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Maybeshewill: Fair Youth

Gänsehaut, Nostalgie, Romantik
Wertung: 8,5/10
Genre: Instrumental, Post-Rock
Spielzeit: 49:55
Release: 22.08.2014
Label: Suberball Music

Maybeshewill sind Künstler. Mit mittlerweile drei Alben, von denen das letzte „I Was Here For A Moment, Then I Was Gone“ bei uns neun von zehn Punkten holen konnte, müssen die Jungs sich und anderen nichts mehr beweisen, wagen aber bei jeder Scheibe noch einen Schritt nach vorne. Bisher wurde alles weitestgehend im Do-It-Yourself-Modus veröffentlicht, den aktuellsten Output stellt nun das vierte Full-Length-Album „Fair Youth“ dar. Zuletzt beglückten uns die Briten ja 2013 mit der „Red Paper Lanterns“-Single, die äußerst monumental ausfiel – auch auf der neuen Platte wird nicht mit Reizen gegeizt, hat das Quintett doch versucht, möglichst alles live einzuspielen, gleichzeitig fließt hier aber ein steter elektronischer Strom, der den Songs etwas fast Romantisches gibt.

Ein bisschen Old School-Charakter wird hier bei der Instrumentalisierung gefeiert – klar, man zeigt sich in der Aufstellung Gitarren, Drums, Bass und Keyboard (und immer wieder muss gesagt werden: Maybeshewill sind wie Karma To Burn oder Animals As Leaders eine der sehr wenigen Bands, die bestens ohne Sänger auskommen!), allerdings wurde ebenso ein hundertjähriges Piano hinzugezogen, ebenso wie ein altes Drumkit, echte Streicher und Vibraphone – man darf also gespannt sein, wie all das sich mit dem modernen Electro verbindet.

Überhaupt sind Maybeshewill ja eher von der ruhigeren Sorte. Der nicht ganz eine Minute dauernde Opener „...“ stimmt den Hörer schon mal sanft auf das Kommende ein und leitet ohne lästige Pause zu „In Amber“ über, das schon ein bisschen mehr aus sich heraus geht und vor allem mit dominanten Pianoklängen besticht. Beschwingt gleitet der Song dahin und verbreitet ein Glücksgefühl, das sicherlich bei Liveauftritten der Band erst so richtig zu Tage tritt.

Im Titeltrack legen Maybeshewill ein bisschen an Tempo zu, obwohl man das bei den klirrenden Keyboardklängen erst noch gar nicht so richtig mitbekommt. Allmählich wird aber der Fuß ein bisschen aufs Gas gestellt, einen Herzschlag lang wird ausgesetzt, bevor sich Post-Rock-Gitarren ins Bild drängen. Dynamisch, wie man es sich wünscht, ähnlich wie beim folgenden „All Things Transient“. Maybeshewill haben es mittlerweile perfektioniert, Stücke zu erschaffen, die beim Hörer direkt Bilder heraufbeschwören – recht nostalgisch ist der Sound des Fünfers insgesamt, da schleicht sich auch schon mal die eine oder andere Gänsehaut ein.

Post-Rock ist ohnehin ein Schuh, den sich die Briten wahrscheinlich des Öfteren anziehen müssen, gleitet doch beispielsweise „Waking Life“ vor allem gitarrentechnisch wieder ganz klar in diese Richtung ab; die eingesprengten Pianomelodien erinnert ein klein bisschen an ältere The Cure-Platten, ein bisschen New Wave haben die Jungs also auch zumindest im Handgepäck.

„In The Blind“ bildet dann eine wunderbare Symbiose aus Streichern und Electro-Anteilen, die endlos traurig, aber dank der einsetzenden Gitarren doch mit ein wenig Biss durch die Membranen fließt und die lang ersehnte Gänsehaut bietet. Maybeshewill müssen nichts beweisen, tun es aber trotzdem gerne: „Fair Youth“ kann mithalten.

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