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Martha: Love Keeps Kicking

Statt starker Kicks gibt es hier nur müde Tritte
Wertung: 4/10
Genre: Indie Rock
Spielzeit: 37:07
Release: 05.04.2019
Label: Big Scary Monsters

Die Briten Martha als Punkrock zu bezeichnen, ist vielleicht ein klein wenig hoch gegriffen. „Love Keeps Kicking“, die aktuelle Scheibe der Truppe, bringt schon beim Titel nicht besonders viel Rotzattitüde rüber, geschweige denn beim Cover – der Typ, der da in Badehose mit den Füßen im Meer steht, sieht eher aus, als würde er beim Anblick einer Gruppe Punks die Straßenseite wechseln. Und auch musikalisch kann man hier gerne noch von Indie Rock sprechen, punkige Elemente muss man aber eher mit der Lupe suchen.

Die beiden Sänger Nathan und Daniel halten sich allerdings erstaunlich gut, auch wenn vor allem Nathans Vocals teils etwas gewöhnungsbedürftig ausfallen; da kann Daniel mit seiner etwas rotzigeren Stimme schon eher überzeugen – ausgerechnet die Dame des Hauses kostet die Band dann bereits bei „Into This“ einige Punkte: Zu zuckrig, zu süßlich gerät hier der Gesang, da kann man auch kein Auge zudrücken, stattdessen findet der Finger recht bald die Skip-Taste. „Sight For Sore Eyes“ überzeugt dann mit treibendem Schlagzeug und einer rock‘n‘rolligen Gitarrenarbeit, die man so gar nicht unbedingt erwartet hätte, die aber perfekt zum Fifties-Vibe des Tracks passt.

Auch der Opener „Heart Is Healing“ kann sich trotz insgesamt recht dünnem Gesang und vor allem superkitschigem Titel einen Platz in der Anspieltippliste erspielen, was nicht zuletzt an dem erstaunlich tanzbaren Beat liegt. Titel wie „Mini Was A Preteen Arsonist“ machen dann Hoffnung auf etwas flottere Stücke, werden aber recht schnell zerschlagen – blöd, denn da hätte man sicherlich einen richtig hässlichen Punksong draus schneidern können. Stattdessen kommt Naomis süßliches Gesinge wieder durch die Boxen geschlittert, so dass man aufpassen muss, den Skipknopf auch wirklich zu treffen.

Gerade beim Titelsong fällt wieder verstärkt auf, wo das eigentliche Problem der Truppe liegt: Instrumental bieten Martha nämlich einiges an Bewegung an, aber keiner der Vokalisten, sei es männlich oder weiblich, schafft es auch nur annähernd, dem Song einen Hauch von Tiefe zu verleihen. Hier ist nur oberflächliches Gesäusel am Werk, das mit nur einem (!) stärkeren Sänger sicherlich deutlich mehr hätte punkten können. Klasse statt Masse wäre hier das Gebot der Stunde gewesen.

Dabei versprechen Gitarrenintros wie bei „The Void“ durchaus saftigen Indie Rock, und tatsächlich kann der gedoppelte zweigeschlechtliche Gesang kurzfristig ein paar Pünktchen sammeln, flüchtet sich dann aber schon im Refrain wieder in deutlich seichtere Gewässer. Dass der Track dennoch einen der stärksten auf „Love Keeps Kicking“ markiert, ist dann eher ein Armutszeugnis als ein Beweis musikalischer Spannkraft.

Man war ja beim Artwork schon skeptisch, hatte sich aber unter dem Banner „never judge a record by its cover“ noch zusammengerissen; knapp 37 Minuten später wird man dann aber den Eindruck nicht los, dass „Love Keeps Kicking“ es nicht in die persönlichen Jahres-Top-Ten schaffen wird. Zu zahnlos, zu zahm, zu wenig erfrischend kommen die elf Songs durch die Boxen, was vornehmlich an den gesanglichen Qualitäten sämtlicher Bandmitglieder zu liegen scheint. Schade, aber sicherlich finden sich auch für diesen Sound genügend Fans. Nur nicht hier.

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