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Mekons: Ancient & Modern

Folkige Satire zwischen vorgestern und heute
Wertung: 7.5/10
Genre: Folk Rock
Spielzeit: 45:33
Release: 23.09.2011
Label: Westpark Music

„1911-2011“: Der Untertitel bereitet Kopfzerbrechen. Ist „Ancient & Modern“ eine Best-Of-Compilation der ältesten Band der Welt? Die Mekons als Pioniere der Musikwelt wie wir sie kennen? Ein Blick in die Bandgeschichte gibt Entwarnung.

Zwar sind die Mekons mit ihren 34 Jahren auf dem Buckel tatsächlich schon beachtlich lange im Geschäft und legen mit „Ancient & Modern“ auch bereits das 26. Album vor, der Untertitel der Platte bezieht sich aber auf die Zeit, in der die Songs angesiedelt sind, denn „Ancient & Modern“ ist ein Konzeptalbum und spielt in der verklärten Edwardischen Epoche um 1910 – ein Zeitalter des Müßiggangs, der langen Spaziergänge und des gemütlichen Picknicks im Park, aber auch die Zeit von Geheimbünden, Streiks und Anarchie.

Wo geordnete, nostalgische Dekadenz und revolutionäres Chaos aufeinandertreffen, kommen die Mekons ins Spiel. Denn so wie das Musikerkollektiv aus Leeds die Geschichte sieht, hat diese Ära eine ganze Menge mit der heutigen Zeit gemein. Und indem die neun Damen und Herren über zielloses Umherstreifen an warmen Sommernachmittagen, Bombenattentate auf die LA Times und die Langeweile einer Cricket spielenden Wohlstandsgesellschaft singen, sagen sie so einiges über unser Hier und Jetzt aus.

Es sind also durchaus gesellschaftskritische Töne, die die Band anschlägt und in teils sarkastische, teils bissige Texte verpackt. Das ist aber auch fast das einzige, was noch daran erinnert, dass die Band im Gründungsjahr 1977 zur Speerspitze der Punkbewegung gehörte, denn musikalisch sind die Mekons mittlerweile in völlig anderen Gefilden unterwegs: „Rebellischen Country“ nennen sie selbst ihren Sound mit Akustikgitarren, Geige, Banjo, Bouzuki und Co. In herkömmlichen Kategorien wird man dem Ganzen wohl mit Folk Rock am ehesten gerecht. Und der kann – mit wenigen Ausnahmen – absolut überzeugen.

Das liegt nicht zuletzt an der musikalischen Abwechslung, die die Mekons auf „Ancient & Modern“ bieten: Auf „Space In Your Face“, dem wohl rockigsten und energiegeladensten Track der Platte, folgt mit „Geeshie“ eine intensive Varieté-Ballade, die mit laszivem Frauengesang, Banjo und einer sehnsüchtig seufzenden Geige aufwartet. „Calling All Demons“ erinnert dann mit stampfendem Rhythmus und freakigen Sounds mehr an eine akustische Collage aus den Oeuvres von Tom Waits und Nick Cave und der Titeltrack steht völlig außerhalb aller Kategorien: Was als relativ harmloses Singer-Songwriter-Stückchen beginnt, geht zuerst in einen Spoken-Word-Part über, um schließlich mit einem lauthals skandierenden Männerchor zu enden.

Nicht ganz so gut funktionieren der Opener „Warm Summer Sun“ und „I Fall Asleep“: Über repetitiven Instrumentals nölt sich eine Männerstimme, der man die Punkvergangenheit noch deutlich anhört, durch oberflächliche Texte der Marke „Firelight and toast after I come home from playing cricket.“ Klar, im Rahmen des Albumkonzepts funktioniert die inszenierte Langeweile ganz hervorragend – leider geht das auf Kosten der Hörbarkeit, denn hier langweilt sich dann doch eher der Hörer. Zum Glück sind solche Ausfälle aber die Ausnahme und werden von so großartigen Tracks wie dem angenehm simplen und dabei doch beeindruckend eindringlichen „The Devil At Rest“ bei Weitem aufgewogen. Auch die „PJ-Harvey-goes-Folk“-Nummer „Ugly Bethesda“ zählt dank packendem weiblichem Gesang zu den Highlights der Scheibe.

„Ancient & Modern“ braucht zwar ein paar Durchläufe, bis sich solche Perlen herausschälen. Dann aber hält die Platte einige hervorragende Songs bereit und auch das zugrunde liegende Konzept sowie die dazugehörige Atmosphäre erschließen sich mit der Zeit. Die Mischung aus Folk Rock, Nostalgie und Gesellschaftskritik gerät so trotz ein paar schwächerer Songs zum Erfolg.

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