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Maybeshewill: I Was Here For A Moment, Then I Was Gone

Eine beeindruckende Wiedergeburt
Wertung: 9/10
Genre: Post-Rock, Instrumental
Spielzeit: 43:12
Release: 23.09.2011
Label: Function Records/Cargo

Obwohl Maybeshewill erst seit etwas mehr als fünf Jahren aktiv sind, haben die Briten sich schon eine größere Fanbase aufgebaut als so manche alteingesessene Post-Rock-Formation und sich einen Platz an der Spitze der experimentellen Instrumentalmusik gesichert. Nach nur zwei Full-Length-Alben, einer EP und diversen Splits und Singles folgt nun mit „I Was Here For A Moment, Then I Was Gone“ ein Album, das gleichzeitig das dritte und das erste der Band markiert, denn für das neueste Werk entledigte sich die inzwischen zum Quintett angewachsene Truppe aller Erwartungen und Zwänge und näherte sich dem Album wie einem Debüt an.

Doch was macht die junge Truppe so besonders und unterscheidet sie von den unzähligen Bands der Post-Rock-Szene? Schon vor den eigentlichen Songs fallen Maybeshewill mit ihrer Do-It-Yourself-Attitüde auf und verzichten nahezu gänzlich auf Hilfe von außerhalb, stattdessen übernimmt erneut Bassist Jamie die Produktion – verbunden mit dem ersten wirklichen Studioaufenthalt ist der Band so ein beeindruckender Sound geglückt, der mit seinem perfekten Spagat zwischen wuchtigem Bombast und Zerbrechlichkeit zu den besten Produktion dieses Jahres in diesem Bereich zählt. Aber auch die Songs selbst unterschieden sich schon seit Anfang von ähnlich gelagerten Bands – mit geschickt eingesetzten Synths, Samples und elektronischen Beats peppten Maybeshewill ihren häufig recht hart ausgelegten Sound in experimenteller Manier auf und schufen so ein unverwechselbares Klangbild, das den Post-Rock für die aktuelle Generation teilweise neu definierte. Nun lässt die zu Beginn angesprochene Herangehensweise vermuten, dass die Band womöglich mit „I Was Here For A Moment, Then I Was Gone“ zu drastischen Veränderungen greift und ihre bisherige Ausrichtung wieder verwirft – doch obwohl sich Maybeshewill auf ihrem neuen Werk verändert präsentieren, ist der unverkennbare Stil der Truppe noch immer stets präsent.

Wenn in „Opening“ die ersten Klavier-Loops erklingen und langsam von Streichinstrumenten und Chören emporgehoben werden und anschließend „Take This To Heart“ mit harten Gitarren, treibenden Drums und dramatisch einsetzenden Streichern beginnt, ist nicht nur die Gänsehaut vorprogrammiert, sondern auch die neue Marschrichtung klar: Cineastisch, ja fast symphonisch mutet das Stück an und baut mit seinen komplexen, aus zahlreichen Spuren bestehenden Arrangements zwischen mächtigen Gitarren-Kaskaden, sanften Piano-Melodien und melancholischer Cello-Begleitung mehr Spannung auf, als es so manche Band in doppelt so langer Spielzeit vermag. Hiermit stellt der Song beileibe keine Ausnahme dar, denn im Grunde genommen bleiben die Briten diesem Prinzip das Album hinüber treu, jedoch nicht ohne jedes einzelne Stück mit Unmengen an Details, neuen Ideen und alten Trademarks auszustatten – das dabei auch einige liebgewonnene Elemente wie die Samples außen vor bleiben müssen, lässt sich ob dem erzielten enorm hohen Maß an Abwechslung ohne große Probleme verschmerzen.

Da jeder Song für sich ein kleines Meisterwerk darstellt, fällt es entsprechend schwer, einzelne Tracks hervorzuheben. Scheinbar spielend gelingt es der Band, zugleich perfekt durchdachte, als auch hochemotionale Stücke zu schreiben, die mal mit vorwärtsdrängenden, teilweise elektronischen Beats und eingängigen Melodien wie die Single „Critical Distance“ daherkommen und zu anderen Zeiten von stillen, von Trompete und Streichern bestimmten Momenten zu Crescendi von epischer Breite aufsteigen, wie es in „Words For Arabella“ geschieht. Doch nach wie vor ist es vor allem eine Qualität, die Maybeshewill auszeichnet: Wie es den Briten bei „He Films The Clouds Pt. 2“ vom Debüt bereits gelang, mit einer simplen Klavier-Akkordfolge so manchem Hörer die Tränen in die Augen zu treiben, schaffen sie es erneut mit einigen ihrer Melodien, auch das analytischste Gemüt sentimental werden zu lassen – so beispielsweise, wenn in „Farewell, Sarajevo“ nach einem trügerisch ruhigen Intro aus wabernden Synths und schmeichelnden Geigen urplötzlich eine mächtige Melodie zu wummerndem Schlagzeug in all ihrer emotionalen Gewalt erschallt und für einen der mitreißendsten Momente auf dem Album sorgt.

Wenn „I Was Here For A Moment, Then I Was Gone“ dann mit „Relative Minors“ und „From The Skies To A Hillside“ in seiner komplexesten Form zwischen den charakteristischen Pianos, harten Gitarrenriffs und aufstrebenden Leads in vollendetem Wechselspiel pendelnd ausklingt, kann man sich trotz eines Songs, der als „nur“ gut in Erinnerung bleibt („Accolades“) nur schwer dem Eindruck erwehren, eines der besten instrumentalen Rock-Alben des Jahres gehört zu haben. Ihre Wiedergeburt lässt die Band zwar in veränderter Form, aber unveränderter Qualität zurück – das neue Werk des Fünfers ist komplex, vielschichtig, emotional und dabei stilistisch völlig eigenständig, ohne mit bekannten Schemen zu brechen. Wenn dies das Debüt der Band sein soll, dann sind Maybeshewill ein unverzichtbarer Teil der Zukunft des Post-Rocks.

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