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Marilyn Manson: Eat me, Drink me

Ein sehr gelungenes Spätwerk
Wertung: 8.5/10
Genre: Modern Hardrock / Electro Rock
Spielzeit: 56:32
Release: 01.06.2007
Label: Interscope Records

„Ich will nicht, dass die Leute denken, diese Platte könnte so etwas wie eine Ausbeutung und Zurschaustellung meines Privatlebens sein. Allerdings würde ich doch sagen, dass es diese Platte überaus genau auf den Punkt bringt, wo ich mich gerade als Mensch befinde und was ich fühle.“ (Marilyn Manson im amerikanischen “Rolling Stone“ - Magazin)

Vier Jahre und eine gescheiterte Ehe mit Dita von Teese ist es nun her, seit Marilyn Manson mit seinem letzten Studioalbum “The Golden Age of Grotesque“ kapitalen Schiffsbruch erlitt: Weder die surreal angehauchten Texte zum Thema „Berlin, 30er Jahre & Dekadenz“, noch die übertrieben verschachtelten Sounds konnten auf dem besagtem Longplayer einen positiv bleibenden Eindruck hinterlassen. Der Meister allerdings selbst konnte mit all den (zugegebenermaßen gerechtfertigten) Kritiken so rein gar nicht umgehen und entzog sich daraufhin für eine ganze Weile der breiten Öffentlichkeit… Doch nun, vier Jahre nach “The Golden Age of Grotesque“, meldet sich „Mr. Antichrist Superstar“ wieder zurück: “Eat me, Drink me“ nennt sich der jüngste Spross aus den düsteren Hirnwindungen des Marilyn Manson.

Zweifelsohne hatte der ehemalige „Ziehsohn“ von NIN - Musiker Trent Reznor in den letzten Jahren die Zeit gehabt, sich über sein weiteres (musikalisches) Schaffen Gedanken zu machen… Und was soll ich sagen? Manson hat sich für “Eat me, Drink me“ auch wirklich etwas Besonderes einfallen lassen und dürfte insbesondere die Liebhaber seines 98´er Meisterwerkes “Mechanical Animals“ damit glücklich machen!

Doch beginnen wir an dieser Stelle an besten zuerst mit dem allgemeinen Grundtenor von “Eat me, Drink me“: Bereits nach dem ersten Hördurchlauf des gesamten Albums wird man feststellen, dass der Musiker Marilyn Manson in seiner gesamten Karriere musikalisch nie so progressiv - und zugleich lyrisch so menschlich - klang, wie auf dem hier vorliegendem Output im Jahre 2007. Zum einen liegt dies an dem wirklich gelungenen Wechselbad aus euphorischen und lethargischen Texten. Zum anderen aber auch an dem passenden Soundgewand, welches die ehemalig so markanten und stilprägenden Industrial-Klänge noch weiter zurückschraubt und dafür mehr auf richtig „handgemachte“ Gitarrenbretter setzt. Und gerade bei jenen Riffmaschinen, wird dieses Mal die komplette Bandbreite von 70´s Hardrock (“The Red Carpet Cave“ und “They said that Hell´s not hot“) bis hin zum ruppig-garstigen Metalsound der Moderne (“Are you the Rabbit?“) nahezu perfekt abgedeckt.

Entsprechend wird man auf “Eat me, Drink me“ dieses Mal auch keine brachialen Smasher der Kategorie “The Beautiful People“ (1996, “Antichrist Superstar“) und “The Fight Song“ (2000, “Holy Wood“) vorfinden können. Sicherlich sind hier Titel wie das fast schon hymnische (aber inhaltlich ziemlich gewalttätige) “You an Me and the Devil makes 3“ oder das bizarre “Just a Car Crash away“ zu nennen, die zu Teilen von den obszessiven Klängen ihrer Vorgänger leben - Aber eben wie gesagt nur zum Teil!

Auch wenn es sicherlich einige stören wird, dass der „maschinelle Sound“ auf “Eat me, Drink me“ eher rückläufig ist (wie es übrigens schon seinerzeit auf “Mechanical Animals“ der Fall war) und Manson oberflächlich betrachtet etwas „handzahmer“ anmutet als sonst, so wirkt das kollektive (sprich: kompositorische) Spektrum auf “Eat me, Drink me“ nach wie vor ungeheuer beklemmend und rau. Denn Manson bleibt trotz seiner relativ „hellen und warmen Sounds“ nach wie vor ein nihilistischer Geist. Nur das er eben heute viel bewusster mit den Licht- und Schattenseiten des menschlichen Wesens spielt. Genauer gesagt, verbirgt sich hinter “Eat me, Drink me“ eine exzessive und polemische Liebesgeschichte, die sich nach den anfänglichen Hochgefühlen der beiden Hauptprotagonisten letzten Endes in einem psychotischen Blutbad aus Hass und Selbstzerstörung suhlt… Und genau DIESE Tatsache schockt eben besonders gut: Weil es ein allumfassender, fortwährend schleichender und nicht aufzuhaltender Prozess ist, der hier wirklich superb von Marilyn Manson zelebriert wird!

Fast schon möchte ich mich dazu hinreißen lassen, dass Manson so etwas wie eine „zeitgenössische Neuauflage“ der melancholisch-depressiven Epoche von Joy Division vor Augen hatte. Aber eben wie gesagt nur fast, denn letztendlich ist auch Brian Warner zu größten Teilen nur ein Entertainer, der genau weiss, wie er seine Umwelt zu provozieren hat.

Fazit: Das wichtigste am neuen Album “Eat me, Drink me“ ist erstmal, dass man ihm die nötige Zeit und Ruhe zur vollkommenen Entfaltung gibt. Des Weiteren geizt das Album nicht mit musikalisch neuen Wegen, nur um sich in der Endkonsequenz dann doch irgendwie wieder selbst treu zu bleiben.

Zweifelsohne macht “Eat me, Drink me“ seinen äußerst durchwachsenen Vorgänger vergessen, auch wenn die Genialität von Werken wie “Antichrist Superstar“ und “Mechanical Animals“ hier nicht ganz erreicht wird (dafür fehlt einfach der eine oder andere „Übersong“, wie man so schön sagt). Aber nichtsdestotrotz sollten alle Liebhaber grundsolider „Gitarrenmusik mit dunklem Touch“ einen Blick riskieren und “Eat me, Drink me“ eine berechtigte Chance einräumen.

Im Übrigen wird das Album in einem sehr feinen “Super Jewel Case“ ausgeliefert, das (sprichwörtlich betrachtet) weder „Ecken und Kanten“ vorweist… Doch was am Ende der regulären Tracklist der peinliche „Volksfest Techno - Remix“ vom absolut kultigen “Heart-Shaped Glasses“ als Bonustrack zu suchen hat, kann ich mir beim besten Willen nicht erklären. Jedenfalls: Wer diesen Quatsch ernst nimmt, ist selber Schuld! Ansonsten aber ein dickes Kompliment, Monsieur Manson, für ein sehr gelungenes „Spätwerk“!

Anmerkung: Vermutlich steht mit der Up-Tempo Revue “Putting Holes in Happiness“ bereits der zweite Single-Kandidat aus dem Album fest (zumindest wird bereits auf dem Coversticker explizit auf diesen Track hingewiesen).

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