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Medeia: Cult

Das brauchen wir dieser Tage
Wertung: 9/10
Genre: Death Metal; Metalcore
Spielzeit: 30:30
Release: 19.09.2008
Label: Fullstream Records

Habt ihr euch schonmal gefragt, wie es sich anfühlt, wenn man außen an einem ICE bei voller Fahrt surft? Nun, ich habe es nicht körperlich versucht, zum Teufel, ich werde das auch niemals tun, denn das, was uns die Finnen Medeia mit ihrem Album „Cult“ servieren, reicht aus, um genügend Adrenalin für zwei auszuschütten. Da braucht man sich dann keinerlei lebensgefährlicher und zugegebenermaßen aberwitziger und sinnfreier Selbstversuche aussetzen.

Die Finnen Medeia setzen nach ihrer EP nun zum zweiten Angriff auf die Adrenalinreserven an, dies mit ihrem Album „Cult“, das so mächtig auf´s Gebälk haut, dass man sich ganz und gar geplättet fühlt. Geplättet durch diese Vehemenz der Songs, angefangen mit „Cold Embrace“, das auch immer wieder mal gerne in wilde Raserei verfällt. Genial, wie nach dieser Raserei diese Frauenstimme aus dem Lautsprecher kommt. Trifft bei mir voll ins Schwarze, wie sich diese Stimme neben den Growls breit macht.

An die Jungs von She Said Destroy denke ich bei dem Eingangsgrowl von „Descension“, das so herrlich roh es auch ist, einen Hände-Klatschpart beinhaltet. Glaubt ihr nicht? Ist aber so. Kompromisslos von Anfang bis Ende, einfach klasse.

In „Devouring” gibt es einen spannungsaufbauenden Einstieg durch die Gitarren, der allerdings – wen wundert´s – nicht lang ist. Danach ziehen die Gitarristen in ihrem Riffing derart einen vom Leder, sowas hab ich schon lang nicht mehr gehört. Des Extreme Metal-Fans Herz hupft vor Freude im Takt, aber Vorsicht, kein Kammerflimmern kriegen, denn bei Medeia geht ja alles ein wenig flott von der Hand, obwohl dies einer der eher „langsameren“ Stücke der Band ist.

Wie geil ist das denn? “Through Sacrifice” eröffnet mit Pianoklängen, bis dann die Stromgitarren mit einstimmen und den Weg freimachen für ein weiteres nackenmuskelkillendes Monster aus Finnland. Ist schon wahnwitzig, aber gerade deshalb umso genialer hauen einem die überaus exakt gespielten Riffsalven um die Lauscher, dass es eine wahre Freude ist. Auch corelastige Töne macht man hier aus. Ich sag nur: Monster.

“Manifestation” präsentiert dem geneigten Extreme Metal-Fan knackiges Riffing, unterlegt mit Sprachfetzen. Das dann folgende „The Architect“ setzt in Sachen Vehemenz, Schnelligkeit und Kompromisslosigkeit ganz neue Maßstäbe, denn dieses Biest hat einfach Suchtfaktor. Die Riffs hämmern dir um die Ohren und der eingangs angesprochene ICE, man erinnere sich, hat nun endgültig volle Fahrt aufgenommen. Ein klasse Song vor dem Herrn, nur leider mit fast 2,5 Minuten viel zu kurz.

Etwas gesitteter geht es dann zu in “Made Flesh Again”, also, ich meine in Sachen Tempo. Obwohl auch dieses Stück nicht lahm daher kommt. Eine schöne Stimmungsverstärkung erfährt das Teil durch die Keyboardklänge. Unglaublich, was die sich trauen: Da bauen die inmitten all der Raserei einen Pianopart ein. So etwa kann voll in die Hose gehen, aber hier ist das Ergebnis einfach nur genial. Der Bastard “Unholy Communion” ist ja von der EP schon bestens bekannt. Was für ein Brett, denkt man sich, wenn man diesem unbarmherzig nach vorne knallenden Metalcore-Hybriden lauscht. Erstklassige Arbeit! Auch in „Ceremonial” ziehen die Jungs und das Mädel wieder alle Register, um auch dieses Teil zu einem Hammer werden zu lassen, der stellenweise schon fast – man möge mir diese Bezeichnung verzeihen – groovend rüberkommt.

Was jetzt? Jetzt, zum viel zu frühen Ende des Albums hin werden wir zunächst wieder ein wenig abgebremst in „The Unseen“. Verlangsamt ja, weniger vehement nein, denn auch dieses Killergeschoss lässt mich das Verlangen spüren, meinen Schädel unbarmherzig zum Rhythmus zu schütteln und alle schreien es mit: „Case Of A Murderer!“. Eins der eher vielseitigen Stücke der Band, das zeigt, dass sie auch anders können, wenn sie wollen. Macht die Band für mich novh viel interessanter, aber für andere vielleicht auch noch unberechenbarer.

Eine knackige Produktion, die alle Elemente klar hervorhebt, rundet dieses Scheibchen ab. Einen Punkt zum Meckern hab ich dann allerdings doch noch: Leute, ihr könnt uns doch nicht ernsthaft mit nur einer mukrigen halben Stunde Spielzeit abspeisen. Das nächste Mal also bitte mehr von eurer genialen Mucke, ja?! Und ach ja, der Schädel brummt nach dieser halben Stunde wie wenn ich meinen Kopf bei voller Fahrt aus dem Fenster eines ICE gehalten hätte, die Haare sitzen keineswegs mehr, aber was macht das schon alles aus, wenn man derartig geile Mucke geboten bekommt?

Fazit: Das nächste große Ding im Bereich des Extreme Metal könnte Medeia heißen. Wer es gern schnell und ziemlich hart mag, der sollte, ach was, der muss Medeia antesten. Wie ich in meinem Review zu der EP schon sagte: Ja, es braucht dieser Tage genau diese Art unbarmherziger Mucke.

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