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Melechesh: The Epigenesis

Brillante Platte
Wertung: 9/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 71:25
Release: 01.10.2010
Label: Nuclear Blast

Jerusalem gilt weithin nicht unbedingt als Metal-affin, eher ein Geheimtipp sind die wenigen Bands, die sich von dort aufmachen, um die Welt zu erobern. Falls es jedoch eine Combo schaffen sollte, sich außerhalb ihrer Heimat Gehör zu verschaffen, so ist es meistens eine relativ extreme Black, Thrash oder Death Metal-Gruppe. Das mag an den sehr strikten Regeln im Heimatland liegen oder einfach daran, dass es ein wenig kurios anmutet, ausgerechnet solche Musik aus Israel zu hören – auf jeden Fall bekommen besagte Bands einiges an Aufmerksamkeit. Erst recht, wenn sie, wie Melechesh, die erste Band überhaupt in Jerusalem sind, die einen Plattendeal ergattern konnte.

Das Quartett rund um Sänger und Gitarristen Ashmedi treibt in Grundzügen bereits seit 1993 ihr Unwesen, erst nach und nach kamen Bassist Rahm, Gitarrist Moloch und Drummer Xul dazu. Auf mittlerweile vier Alben kann die Band zurückblicken, die ihre Musik mal als „Sumerian Black Metal“, mal als „Mesopotamian Black Metal“ bezeichnet und genau das spielt, was man sich darunter vorstellt – deftigen, hasserfüllten Black Metal mit ordentlichem Gekeife und Growls, verbunden mit orientalischen Gitarrenstrukturen und arabischen Percussionelementen.

Wer jetzt an Orphaned Land denken mag, dem sei gesagt, dass Melechesh wesentlich weniger technisch zu Werke gehen, dafür aber auch ein Stück mehr Leidenschaft rüberbringen können – ein großer Pluspunkt für den oftmals recht sterilen Black Metal, der dieser Tage zu uns herüberschwappt. Mit über 70 Minuten schaffen es die Jungs außerdem, ein ausgesprochen langes Album ohne Lückenfüller zu kreiern – und das muss ihnen erst einmal jemand nachmachen.

Bereits der Opener „Ghouls Of Nineveh“ vermittelt einen ungefähren Eindruck dessen, was da auf den Hörer zukommt. Treibende Gitarren und Ashmedis fiese Vocals, die übrigens mit zu dem Besten gehören, was ich mir in den letzten Monaten anhören durfte, machen den Song zu einer verstörenden, dynamischen Angelegenheit. In den fast sieben Minuten des Tracks kommt nicht eine Sekunde Langeweile auf, es gibt immer Neues zu entdecken und seien es „nur“ die unterschiedlichen Nuancen in Ashmedis Stimme - brillianter Einstieg, an den man nur schwer anknüpfen kann.

„Grand Gathas Of Baal Sin“ geht in eine ganze andere Richtung, fast thrashig und mit Old School-Schlagwerk, aber nicht minder mitreißend kommt der Song daher, auch eine kurze Verschnaufpause und sirenenhafte Gitarrenspuren kommen nicht zu kurz. Ein mysteriös-spannendes Intro leitet „The Magickan And The Drones“ ein, fast sehnsüchtig, aber mit einem bedrohlichen Unterton schweben die Töne daher, bevor die Gitarrenfraktion sich darüber hermacht. Ehe man sich versieht, sind die ersten beiden Minuten schon um und Sänger Ashmedi legt wieder volle Röhre los – dieses Mal gibt’s aggressive Shoutings statt bösen Gekeife, aber das beherrscht der Mann mindestens genauso gut. Mit „When Halos Of Candles Collide“ wird ein wunderschönes Instrumental als Verschnaufpause eingeschoben, das bitter nötig ist – orientalische Gitarrenversionen wie die Sitar kommen zum Einsatz und man fühlt sich versetzt an einen Ort in der Wüste, wo die Nomaden abends am Lagerfeuer zusammensitzen und auf ihren Instrumenten herumzupfen.

Bevor man sich allzu sehr in romantisch-orientalischen Fantasien verlieren kann, legen Melechesh mit dem rasanten „Defeating The Giants“ los, dem mit knapp dreieinhalb Minuten kürzesten Song der Scheibe. Hier scheppert’s zwar im Hintergrund ein wenig, aber sämtliche Instrumente – abgesehen von der eigenen Gitarre – werden in der kurzen Zeit sowieso von Ashmedi an die Wand gebrüllt, daher fällt das kaum ins Gewicht.

Bei „Negative Theology“ offenbart sich schließlich, was schon die ganze Zeit etwas irritierend im Hintergrund waberte: Fast tanzbare Rhythmen, die die Gitarren fabrizieren. Vor allem in Kombination mit den Drums ergibt das eine wirklich gute Atmosphäre, die auch ohne Gesang auskommt; im Refrain wird zwar bewusst böse gekeift, aber der Großteil des Stücks gehört doch der Dynamik. Mit dem Titeltrack hauen die Vier dann noch einmal ein fast progressives Brett mit über zwölf Minuten Länge raus – wieder spielen düstere Gitarren die Hauptrolle, das technische Können wird klar in den Vordergrund gerückt, der Gesang nur sporadisch eingestreut. Trotzdem: Ein großartiger Song, ein angemessener Schlussakkord!

Fazit: „The Epigenesis“ ist nicht einfach nur ein Album einer Band, die aus einer in der Metalwelt noch wenig bekannten Region kommt, sondern auch ein Statement. Melechesh zeigen der Welt, dass sie eine vollwertige Band sind, die viele westliche Combos gnadenlos an die Wand spielen kann. Mit einem solchen Album im Gepäck dürfte es kaum mehr ein Problem sein, in der populäreren Metalszene Fuß zu fassen und sich neue Fans zu erspielen. Wer die Band bisher noch nicht kannte, sollte unbedingt mal reinhören – lohnenswerter kann man 70 Minuten kaum verbringen.

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