einleitende „The Web“ gleich ein Paradebeispiel: Cleane Gitarren spinnen eine beruhigende, betörende Melodie und werden von relativ hohem und klarem Gesang umschmeichelt; doch nicht lange währt die friedvolle Stimmung und erdrückende Stoner-Riffs durchbrechen das Netz, wobei in den melodischen Passagen der erwähnte Post-Black-Einschlag zum Tragen kommt. Die eingängige, aber abwechslungsreiche Melodieführung stellt genau wie die schwermütigen ruhigen Teile eine der größten Stärken des Songs dar; der wirkliche Klimax wird jedoch erst mit dem tonnenschweren Doom-Abschluss erreicht, der von energetischem, rauen Gesang überschattet wird. Noch ein Stück experimenteller geht es in „Searching For Things“ zu, das mit einer perfekt harmonierenden Kombination aus dramatischem Riffing und einem wuchtigen Schlagzeug-Crescendo beginnt, bevor der Song treibend nach vorne prescht und von schweren Gitarren bestimmt wird – einen interessanten Kontrast hierzu stellt der hypnotische Gesang dar, der die Psychedelic-Schlagseite des Songs bewirkt. Zum dramatischen Finale leitet ein vertracktes, instrumentales Zwischenspiel über, um der durchdringenden Melodie am Ende, die mit gelungener Laut-Leise-Dynamik im Gesang und sogar einigen Screams begeistert, ihre ganze Wucht zu verleihen.

Auf der zweiten Hälfte der CD leben Mêlon Kallisti noch eine andere Seite von sich aus: In „Awakening“ versucht man, sich mit surrenden Gitarren und zahlreichen verträumten Parts ein wenig am Post-Rock und legt auch einen der Genre-typischen Build-Ups mit Bravour hin, denn sobald Rhythmus und Gesang fordernder werden, schafft die Truppe es mühelos, den Hörer mitzureißen. Wie gewohnt fügt sich auch hier die dieses Mal zurückhaltende, fast schon depressive stimmliche Performance sehr passend ein, was sich auch im letzten Song „2012“ nicht ändert, in dem noch einmal eine etwas aggressivere Stimmlage zum Einsatz kommt – Post-Black-Anklänge treffen auf komplexen, an Tool erinnernden Progressive Rock, der von den zahlreichen, gekonnt vollzogenen Wechseln lebt. Textlich gibt sich die Truppe übrigens wesentlich ernster, als die Bandbeschreibung es vermuten lässt und unterstützt die Musik mit einigen lesenswerten Zeilen.

So ist „Apple Kallisti Now!“ ein erfrischendes, spannendes Debüt geworden, das trotz "Déjà-Vu"-Momenten einen eigenständigen Stil pflegt und abwechslungsreich gestaltet ist – Anhänger von drückenden Stoner- und Doom-Riffs werden gleichsam bedient wie jene, die sich vorrangig mit ruhiger, psychedelisch angehauchter Musik identifizieren. Sollte es gelingen, die großen Augenblicke noch weiter auszubauen und die eingebrachten Ideen zu perfektionieren, kann man die Erwartungen an die nächste Veröffentlichung guten Gewissens hoch ansetzen, denn in Mêlon Kallisti steckt jede Menge Potential – und letztendlich passt auch das Auftreten der Band irgendwie zum Gesamtbild und beschert ihr zusätzlichen Wiedererkennungswert.

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