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Marionette: Enemies

Highspeed-Melo-Death mit Potenzial
Wertung: 8/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 48:49
Release: 16.10.2009
Label: Listenable Records

Auch der schwedische Melodic Death Metal hat sich entwickelt, auch wenn sich viele Anhänger der Göteborger Szene sich das anders wünschen. Ein neuer Sprössling der moderneren Ausrichtung dieses Genres sind nun Marionette – aber können diese sich mit ihrem zweiten Album nun wirklich hervortun?

Diese Antwort wird wohl bei jedem anders ausfallen, denn wer auf großartige Innovationen hofft, wird hier nicht glücklich. Wer jedoch nach einem Album sucht, das modern ist, ohne seine Wurzeln zu verleugnen, wird hier mehr als zufrieden sein, denn das Göteborger Sextett biedert keine Trends an, sondern zieht einfach sein Ding durch.

Die auf dem Vorgänger „Spite“ noch oftmals vorhandenen Metalcore-Anleihen wurden bis auf kleinere Ausnahmen dieses Mal außen vor gelassen und sind modernem Hochgeschwindigkeits Melodic Death Metal gewichen, denn kaum eines der Stücke bewegt sich nicht im Uptempo-Bereich. Übernommen wurde der gekonnte Keyboard-Einsatz – dieser gestaltet sich jedoch nicht ähnlich intensiv wie beispielsweise bei Children Of Bodom, sondern nimmt eine eher unterstützende Position ein, nur selten wird ihm eine tragende Rolle bei der Melodieführung zuteil.

Ein gutes Beispiel für diesen Fall ist beispielsweise der erste Track der CD, „The Swine“, dessen heftige Strophen von einer eingängigen, aber nicht zu aufdringlichen Keyboard-Melodie begleitet, bevor im Refrain die Bremse angezogen wird und die Keyboard-Klänge dazu dienen, dem Refrain eine epische Wirkung zu geben. Andere Songs wie „The Silver Spoon“ oder „Stench Of The Herd“ setzen hauptsächlich auf Geschwindigkeit und verzichten auf allzu viele Details, bestechen jedoch immer wieder mit songwriterischen Finessen wie den gelungenen Lead Gitarren-Melodien im zuletzt genannten Stück.

Beim Gesang hingegen werden eher wenige Akzente gesetzt, gelegentlich erklingt zwar ein wenig klarer Backgroundgesang oder ein paar Growls wie in „Hatelust“ werden zum Besten gegeben, größtenteils herrscht jedoch der manchmal etwas gleichförmige Kreischgesang vor – immerhin ist dieser jedoch recht kraftvoll und wirkt durchgängig hasserfüllt.

Zwischen dem dank des hohen technischen Anspruches selten langweiligem Gemetzel gibt es immer wieder kleinere Experimente zu hören, von denen man sich insgesamt noch deutlich mehr wünschen würde: Auf das mit ruppigem Riffing versehene Interlude „The Slaughter“ folgt das wohl stärkste Stück der Platte, „The Lie“, das bereits mit dem Akustik-Intro zeigt, dass hier eine andere Herangehensweise als sonst gewählt wird. Das Tempo ist hier deutlich geringer als auf dem Rest des Albums, was insbesondere der beinahe orchestralen Ausrichtung des Songs zugute kommt, die hauptsächlich von den Bombast-Keyboards herrührt. Die Akustik-Elemente vom Anfang finden auch als Zwischenspiele noch einmal Verwendung, so dass „The Lie“ der mit Abstand abwechslungsreichste Track der CD ist.

Abseits dieses Highlights verdient wohl noch das Stück „Creatures“ Erwähnung, bei dem wieder starke Lead Gitarren-Harmonien zu hören sind und ein überzeugender Refrain das Stück abrundet.

Trotz der gelegentlich nicht zu verleugnenden Gleichförmigkeit vermag „Enemies“ zu überzeugen, denn die Qualität der Stücke ist durchgängig auf einem hohen Niveau. Das Tempo ist hoch, das technische Können der Musiker ebenfalls und auch beim Songwriting gibt es nicht allzu viel zu beanstanden, insbesondere „The Lie“ lässt das enorme Potenzial erahnen, welches die Band dort besitzt.

Sollte an dieser Stelle angesetzt werden, ist es durchaus vorstellbar, dass sich Marionette an die Spitze der aktuellen Melodic Death Metal-Szene spielen, denn mit solchen Songstrukturen ist man dem Großteil der Konkurrenz um einige Nasenlängen voraus.Weiter bringen wird dieses Album so das Genre sicher nicht, doch zumindest verhilft es ihm zu einer weiteren hörenswerten Scheibe, die sich ein ganzes Stück über dem Durchschnitt bewegt.

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