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Masterplan: Novum Initium

Guter Einstand des neuen Sängers, doch das Vorgängeralbum war stärker
Wertung: 7/10
Genre: Melodic Power Metal
Spielzeit: 51:16
Release: 14.06.2013
Label: AFM Records (Soulfood)

Beim fünften Studioalbum sind Masterplan mit „Novum Initium“ inzwischen angelangt – und haben seit der letzten Langrille „Time To Be King“ von 2010 mal wieder kräftig das Line-up durcheinandergewirbelt. Freute man sich vor drei Jahren noch über die Rückkehr von Rockröhre Jørn Lande, so musste man Ende letzten Jahres plötzlich erfahren, dass der Norweger auf dem nächsten Album schon wieder gar nicht mehr dabei ist. Doch auch die Rhythmussektion wurde ausgetauscht: Die Basssaiten werden fortan von Jari Kainulainen (ex-Stratovarius, ex-Evergrey) gezupft und hinter dem Schlagzeug nimmt mittlerweile Cradle Of Filth-Felleverdrescher Martin Škaroupka Platz. Begründungen, weshalb die vorigen Bandmitglieder auf einmal raus sind, wurden nicht geliefert und angesichts des Ausnahmekönnens gerade eines Jørn Lande, der perfekt zu der Musik der Power Metaller passte, machte sich gleich ein wenig Enttäuschung breit.

Aber auch wenn „Mk II“, bei dem mit Mike DiMeo ja ebenfalls ein anderer Sänger zu hören war, seinerzeit nicht wirklich vom Hocker riss, sollte man selbstverständlich auf keinen Fall ein vorschnelles Urteil fällen, denn es lag damals schließlich nicht an DiMeo, dass die Scheibe nicht richtig zünden wollte, sondern in erster Linie am wenig berauschenden Songmaterial.

Bei diesem weiteren Neuanfang konnte man also nur hoffen, dass sie es besser machen, und was den neuen Frontmann betrifft, so lässt sich konstatieren, dass die Band mit Rick Altzi schon mal einen guten Griff getan hat. Der Schwede ist manch einem sicherlich von seiner Tätigkeit bei den Mainzern At Vance sowie den Finnen Thunderstone bekannt – auch beim letzten Soloalbum „Right In The Guts“ von Accept-Gitarrist Herman Frank war er für die Vocals zuständig. Er hört sich mehr nach Originalsänger Jørn Lande an als Mike DiMeo, wobei man beim Quasi-Opener „The Game“ fast ein bisschen an Ex-Firewind-Sänger Apollo Papathanasio denken muss, wie überhaupt der Song ein wenig an Gus G.s Combo erinnert. Allerdings fehlt der nötige Biss, auch wenn die Melodien in Strophe und Chorus durchaus ganz nett anzuhören sind. Dass der Sound leicht matschig geraten ist und die Drums getriggert sind, wie sich schnell herausstellt, trägt auch nicht unbedingt zum Anheben der Laune bei.

Richtig bitter wird es allerdings bei „Black Night Of Magic“, bei dem die Truppe äußerst frech bei sich selbst klaut. Das Ganze klingt dermaßen nach einem Abklatsch (und leider keinem gelungenen) vom Überhit „Kind Hearted Light“ (inklusive Lande-Gedächtnisschreie), dass es echt nicht mehr feierlich ist. Dass eine Band hier und da mit Riffs oder Melodien aufwartet, die man in ähnlicher Manier schon vorher mal gehört hat, ist ja nichts Ungewöhnliches und auch verzeihlich, aber der vorliegende Fall ist schon etwas arg.

So viel zu den Negativpunkten, es soll jedoch nicht der Eindruck entstehen, dass „Novum Initium“ ein totaler Flop geworden sei. Zwar kann die Scheibe nicht mit dem Vorgänger mithalten, doch gute bis sehr gute Momente darf auch diese Platte ihr Eigen nennen. Lobenswert ist vor allem, wie Masterplan um Abwechslung bemüht sind: Balladesk angehauchte Stücke wechseln sich mit powermetallischen Nummern ab und auch für Experimentelles wurde Platz gelassen: So wird „Betrayal“ mit Sitar und überhaupt indischem Flair eingeleitet und bietet somit immerhin – auch wenn das Ganze mit den unnötigen Keyboard-Chor-Sounds leicht verquer arrangiert wurde – ein bisschen was anderes abseits der üblichen Power-Metal-Klischees.

Die weiteren Highlights sind in Form von „Return From Avalon“ und dem zehnminütigen Titelstück, das ans Ende des Albums verfrachtet wurde, anzutreffen. Ersteres besticht durch eine sehr eingängige Gitarrenmelodie, die sofort aufhorchen lässt, sowie sehr geschmeidige Rhythmen und Melodien, die der Nummer einen gewissen „edlen“ Touch verleihen. Der Titeltrack hingegen überzeugt mit einem spannenden Aufbau und aufregenden, spielfreudigen Solopassagen, die viel Spaß machen. Auch die Single „Keep Your Dream Alive“ weiß mit ihrem düsteren Anstrich zu gefallen, genauso wie die Powerballade „Through Your Eyes“, die mit majestätischem Mid-/Downtempo sehr gediegen daherkommt.

Beim restlichen Material handelt es sich um irgendwie gut gemachte, solide Songs, die man zum Teil schon in ähnlicher Form und anderswo gehört hat (das Übliche eben), und weder als herausragend noch als schlecht bezeichnen könnte. „Pray On My Soul“ beispielsweise ist eine ganz ordentliche, melancholische Komposition, die aber zum einen Ohr herein und zum anderen gleich wieder herausgeht, während „Earth Is Going Down“ dem Titel entsprechend eine heaviere Attitüde mit Masterplan-typischen Melodien im Refrain besitzt, doch auch nicht unbedingt der Weisheit letzten Schluss darstellt.

Insgesamt landet die deutsch-schwedisch-finnisch-tschechische Multikulti-Truppe mit „Novum Initium“ im oberen Mittelfeld. Manches am Material ist sicherlich zu sehr Standardware, doch einige interessante Einfälle können dies zumindest fast ausgleichen. Nach wie vor sehr stark ist Roland Grapows Gitarrenarbeit und auch Rick Altzi kann mit facettenreicher und zum Bandsound passender Stimme überzeugen. Etwas mehr Zug beim Songwriting und nächstes Mal gibt es wieder mehr als sieben Punkte.

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