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Masters Of Reality: Masters Of Reality

Open minded Rock der Extraklasse
Wertung: 9.5/10
Genre: Rock`n`Roll
Spielzeit: 42:39
Release: 01.01.1989
Label: Def American Recordings

Seltsame Dinge trugen sich anno 1989 zu. Da kommt plötzlich das Debut einer schon 1981 gegründeten Band auf den Markt, welche sich auch noch nach einer Black Sabbath-Langspielplatte benannt haben. Das Cover ziert nicht einmal den Namen der Band und somit knallte die Plattenfirma Def American Recordings einen runden schwarzen Aufkleber drauf, auf dem der Name steht.

„Theme For The Scientist Of The Invisible” wird erstmal so eröffnet, dass alle Musiker ihre Instrumente sprechen lassen, um dann für sehr kurze Zeit eine schöne Melodie anzuspielen, bevor dann auch schon viel zu früh Schluss ist, so dass man dieses gerade mal  eineinhalbminütige Stück eher als zu kurz geratenes Intro durchgehen lassen kann.

„Domino“ rockt dann für Bandverhältnisse recht forsch daher. Speziell der Gesang von Chris Goss ist hier das absolute Sahnehäubchen. Irgendwie klingt es schräg, aber genau das ist es, was hier den bestimmten Reiz ausmacht. Absolut authentisch singt er mit einer klaren Stimme zu rockiger Instrumentierung. Hat fast ein wenig 60er Jahre-Charme, ohne allerdings altmodisch zu klingen. 

„The Blue Garden“, wie das Album wegen des Covers übrigens auch häufiger genannt wird, ist ein Meisterwerk mit absolutem Kultcharakter. Irgendwie klingt das Stück fast wie eine Anhäufung jeder Menge Einflüsse aus den alten Zeiten des Rock`n`Roll, welche sich zu einer geordneten Jamsession entwickeln. Toll, wie hier mit dem Stereoeffekt gearbeitet wird. Das hervorragende Schlagzeugspiel von Vinnie Ludovico ist hier auch einmal besonders hervorzuheben. 

Dieser Charakter wird dann bei „Gettin` High“ noch deutlicher verstärkt. Die fast ein wenig schrullig anmutende Gitarrenarbeit von Tim Harrington sorgt im ersten Moment sicherlich für ein wenig Irritation, brennt sich dann mit dem coolen Gesang von Chris Goss (Produzent unter anderem von Kyuss und Queens Of The Stone Age) tief ins Gedächtnis. Das hört sich wie eine schräge Version aus eher weniger Single-geprägten Bachmann-Turner Overdrive-Zeit mit viel Boogie Woogie im Blut an.

„The Candy Song“ tritt dann deutlich mehr in den Popo. Die trockene, nüchterne Produktion vom Bandentdecker Rick Rubin sorgt hier ebenso für das besondere Extra wie auch die exzellente Gitarre, die ohne großen Schnickschnack oder jegliche Geschwindigkeitsorgien viel Stimmung zu erzeugen weiß. 

„Magical Spell“ ist dann eine weitere stilübergreifende Offenbarung. Irgendwo im wenig weinerlichen weißen Blues angehaucht, zockt man sich durch die Strophen. Unglaublich, der Mittelpart hört sich fast wie ein Kuhflocken-Solo an, wie man es aus der bajuwarischen Schlagerecke kennen könnte. Dass hier keine Teenager am Werk sind, ist klar, aber das hört sich eigentlich nach mindestens 40 Jahren Musikererfahrung an. Unglaublich präsent und ohne jegliche Scheu wird hier musiziert. 

Noch mehr in die Blues Rock-Schiene läuft dann „The Eyes Of Texas“: Ein Stampfer mit viel Energie und auch einem kleinen bisschen Southern Feeling und das nicht nur wegen des Textes. Das groovt und lädt zum Mitsingen und Mitschnippen ein. Tim Harrington legt dann zum Ende noch mal ein Solo ein, bevor Chris nochmal den Refrain, getragen von einer eher zurückhaltenden Gitarre anstimmt. Ganz großes Rock`n`Roll-Kino, was die Band hier abliefert.

„Sleep Walkin`“ geht da schon fast ein wenig unter in diesem grandiosen Potpourrie, obwohl der Song auch deutlich über dem allgemeinen Durchschnitt liegt und den meisten anderen Bands als Highlight genügen würde. 

Deutlich extremer wird dann das kultige „Lookin`To Get Rite“, welches mit Country-Gitarre und den Handtrommeln für noch mehr Offenheit beim Hörer wirbt. Tolle Nummer im Gesamtkonzept, als einzelner Song jedoch nur wenig tauglich, um mich zu begeistern.

„John Brown” zieht dann wieder die Blues Rock-Karte und sorgt für viel Freude beim Hörer. Gerade der Bass von Googe sorgt hier im Hintergrund für einiges an Drive, der den Groove des Songs deutlich verstärkt, ohne aber den Bass zu weit in den Vordergrund zu stellen, denn da steht die unglaubliche Gitarre. So kann weißer Blues Rock klingen, ohne sich beim Urblues anzubiedern. 

„Kill The King“ ist dann ein weiteres Highlight zum großen Finale des Albums. Mit der Klaviereröffnung von Googe sammelt die Band erstmal weiter überraschende Pluspunkte, das klingt schwermütig und dennoch belebend wegen der eher positiv stimmenden Gitarre. Doch dann geht es wieder deutlich rockiger zur Sache. Eine starke Hardrock Nummer mit einigen kleinen Überraschungen und viel Charme, was insgesamt dafür sorgt, dass die siebeneinhalb Minuten eher wie zweieinhalb klingen. Viele finden das Outro des Songs für zu langwierig, für mich hätte es noch ein paar Runden machen können. Viel besser geht es nicht.

Fazit: Ein herausragendes Debut einer Band, die im weiteren Verlauf auch häufig als Begründer des Stonerocks genannt wird. Damals hatte es eigentlich keine wirkliche Chance auf großen Erfolg, denn trotz unglaublich hohen Niveaus war solch ein Retrosound nicht wirklich angesagt. Der modernen Hardrock wurde gerade vom Grunge abgelöst und der Metal steckte in den letzten Zügen des allgemeinen 80er Jahre Hypes. Das Album stach heraus, wollte aber so gar nicht in irgendeine Schublade passen. Ich muss auch zugeben, dass dies das mir bisher einzig bekannte Album von Masters Of Reality ist, welches mich derart überzeugt. „Sunrise On The Sufferbus“ oder auch „Welcome To The Western Lodge” konnten mich bei weitem nicht mehr so mitreißen. Ein wirklicher Rohdiamant, dem in der Öffentlichkeit viel zu wenig Beachtung zuteil geworden ist. Wer meint, dass er in der Musik gerne mal Grenzen überschreitet, sollte hier unbedingt zugreifen.

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