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Mekong Delta: Lurking Fear

Unglaubliches unglaublich präsentiert
Wertung: 10/10
Genre: Progressive Thrash
Spielzeit: 49:19
Release: 24.08.2007
Label: AFM Records

Die Legende ist zurückgekehrt. Wer Mekong Delta nicht kennt, der hat definitv Großes verpasst. Keine Frage, die Band ist niemals dafür geeignet, so nebenbei gehört zu werden, denn dann wird man nicht eins mit der Musik. Intensives Hören und Fühlen ist hier Pflicht. Ich erinnere mich noch ziemlich genau an 1987, da kam das Debut heraus. Irgendwie war es etwas Fremdes, fast schon Außerirdisches, was da auf mich hereinprasselte. Die Bezeichnung Progressive reicht hier definitiv nicht aus. So sehr hat mich Mekong Delta in seinen Bann gezogen. Als dann „Toccata“ an meine Ohren drang, war klar, dass ich einen meiner absoluten All Time Favourite Songs gefunden hatte. Dieser Song versetzt mich auch heute noch nach mehreren hundert Durchläufen in ein dermaßenes Wechselbad der Gefühle, wie es wohl nichts anderes könnte.

Aber ich schweife ab, hier geh es darum, zu überprüfen, ob Mekong Delta auch im 21. Jahrhundert noch in der Lage sind, sämtliche Bands aus dem Ring zu katapultieren. „Society In Dissolution“ beginnt genauso vertrackt und verstört, wie ich es erahnt habe. Mekong Delta haben definitiv nichts von ihrer Magie verloren, das ist schon nach den ersten Takten des ersten Songs klar. Unheimlich, mit teilweise auf den ersten Höreindruck nicht harmonierenden Melodien der einzelnen Instrumente, setzt sich das Klangkonstrukt langsam zusammen und wächst zu etwas Großem. Nein, so geht das nicht, Lautsprecher auf, die guten Sennheiser Kopfhörer übergestülpt, das maximale Volumen eingestellt und abgetaucht in ein technisches Meisterwerk.

„Purfication“ bestätigt den ersten Eindruck, der Sound ist deutlich heavier geworden, klingt vordergründig nicht mehr so technisch, aber mit Kopfhörern und Lautstärke hört man auch im zigsten Durchlauf neue kleine Klangstücke heraus, welche in diesen komplexen Songstrukturen weitere Highlights darstellen und das Album nie langweilig werden lassen. Insgesamt ein eher „simpler“ Song für Mekong Delta´s Verhältnisse, aber dieser verdrehte Gitarrenpart vor dem Solo hat es einfach in sich.

„Immortal Hate“ geht erstmal richtig los, bevor der bei dieser Musik fast schon recht gewöhnlich anmutende Gesang beginnt und der Song seine wahre Gestalt zeigt. Sänger Leo Szpigiel, der durch seine Arbeit bei Angel Dust, Scanner oder auch Crows bekannt sein dürfte, hat aber auch einen schweren Stand bei solch einer Musik. Alle Songs hätten hier auch als Instrumentals durchgehen können.

„Allegro Furioso“ hat ein paar Ähnlichkeiten zu „Toccata“, wenn auch die extremen Klassikpassagen fehlen und auch nicht so extrem hin und her gesprungen wird. Dadurch empfinde ich seine Intensität nicht so stark wie bei dem schon beschriebenen Übersong. Man hat hier aber auch auf die Vocals verzichtet. Dass man so etwas nicht mit gewöhnlichen Musikern einspielen kann, ist klar, also musste Uli Kusch (u.a. Helloween, Holy Moses, Masterplan, Sinner) die Felle bearbeiten und Gitarrist Peter Lake (Theory In Practise) die Saiten quälen.

„Rules Of Corruption“ fällt nach so einem Stück fast zwangsläufig ein wenig ab, was den Highlightfaktor angeht. Man wird zwar ständig von irgendwelchen Soundverläufen überrascht, aber überrascht ist man trotzdem nicht, denn man weiß ja, dass einem hier ein sehr bunt gemischter Strauß voll Melodien zusammengestellt wurde.

„Ratters“ beginnt richtig gehend kommerziell für Mekong Delta Verhältnisse. Das ändert sich zwar teilweise, aber richtig überzeugen kann mich der Song diesmal trotzdem nicht. Die Gesangsmelodie erinnert mich stellenweise sogar ein wenig an King Diamond, wobei hier fast selbstverständlich nicht die Höhen integriert sind. Das Ende des Songs weiß allerdings mal wieder absolut zu überzeugen, was durch den leichten Klassikansatz verstärkt wird.

Bei „Moderato“ beginnt es dann zum ersten Mal auf dieser Scheibe, in die geliebte Klassikschiene abzugleiten. Dies wird aber durch brachiale Gitarren erstmal eingedämmt und so hört es sich stellenweise so an, als ob man zwei Songs gleichzeitig hört. Unglaublich, was Mekong Delta Mastermind Ralph Hubert hier wieder erfunden hat.

„Defenders Of The Faith“ bietet dann wieder gewohnte Töne aus alten Mekong Delta Zeiten. Die Vocals erinnern mich an die starke Anfangsphase der Band, als der Gesang noch ein wenig stranger klang als auf diesem Album. Unglaublich, diese Klangkunstwerke. Für Leute mit Herzrasen sicher nicht geeignet, denn diese Symphonien reißen den Hörer hin und her.

„Symphony Of Agony“ beginnt mal wieder recht hektisch und entwickelt sich zu einer weiteren kräftigen Achterbahnfahrt der Gefühle. Absolut unberechenbar, was die Band hier abliefert, mittendrin ein schon fast charttauglicher Part, welcher dann wieder galoppierend in das Solo übergeleitet wird. Unbeschreiblich. Klar, ein Joe Satriani, Eddie Van Halen oder auch Steve Vai sind virtuose Gitarrengötter, aber mich würde hier wirklich mal interessieren, ob sie etwas derart technisch komplexes auch so umsetzen könnten.

Leider geht dann mit „Allegro“, einer Leihgabe aus Dimitri Schostakowitsch`s 10ter Symphonie, das Album schon zu Ende. Zur Hölle mit allen Vorsätzen, mit der 10er Wertung zu geizen, 10 Punkte setzen und die CD von vorne hören ist hier die Devise!

Fazit: Es ist zwar nicht das beste Mekong Delta Album, aber trotzdem auch mit einer unheimlichen Intensität gesegnet. Schade, dass die Band sich live absolut rar macht, denn diese Musik live auf den Punkt gespielt zu genießen, würde wahrscheinlich für viele offene Münder sorgen, und das nicht nur bei Musikern. Ganz großes Technical Metal Kino!

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