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Megadeth: Dystopia

Düsterer und filigraner Thrash, der an alte Zeiten erinnert
Wertung: 7/10
Genre: Thrash-Metal
Spielzeit: 46:46
Release: 29.01.2016
Label: Universal Music

Nach dem etwas massentauglicheren "Super Collider" melden sich Megadeth nach  rund  drei Jahren mit neuem Studiomaterial zurück und sowohl Titel als auch das Cover lassen hoffen: „Dystopia“ kommt optisch düster daher. Ob das nun 15. Studioalbum der US-Thrasher hält, was es von außen verspricht, wird sich nun zeigen.

Das Album startet mit dem Titel "The Threat Is Real". Hier beginnt der Song mit orientalisch anmutenden Klängen und Gesang, um nach wenigen Sekunden ins erste blitzschnelle Riff einzusteigen und den Song aufzubauen. Mit einem Mal hat man den bewährten Megadeth-Sound auf den Ohren. Dave Mustaines grollende Stimme paart sich hier mit filigranen Gitarrensoli, während die Rythmusabteilung der Band den Song in einem zügig stampfenden Rhythmus vorantreibt. Diese wurde auf „Dystopia“ durch Chris Adler, Drummer bei Lamb Of God, ergänzt, nachdem Shawn Drower Ende 2014 die Schießbude verließ.

Im Anschluss gibt sich der Titeltrack „Dystopia“ selbst die Ehre. Nach einem kurzen rauschenden Soundeffekt prescht dieser los. Der Song kommt groovend daher und auch die Gitarrenfans kommen voll auf ihre Kosten. So startet der Song zunächst mit einzelnen harmonischen Tönen, um diese dann in ein passendes Riff umzuwandeln. Sobald der Gesang einsetzt, bestätigt sich bereits der erste Eindruck aus dem vorangegangenen Song: Das ist Megadeth, wie man es haben will! Hervorzuheben ist hier die Gesangsmelodie, welche sowohl aus Strophe und Refrain im Kopf bleibt und wahre Ohrwurmqualitäten hat. Nach 2/3 des Songs scheuen sich Mustaine und Konsorten jedoch nicht, diese Songstruktur aufzubrechen und verfallen für den Soloteil in etwas langsameres Fahrwasser, welcher neben den klaren Gitarrensoli durch eine eindrucksvolle Schlagzeugarbeit untermalt ist.

Wem der Bass von David Ellefson bislang zu kurz kam, der wird schließlich in „Fatal Illusion“ fündig. Hier wird der Zuhörer in wenigen Sekunden ohne jegliche weitere musikalische Untermalung schwindelig spielt.

Ein weiterer herausstechender Song stellt „Lying In State“ dar, welcher ab Sekunde Eins brachial daher kommt und einem alles um die Ohren haut, was die Instrumente hergeben. Mit einem rasenden Tempo schreitet der Song voran, die hohen Gitarrenspuren werden hier etwas in den Hintergrund gerückt, um den Fokus auf Mustaines trabenden Gesang und den Rhythmus zu legen. So fügen sich die hohen Riffs in diesem Song durch ihren sparsamen Einsatz genau richtig in das Gesamtbild ein.

Letztlich gilt es noch den Track „The Emperor“ hervorzuheben, welcher, wie der Titel bereits vermuten lässt, hart mit gewissen politischen Figuren ins Gericht geht. Interessant ist hier vor allem die einzigartige und erfrischende Gesangsstruktur der Strophe und den daran anknüpfenden zugänglichen Refrain. Die Musik unterstreicht hier gezielt den Gesangsrhythmus, so lässt sich dem Inhalt angenehm folgen und das Album gewinnt einen runden Abschluss.

Generell lässt sich festhalten, das die Dystopie des Quartetts viel zu bieten hat. So finden sich neben den vorgestellten Songs auch ein paar getragene Töne auf dem Album, die dennoch den gewohnten Megadeth-Vibe versprühen. Zudem findet sich auch die instrumentale Nummer „Conquer Or Die!“ oder ein Cover von „Foreign Policy“ der Hardcorepunkband Fear auf der Platte. Hier muss jeder für sich selbst entscheiden, welchen Mehrwert er diesen zwei Songs abgewinnt. Allerdings gelingt es einigen Songs, gerade in der Mitte des Albums, nicht das ansonsten gute Niveau der Platte zu halten, obwohl diese technisch nichts falsch machen. Exemplarisch ist hier unter anderem „Poisonous Shadows“ zu nennen, der auch nach mehrfachem Hören nicht so richtig hängen bleiben mag.

Ansonsten lässt sich festhalten, das Megadeth mit diesem Album im Vergleich zum Vorgänger wieder einen riesigen Schritt nach vorne gemacht haben. "Dystopia" ist filligran und brachial zur gleichen Zeit und wirft einem die Riffs in einem größtenteils atemberaubenden Tempo nur so ins Gesicht. Textlich setzt Dave Mustaine sehr düstere Akzente, welche voll sind mit politischen Untertönen und einer gewissen Endzeitstimmung. Dies mag nicht jedem gefallen, gehört zu Megadeth aber eben dazu wie Vic Rattlehead. Nichtsdestotrotz fangen diese teilweise treffend den aktuellen Zeitgeist ein.

"Dystopia" ist ein gelungenes, wenn auch nicht makelloses Thrash-Metal-Album, welches an die großen Alben der Band anknüpfen kann: Megadeth stehen drauf und Megadeth sind auch drin! Absolut hörenswert, nicht nur für eingefleischte Fans.

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