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May The Force Be With You: The Flood

Nach dieser Band die Sintflut
Wertung: 8.5/10
Genre: Hardcore, Thrash Metal
Spielzeit: 26:56
Release:
Label: Horror Business Records

May The Force Be With You sind eine der Bands, bei denen man das Gefühl hat, dass es sie schon ewig gibt, einfach weil man den Namen schon so oft gehört hat. In der deutschen Core-Szene sind die Jungs aus dem Pott schon eine kleine Berühmtheit, dabei kommt erst jetzt mit „The Flood“ ihr Erstlingswerk auf den reichlich übersättigten Markt. Seit ihrem selbstbetitelten Demo 2005 sind die fünf Chaoten rund um Sänger Theodor Spinne fast inflationär häufig auf irgendwelchen Hardcore-, Metalcore- oder überhaupt Metalsamplern vertreten und haben sich damit einen Ruf als technisch großartige Band erarbeitet. Ob das auch auf Albumlänge funktioniert, wollen wir nachprüfen.

Von „Albumlänge“ kann man eigentlich bei knapp 27 Minuten Spielzeit nicht reden, eher von Masse – auf diese Zeit kommen nämlich sage und schreibe elf Songs, das macht einen Durchschnitt von knapp zwei Minuten und 40 Sekunden pro Song; also gerade genug, um die Hirnwindungen der Hörer so richtig durchzupusten. Genau nach dem Motto wird auch losgelegt: „20.000 Lies“, zu dem übrigens auf dem Mediapart der CD ein hübsches kleines Filmchen exisitiert, kredenzt direkt einen Mördersound mit dominantem Bass und ebensolcher Bassdrum – Kopfhörersessions sind hier wärmstens empfohlen, sofern man nicht besonders anfällig für Kopfschmerzen ist. Herr Spinne überzeugt mit absolut schizophrenem Gesang zwischen manischen Growls und hysterischen Screams und erinnert hier ein bisschen an die alten Architects.

Wer dachte, dieser Auftakt wäre nicht zu toppen, wird bei „Becoming Hell“ Zeuge eines Hardcore-Stampfers erster Güte. Der Song knüpft nahtlos an seinen Vorgänger an, so dass man nicht einmal Zeit hat, um zu Atem zu kommen – hier steigern sich massive Breakdowns, die natürlich durch die großartige Produktion von Raphael Volkmer und Patrick Engel noch ins rechte Licht gerückt werden, zu einem episch angehauchten, aber dennoch brutalen Zwischenpart, der leichte Erinnerungen an frühere Heaven Shall Burn-Werke weckt.

Das erste wirklich große Highlight zwischen vielen großartigen Songs bildet „The Shimmering Even“, bei dem „20.000 Lies“-Videodirektor Fabian Krumwiede seine heiseren Vocals mit beisteuern darf. Der Song ist im Vergleich zum Rest verhältnismäßig episch angelegt und lebt von einem tollen Rhythmus, der zwar im ersten Moment recht simpel erscheint, den Song aber letztlich zu einem echten Erlebnis macht. Hier wird ohne klaren Gesang eine fast schwarzmetallisch düstere, apokalyptische Stimmung erzeugt, die nicht nur Gänsehaut, sondern auch ein mulmiges Gefühl im Magen fabriziert.

In eine ähnliche Richtung tendiert „Juggernaut“, dessen Gitarren das Bild heraufbeschwören, wie Amon Amarth mit einer Deathcore-Band zusammengesperrt werden. Der ganze Song hat einen etwas dumpferen Sound als der Rest des Albums, wie man ihn vor allem von älteren Viking-Metal-Scheiben kennt. Damit wird einmal mehr bewiesen: MTFBWY sind im kleinen Finger stilsicherer als manche Band als Ganzes, denn keiner der vollzogenen „Stilbrüche“ wirkt in irgendeiner Form erzwungen oder gar gewollt. Ebenso natürlich wie das Viking-Feeling im drittletzten Song gestaltet sich die Brutalität von „Over And Out, Monster!“: Allein der Anfangsschrei ist Gold wert – immer, wenn man denkt, die Stimmbänder müssten reißen, setzt Theodor noch einen drauf, peitscht seine Stimme noch ein wenig höher, setzt den Schrei noch ein wenig länger ein, bis man sich ein breites Grinsen kaum mehr verkneifen kann. Der Song stellt den ersten und einzigen dieser Platte, in dem Klargesang eingesetzt wird – das ist übrigens sehr genial, weil der Gesang sehr auffällig ist, aber durch den Wechsel mit Geschrei doch irgendwie dezent ausfällt, bevor sich der Track in einer Moshattacke mit Grindcore-lastig verzerrten Vocals entlädt.

Lesern, die sich jetzt ein wenig erschlagen fühlen, sei gesagt: Mir geht es nicht anders - also direkt auf „Repeat“ gestellt und diese großartige Platte noch einmal durch die Synapsen gejagt.

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