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Mayan: Quarterpast

Für Fans von harten Epica mit Coroner und Atmosphäre
Wertung: 9/10
Genre: Symphonic Progressive Death Metal
Spielzeit: 59:14
Release: 20.05.2011
Label: Nuclear Blast

Mayans “Quarterpast” stellt zwar das Debut der 2010 neu gegründeten Band dar, doch bei dieser niederländisch-deutschen Kooperationsgemeinschaft tummelt sich so allerhand szenebekannte Metalprominenz. Auf Initiative von Epicas Gitarrist Mark sowie Jack Driessen (Keyboard) und Sander Gommans (Gitarre) der nicht mehr existenten Truppe After Forever startete dieses Projekt, doch schnell wurde Sander wegen Zeitmangels durch Frank Schiphorst (Symmentry) ausgetauscht. Nach dem Schreiben der ersten Songs mussten weitere Mitstreiter her, die dann in dem Schlagzeuger Ariën Van Weesenbeek (Epica), Isaac Delahaye (ebenfalls Epica) und Jeroen Paul Thesseling (Pestilence) gefunden wurden. Letzterer stieg dann wegen seines platzenden Terminkalenders nach den Aufnahmen aus, wofür dann ex-Sun Caged/ ex-Delain-Bassist Rob van der Loo in die Bresche sprang. Alles klar soweit?

Damit nicht nur Mark auf dem Album herumgrunzt, haben sich Mayan auch einmal im näheren Freundes- und Bandumfeld umgesehen und dabei ein Auge auf Simone Simmons (Epica, was auch sonst) geworfen, und auch Henning Basse (Sons Of Seasons sowie Floor Jansen (After Forever, Revamp) haben ein paar Vocallines beigesteuert. Abgerundet wird es dann nur noch durch die in Metallerkreisen eher unbekannte italienische Opern-Sängerin Laura Macri.

Bei diesen ganzen Querverweisen kann man sich dann schon schnell an einer Hand abzählen, was denn auf „Quarterpast“ zu erwarten ist – richtig: Symphonischer Death Metal, der häufig verspielt mit Frauengesang angereichert wurde. Schon der fast achtminütige Opener „Symphony Of Aggression“ zeigt die facettenreiche Musik auf – natürlich lassen Epica an allen Ecken und Enden grüßen, tief gestimmte Gitarren konkurrieren mit der Double-Bass, und auch das eine oder andere Schwarzwurzelriff hat sich hier verirrt. Mark grunzt dominant und wird nur kurz durch Simones gewohnt süße Stimme gebändigt, und ständig hinterlegen die Keys ein dramaturgisch energisches sowie harmonisches Soundgerüst. Nur kurz wird das Tempo herausgenommen und wieder mit Simones Stimme gefüllt, bevor brachial Mark dazwischengrätscht. Fetter Opener.

Der Anfang von „Mainstay Of Society“ erinnert eindeutig an alte Coroner, bevor dann wieder das Epica-Erfolgsrezept die Überhand gewinnt – ein Wechselspiel aus geradeheraus geprügelten Parts und Coroner-Frickeleien, unterstützt durch einmal Simones Klargesang und Marks derbem Gerülpse. Gegen Ende wechselt die Stimme, ihr wird ein wenig Hysterie beigemengt, erreicht aber nicht die Panik eines Dani Filth.

„Quarterpast“, „Essenza Di Te“ und „Tithe“ sind kleine Intermezzi – verspielt, atmosphärisch – hier kann man auch Parallelen zu Waltaris Death Metal-Oper „Yeah! Yeah! Die! Die! A Death Metal Symphony In Deep C“ erkennen. Diese Zwischenspiele wirken allerdings nicht wie Füllwerke, sondern sie passen sich harmonisch in das Gesamtkonzept an und bereiten auf den nächsten Schredder-Part vor, bieten eher eine Atempause vor dem Sturm auf Orkanniveau.

Auch in „Course Of Life“ hören sich die Vocals teilweise wie eine fiese Mischung aus Dani und Ron Royce (Coroner) an, und wer auf die zweitgenannte Band steht und dem etwas progressiverem Touch in Verbindung mit gegrunzten Vocals und atmoshärischen Einsprengseln nicht abgeneigt ist, hat hier einen weiteren Anspieltipp gefunden.

„The Savage Massacre“ sprengt gleich ebenfalls alle Erwartungen, prescht in bester Cradle Of Filth-Manier vorwärts, tiefe Growls wechseln sich mit klarem Gesang ab und katapultieren den Song mit an die Albumspitze, und der häufig nervende Operngesang verquickt sich zu einer ornamentalen Einheit – nicht unbedingt neu, aber unglaublich gut umgesetzt.

Fast schon kirmeshaft kommt das Intro zu „War On Terror“ daher, aber dieser Eindruck wird kurze Zeit später durch die fett bratenden Gitarren zerstört, und auch der fiese Aggro-Death-Gesang untergräbt die anfänglich verspielte gute Laune. Nach knapp zwei Minuten entwickelt sich der Song sogar zu einem symphonischen Black Metal-Geschredder ohne jemals die Songstrukturen zu verlieren – dafür sorgen immer wieder die Keyboardparts, die weiterhin dramatisch die Szenerie bunt färben.

Natürlich muss man sich vor Augen halten, dass bei Mayan keine Anfänger ins Studio watschelten, und dennoch: Solch ein Debut muss erst einmal eingetrümmert werden. Und natürlich kann man über zahlreiche Parallelen zu den Hauscombos ablästern – aber es nützt nichts: Mayan haben mit „Quarterpast“ ein äußerst starkes Debut abgeliefert. Wer sich schon immer für die härtesten Epica-Stücke begeistern konnte, wer dem progressiven Touch nicht abgeneigt ist, wer sich ein fett produziertes Kunstwerk ins Regal stellen will, der und auch die ist mit „Quarterpast“ bestens bedient. Doch Vorsicht: Dieser Silberling wird sich so schnell nicht mehr aus dem Player vertreiben lassen. „Quarterpast“ hat einfach nur Stil.

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