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Meister Scheisze: Kot für die Welt

Grindcore ist, wenn man trotzdem lacht
Wertung: 7/10
Genre: Grindcore
Spielzeit: 30:55
Release: 25.08.2016
Label: Eigenproduktion

Grindcore-Bands kennt man gemeinhin nicht unbedingt als Anhänger der wahnsinnig intellektuellen Texte und auch die Hamburger Meister Scheisze machen da keine Ausnahme, obwohl Meister T auch bei den Todesmetallern Surface zugange ist und dort allein schon thematisch durchaus höhere Ziele verfolgt. Allein schon der Titel des letztjährigen Debüts „Kot für die Welt“ zeigt aber auch, dass man die Ernsthaftigkeit hier mal für die Dauer des Albums außen vor lassen muss – immerhin, man trägt Handschuhe. Für die Hygiene ist also erst mal gesorgt.

Wenn man auch musikalisch nicht meckern kann bei dem Quintett, textlich muss man sich schon arg auf die Zunge beißen, um bei Titeln wie „Der mit dem Kot tanzt“ oder „Entschuldigung, Ihr Penis brennt“ (allein das Bild vor meinem geistigen Auge!) nicht vollends die Anlage aus dem Fenster zu werfen. Wenden wir also lieber wieder der musikalischen Seite zu – für ein Debütalbum ist „Kot für die Welt“ nämlich erstaunlich sauber produziert und gerade bei Songs wie dem deftigen „Der D-Mann“ mit seinen melodisch-dramatischen Einsprengseln ist man dann doch ein bisschen an die Erstband des Meisters erinnert.

Dass das Konzept irgendwie aus einer wahrscheinlich ziemlich schlimmen Schnapslaune heraus entstanden ist, beweist sich einmal mehr bei Songs wie „Ein Leben lang die selbe Unterhose an“ oder „No Campari, No Party“ – wir skippen mal weiter zum ziemlich derben Finale, in dem männliche Fortpflanzungsorgane in Flammen aufgehen; kaum zu glauben, dass man einen so stumpfen und kurzen Text auf bald drei Minuten auswalzen kann. Aber auch das ist oftmals Grindcore – mit wenig Inhalte viel Zeit füllen (wobei natürlich Meister Scheisze für Grind-Verhältnisse zeitlich zum Teil schon echte Epen auf die Menschheit loslassen).

Bei „Kot für die Welt“ muss nun mal ganz klar differenziert werden zwischen Musik und Inhalt – technisch gibt es nicht zu meckern, die fünf MitgliederInnen haben ja nicht erst gestern ihre Instrumente in die Hand gedrückt bekommen, und Sänger Meister T brüllt sich gewohnt souverän und brachial durch die elf Songs – gerade der namengebende Song „Meister Scheisze“ ist ein Paradebeispiel dafür, was die Band eigentlich drauf hat, wenn man die ganzen Ausscheidungen mal außen vor lässt; die fünf MusikerInnen haben es einfach drauf. Nun gibt es aber augenscheinlich Menschen (und schaut man sich die Facebookpräsenz der Band an, gar nicht mal so wenige), die dieser Art von Humor durchaus was abgewinnen können – und für die sollte „Kot für die Welt“ ein Juwel im Grindcore-Dschungel sein.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“