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Megadeth: Endgame

Wer braucht da noch Metallica?
Wertung: 9/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 45:04
Release: 11.09.2009
Label: Roadrunner Records

Megadeth melden sich mit neuem Album zurück, und man weiß nicht so recht, ob man sich freuen soll oder nicht. Die phänomenale Zeit liegt schon einige Jahre zurück, hat man sich doch seit dem 1985er Debüt „Killing Is My Business … And Business Is Good!“ permanent gesteigert oder bis zum letzten richtigen Kultwerk aus dem Jahre 1992 „Countdown To Extinction“ das sehr hohe Niveau gehalten, so verlief der weitere Weg eher in Achterbahngleisen, ohne jemals wieder ein derartiges Ausrufezeichen setzen zu können. Nun kommt Dave Mustaine mit dem von der Tour schon bekannten Gitarristen Chris Broderick (Nevermore, Jag Panzer) daher und will wieder Akzente setzen. 

Anno 2009 frönt man zwar immer noch dem Thrash Metal, dies aber mit deutlichen Einflüssen aus den in den Anfangstagen dominanteren Speed Metal-Einflüssen. Zu allem Überfluss hat Megadave dann auch noch die Messlatte selbst recht hoch gelegt, indem er verkündete: „This new album is my proudest moment since the famous (or infamous) 'Rust In Peace' album.“ Das saß, wenn das mal nicht das übliche Promotiongerede ist, welches sich dann als extremes Eigentor herausstellt. Aber hören wir doch mal rein:

„Dialectic Chaos“ ist ein schnelles Instrumental, welches hauptsächlich darauf aus ist, die Fingerfertigkeit des neuen Gitarristen zu präsentieren. Nicht schlecht, die Idee, zumal Chris wohl der beste Gitarrist seit Marty Friedman in der Band ist. Nichtsdestotrotz könnte hier die Sorge aufkommen, dass Megadeth das gleiche Schicksal zuteil werden könnte wie damals Whitesnake mit Saitenhexer Steve Vai. 

Aber die Sorge ist unbegründet, denn spätestens mit „This Day We Fight!“ wird klar, dass man sich trotz der virtuosen Ausuferungen doch sehr deutlich dem Thrash Metal widmet und die Saitenhexerei nicht zu weit im Vordergrund steht. Auch wenn Chris einen anderen Stil als Marty hat, so demonstriert er songdienlich die große Virtuosität, die in Megadeth stecken kann. Starker Song mit viel Freude für die Nackenmuskulatur.

Deutlich langsamer, aber definitiv nicht schlechter brennt sich dann „44 Minutes“ ins Gedächtniszentrum. Irgendwo wird hier deutlich den alten Zeiten gefrönt und irgendwie kommen auch Erinnerungen an seligere Metallica-Zeiten daher. Starke Nummer mit unheimlich viel Flair und fast schon Ohrwurmcharakter. 

„1,320´” geht diesen Weg ebenso weiter, ohne aber, wie auch schon der geniale Vorgänger in einem simplen Abkupfern zu enden. Die Gitarren von Dave und Chris brillieren eher versteckt als offensichtlich, da der thrashig groovende Grundrhythmus das Hauptthema beherrscht und lediglich beim atemberaubenden Solo mal so richtig auf die Kacke gehauen wird. Da das Solo ans Ende des Songs verlagert wurde, kann man hier wirklich von einem phänomenalen „Heading For The End“ sprechen.

„Bite The Hand That Feeds“ ist dann wieder ein böser sozialkritischer Song, also logischerweise ohne jeglichen balladesken Unterton. Sehr gelungen, mit der nötigen Grundhärte und ohne die bekannten Trademarks von Megadeth zu vergessen. Dieses Stück ist deutlich besser als das meiste, was die Band in den letzten 15 Jahren veröffentlicht hat. So machen die Amis richtig Spaß.

„Bodies Left Behind“ beginnt erstmal fast so, wie es die Band zu „Countdown To Extinction“ Zeiten gezockt hätte: abgehackt und trotzdem heftig drückend, wobei man insgesamt sagen muss, dass durch diese Spielweise, die sich auf dem 1995er Album recht stark durchgesetzt hatte, das damalige Album deutlich härter wirkte. Aber das ist eigentlich nebensächlich, denn anno 2009 zockt die Band wieder auf einem Niveau, das die meisten Metalfans einfach nur mitreißen sollte. Old School? Ja, irgendwie schon, aber in keinster Weise angestaubt, oder langweilig, das klingt frisch und unverbraucht. James LoMenzo bearbeitet seinen Bass druckvoll und immer wieder mal etwas dominanter, was sich unglaublich gut im Gesamtsound verankert.

Dass Dave nicht unbedingt der liebenswerte Schwiegersohntraum der Omis ist, beweist er dann nochmal im Song „Endgame“. Dass er eine klare politische Meinung hat, ist nicht unbekannt, hier tritt er nochmal fröhlich beim so verhassten ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika nach. Mr. Bush wird wohl gewissenhaft weghören. Das Ganze wird durch die „Attention!, Attention!“-Ausrufe per Lautsprecherdurchsage zu Beginn des Songs noch deutlich unterstützt. Da hat Dave mal wieder einen Kracher allererster Güte kreiert. 

„The Hardest Part Of Letting Go...Sealed With A Kiss” ist dann im wahrsten Sinne des Wortes die Halbballade des Albums. Man könnte es fast schon in den Songtitel hineininterpretieren, der erste Teil „The Hardest Part Of Letting Go“ lädt zum rauen Kuscheln ein, leises Gitarrengeklimper mit Keyboards verstecken sich unter der deutlich im Vordergrund stehenden Stimme von Mr. Mustaine. Das ändert sich dann im zweiten Part „Sealed With A Kiss“. Keine Tasteninstrumente, dafür harte, wenn auch nicht so aggressive Gitarren zu immer noch etwas zurückhaltenden Vocals. Klar, dass es noch einmal ruhiger wird, aber insgesamt hat sich die Band hier mal wieder übertroffen und das Ende mit der angedeuteten Operettenstimme ist ein weiteres Highlight, welches sich nicht unbedingt beim ersten Durchlauf herauskristallisiert. 

„Head Crusher“ ist dann mit der härteste Track des Albums, wie es ja bei dem Titel eigentlich auch sein sollte. Starkes Gebolze, wenngleich da früher schon mehr abging. Es wird aus vollem Leibe gethrasht und dürfte live auch einige heftige Kopfbewegungen verursachen.

„How The Story Ends“ beginnt fast schon ein wenig sperrig, bevor sich das Ganze dann doch in einen typischen Megadeth-Ohrwurm entwickelt. Und nun wird es aber auch Zeit, Drummer Shawn Drover zu erwähnen, der eigentlich auf dem ganzen Album ein nahezu perfektes Drumming abliefert, ohne aber den anderen die Show zu stehlen. Hört man sich das Album mal ganz speziell auf die Drums ausgerichtet an, so wird man verwundert sein, was da alles passiert, was nicht direkt ins Ohr fällt. Starke Leistung, Shawn!

Einen weiteren, eher melodischen (zumindest für Megadeth-Verhältnisse) Kracher liefern die vier dann mit „Nothing Left To Lose“ ab. Eigentlich sogar etwas untypisch, zumal man doch recht straight an den Song rangeht. Lediglich das hier etwas überzogen wirkende Gitarrensolo passt nicht wie der bekannte Popo auf die Gießkanne. Aber der Refrain hat es in sich, der kommt auch nach Tagen unvermittelt in den Schädel geflogen und lässt einen unbeeindruckt von der dann vorliegenden Situation einfach mal so den Song summen oder singen. Peinlich, wenn dies gerade auf Besprechung passiert, bei der sich alle gerade selbst feiern. 

Fazit: Ein hammerstarkes Album, welches aber nur am Kultcharakter kratzt und ihn zumindest zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz zu erreichen vermag. Die Band ist auf jeden Fall zurück in der Liga der musikalisch wertvollen Top Acts. Meilenweit vor den aktuellen Metallica entfernt, aber man darf sehr gespannt sein, wie das nächste Album klingen wird. Man bedenke, dass die Band 1990 mit Neuzugang Marty Friedman mit „Rust In Peace“ auch einen richtigen Kracher hingelegt hat, welcher dann im darauf folgenden Album „Countdown To Extinction“ zu Kultstaus kam. Was das angeht, hat Dave nicht allzu sehr übertrieben mit seiner Aussage. Aber die Messlatte für das nächste Album liegt nun wirklich schwindelerregend hoch.

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