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Marilyn Manson: Golden Age of Grotesque

Es fehlt hier einfach fast komplett jene magische Atmosphäre der letzten Alben
Wertung: 6.5/10
Genre: Hard Rock, Metal
Spielzeit: 61:15
Release: 12.05.2003
Label: Interscope Records

Was gibt es wohl noch zu sagen, was nicht schon alles über den androgynen und wandlungsfähigen Schock-Rocker mit dem klangvollen Namen Marilyn Manson (alias Brian Warner) bereits gesagt wurde? Im Grunde genommen nicht viel Neues, außer natürlich der Tatsache, dass Mr. Manson nun im Laufe der Zeit doch auf eine recht beachtliche und erfolgreiche Karriere zurück blicken kann. Die krönenden Meisterwerke des Amerikaners sind sicherlich die beiden Alben “Mechanical Animals“ (1998) und dessen konsequent-inhaltliche Fortsetzung “Holy Wood“ (2000), die beide zwar musikalisch und atmosphärisch unterschiedlicher nicht hätten ausfallen können, aber wahrlich perfekt Mansons Gespür für musikalische Kompositionen widerspiegeln und ihn nahezu unendlich facettenreich präsentieren (ob nun als böser Antichrist, verletzlicher Philosoph oder als androgynes Wesen einer Gesichtslosen und kalten Welt - jede Rolle spielte Marilyn Manson perfekt bis fast zur eigenen Selbstaufgabe). Ein Künstler ist natürlich immer bestrebt sich geistig und in seiner dargebotenen Kunstform weiterzuentwickeln. Demzufolge überraschte es auch seinerzeit im Frühjahr 2003 nicht, als mit dem aktuellen Album “The Golden Age of Grotsque“ wieder etwas völlig Neues von Amerikas „Kinderschreck Nr. 1“ präsentiert wurde:

So stand dieses vorliegende Album thematisch nunmehr im heimischen Nebel der deutschen Vorkriegszeit des zweiten Weltkrieges. Genauer gesagt in den 20er und frühen 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, als noch die Weimarer Republik vorherrschte und man sich den goldenen und surrealen Künsten (bzw. Kunstformen) widmete. Eine Zeit also, in welcher besonders in Berlin dem Expressionismus als Kunstform gefrönt wurde und man sich bei einem gemütlichen Glas Absinth stundenlang philosophischen Themen widmete. Dass Mr. Manson selbst schon immer sehr von dieser Epoche angetan war, ist im Grunde nichts Neues. So ist der Künstler doch selbst ein begnadeter Maler und Kunstkenner und weiß somit wirklich, wovon er spricht. Also warum dieser ganzen Thematik nicht auch ein komplettes Album widmen? Sicherlich eine logische und nachvollziehbare Konsequenz. Nur wäre es im Nachhinein wohl wirklich besser gewesen, mit etwas mehr „Liebe zum Detail“ an die Sache ran zu gehen und sich nicht allzu sehr von seinen ursprünglichen Wurzel zu entfernen.

Aber nun erst mal langsam der Reihe nach: Das instrumentale Intro “Theater“ bereitet uns zielsicher auf diese neue, musikalische Reise vor, in dem es uns ziemlich gezielt suggeriert, in einem alten Kinosaal zu sitzen und zu warten bis der lang ersehnte schwarz/weiß Film über die Leinwand flimmert. Just unterbrochen wird dieses recht gemütliche Szenario vom durchaus gelungenen Eröffnungstitel “This is the New Shit“, welcher inhaltlich mit passendem Zynismus und einem musikalischen Klanggewitter aus harten Drums, verzehrten Elektrogitarren und Mansons berühmtem Schreigesang aufwarten kann. Ein wirklich passender und gelungener Einstieg, bei dem man in jedem Falle meinen könnte, dass nun eigentlich nichts mehr schief gehen kann. Nachfolgender Track “mOBSCENE“ war im Grunde schon durch seine Vorab-Singleauskopplung bekannt und gesellt sich in die Tradition weniger ernstzunehmender Marilyn Manson Songs, die aber besonders auf Grund ihrer eingängigen Refrains und Melodiebögen sehr häufig bei den hiesigen Musiksendern rauf- und runter gespielt werden.

Soweit, so gut... Doch was bei “Doll-Dagga Buzz-Buzz Ziggety-Zag“ und “Kaboom Ka-boom“ noch recht witzig und positiv-verspielt anmutet, stellt sich schon bei “Use your Fist and not your Mouth“ als traurige Wahrheit heraus: Es scheinen Manson wirklich die innovativen Ideen ausgegangen zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, wieso man mit einem Male so ein belangloses und plumpes Stück Musik auf die Menschheit los lässt. Warum nur verliert sich hier Marilyn Manson in inhaltlichen und musikalischen Plattheiten, zumal er das wahrlich nicht nötig hätte?

Viel besser sieht es diesbezüglich aber leider auch nicht beim titelgebenden Albumtrack “The Golden Age of Grotesque“ aus. Zwar überzeugt dieser Song besonders durch Mansons extrem verzehrten und surreal klingenden Gesang, aber irgendwo scheint auch hier der letzte Biss gefehlt zu haben, sich wirklich von der Masse abheben zu wollen (dafür ist der Titel einfach im Gesamtkonstrukt zu brav gehalten worden).

Deutlich angenehmer verhält es sich da beispielsweise mit “(s)Anint“, “Slutgarden“ und “Para-noir“, welche wirklich eindrucksvolle Hard Rock Stücke (mit leichtem Metal Einschlag) geworden sind, die fast nahtlos an alte “Mechanical Animals“-Zeiten anknüpfen können, aber dennoch ihre individuelle Eigenständigkeit für sich bewahren. Ein deutlicher und positiver Lichtblick also, der allerdings leider wieder mit so recht belang- und lieblosen Stücke alá “Better of two evils“ und “Vodevil“ etwas zunichte gemacht wird.

Dass man mit dem dargebotenen, gesamten musikalischen Zwiespalt auch bei der eigenen Plattenfirma etwas haderte, beweist letztendlich die Tatsache, dass die bereits im Jahre 2002 erschienende Single “Taintet Love“ (eine eher schleppende Coverversion des damaligen Soft Cell-Klassikers) noch nachträglich mit auf das Album genommen wurde, obwohl es weder inhaltlich noch musikalisch dorthin passt.

Aber nun gut... Somit bleibt letztendlich ein Gesamtwerk übrig, dessen letztendlicher Wille zur völligen Konsequenz leider völlig fehlt und sich nicht entscheiden kann, wo es eigentlich hingehören mag. Für sich selbst betrachtet, mag “The Golden Age of Grotesque“ ein wahrlich nicht mal schlechtes Hard Rock- und Metal-Album sein. Da allerdings bekanntlich die Tatsache dahintersteckt, dass ein gewisser Marilyn Manson dieses Album erdacht und produziert hatte, lässt teilweise doch einen recht ordentlichen, faden Beigeschmack zurück.

Es fehlt hier einfach fast komplett jene magische Atmosphäre der letzten Alben, die einen so konsequent und magisch in seinen Bann ziehen konnte. Ebenso fehlt einfach auch größtenteils die melodiöse und musikalische Spannung innerhalb der einzelnen Musikstücke, die einen schon bei Titeln wie beispielsweise “The Beautyful People“, “Come White“ und „Burning Flag“ mit ihrer leicht morbiden und brachialen Stimmung in Atem hielt.

Oder sollte es sich letzten Endes doch als kolossalen und unverzeihlichen Fehler herausstellen, dass man im Jahre 2002 völlig überraschend Mastermind und langjährigen Mitmusiker Twiggy Ramirez hatte gehen lassen? Aber nun gut, das ist eine Frage, die wir wohl von offizieller Seite her nie bestätigt bekommen werden. Zumal letztendlich doch immer wieder die Fans (und somit auch die Käufer!) entscheiden, was gut ist und was nicht.

Seien wir also gespannt, was wir noch in Zukunft von Marilyn Manson auf musikalischer Ebene zu hören bekommen. Auch sollte auf Grund der Vollständigkeit noch erwähnt werden, dass neben der regulären Albumversion noch eine „Limited Edition“ erworben werden kann, welche eine Bonus-DVD enthält, auf welcher sich der von Marilyn Manson gedrehte Kurzfilm “Doppelherz“ (ca. 30 Minuten) befindet: Ein insgesamt recht surreales und groteskes Filmchen, das ein wenig an die Filme von Altmeister David Lynch (u.a. “Blue Velvet“ und “Lost Highway“) erinnert, aber insgesamt gesehen kein wirkliches Muss darstellt.

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